FBI Hack enthüllt: aktuelle iPhones haben mehr Speicher als gedacht

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Sie werden es sicherlich mitbekommen haben: das FBI verlangte von Apple, dass das Unternehmen aus Cupertino helfe, das iPhone 5c der San Bernadino Attentäter zu hacken. So sollten die Ermittlungsbehörde die darauf gespeicherten verschlüsselten Daten einsehen können.

Nachdem Apple sich beharrlich geweigert hatte, die amerikanische Bundespolizei zu unterstützen, machte sich das FBI selbst ans Hacken und konnte mit Hilfe eines noch unbekannten Unternehmens tatsächlich das iPhone der Attentäter knacken.

Welche Erkenntnisse über das Attentat die Ermittler durch das Smartphone erhielten, ist noch unbekannt – aber ein Überraschung hat es gegeben. So wird Agent John Schillinger zitiert:

Wir konnten es selbst erst nicht glauben, aber nachdem wir das iPhone 5c von Syed Rizwan Farook erfolgreich gehackt haben, hatte es plötzlich 128 GB Speicher statt der offiziellen 16 GB.

Wie Schillinger weiter ausführt, hat man danach weitere iOS Geräte untersucht und dabei festgestellt, dass in jedem Modell einer Serie der gleiche Speicher verbaut ist. So verfügen alle iPhones der 5, 5s, 5c, 5se, 6, 6plus, 6s und 6s plus Serie über 128 GB RAM. Bei allen 4er Modellen sind immerhin 64 GB verbaut.

Die Speicherbeschränkung bei den günstigeren Modellen wird laut FBI nur über die Firmware gesteuert. Nachdem deren Beschränkungen aufgehoben wurden, stand auch der volle Speicher zur Verfügung. Auch bei den aktuellen iPads und iPods ließ sich dies reproduzieren. So haben z.B. alle iPad Air Modelle volle 256 GB Speicher.

Grundsätzlich ist so ein Vorgehen nicht unüblich. So ist in vielen Autos mit nominell unterschiedlicher PS Zahl oder auch Hubraum der gleiche Motor verbaut. Für die unterschiedliche Leistung ist die Software verantwortlich – ein Umstand, den sich spezielle Anbieter beim sog. Chip Tuning zunutze machen. Auto Experte Prof. Ferdinand Dudenhöfer führt dazu aus, dass es günstiger sei, immer den gleichen Motor zu verbauen, als andere leistungsschwächere Varianten zu entwickeln. Auch hinsichtlich der Logistik sei dies viel einfacher.

Apple Kenner wundert es nicht: es ist viel günstiger, alle iPhones über eine einheitliche Fertigungsstraße laufen zu lassen und die Unterschiede im Speicher dann erst über die einfach zu flashende Firmware zu realisieren, so die einhellige Meinung. Insider sollen sich gerüchteweise schon vorher dieses Tricks bedient haben, der neben dem Jailbreak eine kleine App voraussetzte. Da dieses Vorgehen illegal war, wurde darüber aber nie groß gesprochen.

Nachdem der Hack und die Entdeckung des verborgenen Speichers in den iOS Geräten durch das FBI nun quasi offiziell ist, dürften sich viele Apple Nutzer aber bald über deutlich mehr Speicherplatz freuen. Schillinger sagt, dass bereits alle Kollegen ihre iPhones, iPods und iPads entsperrt hätten. Und es sei ein ziemlicher Unterschied, ob man nur 16 GB, 32GB, 64GB oder eben satte 128GB Speicher zur Verfügung habe.

Und in diesen Genuss sollen bald alle Apple Nutzer kommen: das FBI habe sich bereits mit den amerikanischen Verbraucherschutzbehörden in Verbindung gesetzt. Diese planen eine Anordnung, dass Apple den versteckten Speicher bei allen betroffenen Geräten freischalten solle. Diese soll über ein iOS Update (Version 9.40116) realisiert werden, das schon in den nächsten Tagen ausgerollt werden soll.

Doch nicht nur das: Nutzer, die iPhones, iPods und iPads mit mehr als 16 GB gekauft haben, sollen die entsprechende Preisdifferenz erstattet bekommen. Wer also für ein 128GB iPhone 6s plus gezahlt hat, soll die Differenz zum 16GB Einsteigermodell per Scheck oder Überweisung erhalten. Ob dies nur in den USA gilt oder auch in anderen Märkten, ist noch unklar.

So oder so: Heute ist ein Freudentag für viele Apple Nutzer, die sich geärgert haben, dass man den Speicher beim iPhone nicht per SD Karte oder auf anderem Wege erweitern kann.

