Harald Sassak war ein Wiener Raubmörder, der sich zwischen 1970 und 1972 als Gaskassier ausgab, um in die Wohnungen älterer Menschen zu gelangen, und dabei sieben Menschen tötete. Er ging als „Gaskassier“ oder „Gasmann-Mörder“ in die österreichische Kriminalgeschichte ein und verbrachte mehr Zeit in Haft als jeder andere Verurteilte des Landes. Hier lesen Sie die belegten Fakten.
Herkunft
Sassak wurde am 28. Juni 1947 in Oberwart im Burgenland geboren. Er lernte Installateur und arbeitete nach dem Grundwehrdienst von 1966 bis 1969 als Hilfspfleger im Krankenhaus Lainz in Wien. Freunde und Vorgesetzte beschrieben ihn als umgänglich und hilfsbereit.
Die Masche
Mit Uniform und gefälschtem Ausweis gab sich Sassak als Mitarbeiter der Stadtwerke aus, der die Gasanlage überprüfen und Gebühren kassieren müsse. Seine Fachkenntnisse als Installateur machten ihn glaubwürdig. Waren die meist alleinstehenden, betagten Menschen abgelenkt, überwältigte und beraubte er sie. Vom 31. August 1970 bis zum 12. Februar 1972 verübte er sieben Raubmorde und neun Raubüberfälle, bei einigen half ihm ein Komplize. Viele Opfer starben erst Tage oder Wochen nach dem Überfall an den Folgen der Gewalt.
Festnahme
Obwohl Sassak Fingerabdrücke und Zigarettenstummel an den Tatorten hinterließ, kamen die Ermittler lange nicht weiter. Entscheidend war laut ORF III eine ältere Frau, die den Täter so genau beschreiben konnte, dass ein Phantombild entstand. Ein Kellner eines Wiener Hotels erkannte Sassak darauf; noch im Hotel wurde er festgenommen und von einer Überlebenden identifiziert.
Prozess und Haft
Der Prozess begann am 22. Jänner 1974. Sassak gab die Überfälle zu, bestritt aber jede Tötungsabsicht, was die Gerichtsmedizin widerlegte. Am 7. Februar 1974 wurde er wegen sieben Morden, einer Vergewaltigung und neun weiterer Raubtaten zu lebenslanger Haft verurteilt, sein Komplize zu 18 Jahren. Sassak saß mehr als 39 Jahre im Gefängnis, länger als jeder andere Verurteilte in Österreich. Laut NÖN verbrachte er seine letzten Jahre in Weitra im Waldviertel, wo er am 21. August 2013 starb.
Bezeichnungen
Die Boulevardpresse nannte den unbekannten Täter vor der Festnahme auch „Würger von Wien“. ORF III bezeichnet ihn in der Reihe „Wahre Verbrechen“ als prominentesten Raubmörder der Zweiten Republik. Die Folge „Der Gasmann-Mörder“ entstand 2021 unter der Regie von Wolfgang Winkler.
Einordnung
Unsere Vermutung: Gerade weil die Taten in den eigenen vier Wänden der Opfer geschahen, prägte der Fall das Sicherheitsgefühl einer ganzen Generation älterer Wienerinnen und Wiener. Ein weiterer Fall mit Bezug zum Krankenhaus Lainz ist jener von Waltraud Wagner. Weitere Fälle finden Sie in der Liste der Serienmörder in Österreich und in der Übersicht der Listen mit Serienmördern.
Stand: 2. November 2026