Waltraud Wagner war Stationsgehilfin im Krankenhaus Lainz in Wien und wurde 1991 als Haupttäterin der sogenannten „Todesengel von Lainz“ wegen 15 Morden verurteilt. Der Fall erschütterte Ende der 1980er-Jahre das Vertrauen in die Wiener Spitäler und führte zu einer breiten Debatte über Pflege, Personalmangel und Kontrolle. Hier lesen Sie die belegten Fakten.
Herkunft
Ein Geburtsdatum nennen die geprüften Quellen nicht. Beim Urteil im März 1991 war Wagner laut Standard 32 Jahre alt, bei ihrer Entlassung im August 2008 laut ORF 49. Unsere Vermutung: Sie wurde 1958 oder 1959 geboren; das hier verwendete Datum 1. Januar 1959 ist ein Platzhalter.
Die Taten
Wagner arbeitete laut Spiegel seit 1982 im Pavillon V, der 1. Medizinischen Abteilung des Krankenhauses Lainz, und galt als Kopf der Gruppe. 1983 begann sie zu töten, zunächst allein und in Abständen von mehreren Monaten; später lernte sie Kolleginnen an. Die Täterinnen spritzten Menschen ohne Diabetes Insulin, verabreichten das Schlafmittel Rohypnol in vielfacher Dosis und führten eine von ihnen zynisch „Mundpflege“ genannte Prozedur durch, bei der Patientinnen und Patienten Wasser eingeflößt wurde, bis sie erstickten. Am 7. April 1989 gestanden die vier Stationsgehilfinnen gegenüber der Wiener Polizei. Der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky sprach vom brutalsten und grausamsten Verbrechen der österreichischen Geschichte. Unsere Vermutung: Die tatsächliche Zahl der Todesopfer lag höher als die gerichtlich nachgewiesene, weil viele Verstorbene nicht mehr untersucht werden konnten.
Prozess und Urteil
Nach 17 Verhandlungstagen und fast 20 Stunden Beratung sprachen die Geschworenen in Wien Wagner wegen 15 Morden und 17 Mordversuchen schuldig; sie erhielt lebenslange Haft. Irene Leidolf, drei Jahre jünger, wurde wegen fünf Morden und zwei Mordversuchen ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei weitere Mitangeklagte erhielten zeitlich begrenzte Strafen. Der Oberste Gerichtshof bestätigte im Mai 1992 die Schuldsprüche; laut taz blieb es bei 20 Jahren für eine Mitangeklagte, während die Strafe einer anderen von 15 auf 12 Jahre herabgesetzt wurde.
Folgen
Laut ORF wurden Wagner und Leidolf am 7. August 2008 nach mehr als 19 Jahren Haft aus der Justizanstalt Schwarzau bedingt entlassen; Wagner war damals 49 Jahre alt. Als Hintergrund der Taten nennt der ORF Überbelegung, beruflichen Stress und Personalnot auf der Station. Der Kurier berichtete 2017, dass der Wiener Krankenanstaltenverbund seither unter anderem auf das Vier-Augen-Prinzip und lückenlose Protokolle bei der Medikamentenausgabe setzt.
Einordnung
Der Fall Lainz wird oft neben anderen Tötungsserien in Pflegeeinrichtungen genannt. Weitere österreichische Fälle finden Sie in der Liste der Serienmörder in Österreich, darunter auch Elfriede Blauensteiner. Fälle aus anderen Ländern sammelt unsere Übersicht der Listen mit Serienmördern.
Stand: 2. November 2026