Apple wollte sich auf Nachfrage noch nicht zu der unverhofften Speichererweiterung äußern.

Bild: (c) William Hook, cc 2.0 Lizenz

Lesenswertes 5

 

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Die aktuellen “lesenswertes” Links:

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    Die NASA Sonde New Horizons ist jetzt auf dem Weg zu 2014 MU69, einem Trans-Neptun Objekt.
  2. Previous ShareBeyond the airstrikes: Russia’s activities on the ground in Syria
    Belege, dass russische Milizionäre in Syrien im Bodenkampf aktiv sind.
  3. Hallo, ich bin ein Weckmann
    Das Bonner Münster erklärt interessantes zum Weckmann und zu St. Martin. (Ich weiß, St. Martin ist vorbei, aber es hat diesmal etwas länger gedauert, bis 10 lesenswerte Links zusammengekommen sind…)
  4. Verfassungsbeschwerde von Peter Gauweiler (PDF)
    Gauweiler gegen QE-Anleihenkäufe der EZB und gegen Befangenheit Draghis. Long Read. Kompliziert. Aber lohnend.
  5. EU-Kommission: Das Ende der kostenlosen Internet-Links?
    Achtung – will die EU Kommission ein LSR durch die Hintertür einführen? Hier sollte man frühzeitig wachsam sein!
  6. Das iPad Pro ist nicht das Ende der PC Ära
    Kommentar von Carsten Drees zu Tim Cooks Aussage, das iPad Pro ersetze den PC. Walt Mossberg ist übrigens der gleichen Meinung (und damit wären wir diesmal streng genommen bei 11 Linktipps…)
  7. Midori
    Stimmt – da war mal was. Das Betriebssystem Projekt von Microsoft scheint in Windows 10 aufgegangen zu sein.
  8. Gebt uns eine Strategie
    Zum 60. Geburtstag der Bundeswehr.
  9. Your Xbox One is getting a lot faster today
    Die wichtigsten Infos zum Xbox ONE Update, das heute erscheint.
  10. 21 Dinge, die in jeden Rucksack gehören
    Must Read für alle Backpacker

Bild: Hausnummer der Buchhandlung Behrendt in Bonn.

Tablets machen dumm

Für viele Menschen ersetzt das Tablet den “PC” – egal in welcher Bauform er daher kommt. Und das halte ich für zusehends gefährlich. Denn Tablets machen dumm.

“Mailen, Surfen und Lesen, …. Video schauen und Bilder betrachten” – dazu nutzen die Kunden Ihre Tablets, wie Marco Dettweiler in seinem F.A.Z. Kommentar zu den neuen Apple iPads schreibt. In der Tat, Tablets sind weitestgehend für den Konsum geeignet, nicht fürs “Machen”. Und damit sind die Käufer wie Tim Cook in der Apple Keynote mehrfach betonte, auch 100% zufrieden.

Leider. Denn sobald es darum geht, selbst aktiv und kreativ zu werden, schränken die meisten Tablets einen ziemlich ein. Allein schon weil im Regelfall keine Tastatur dabei ist.

Die meisten Menschen schreiben nicht gerne auf einem Touchscreen.  Und wenn, dann meist nicht gut; mit einem Tablet geschriebene Texte – z.B. die von Dettweiler erwähnten Mails – erkennt man meist ziemlich schnell: kurz und mit den klassischen Autokorrektur Fehlern. Die Bereitschaft, einen längeren Text zu schreiben, wird durch ein Tablet zwangsläufig gehemmt.

Auch sonst schränken einen Tablets ein – einfach, weil die beiden herrschenden Betriebssysteme für Tablets iOS und Android nicht so viele Möglichkeiten bieten wie Windows oder OS X. Die meisten Apps geben einem einen engeren Rahmen vor, als ihre Desktop Pendants. Kreativität im Korsett.

Ich will daher gar nicht wissen, wie viele Kommentare, Blogartikel, Briefe, lange Mails, Artikel und Bücher wegen Tablets nicht geschrieben wurden. Oder wie viele Menschen nicht Programmieren gelernt haben, wie viele Websites oder Kunstwerke erst gar nicht entstanden sind – alles nur, weil Tablets statt normaler Notebooks oder Desktops genutzt werden.

Also, Hände weg vom Tablet und zurück zum PC, Notebook, Netbook oder zu Hybriden wie dem Surface oder dem Lenovo Yoga!

War’s das, Apple?

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Bild (c) Nokia

Die Apple Keynote vom am 10.09.2013 brachte keine (fast) Überraschungen. Alle wesentlichen Details waren vorher schon geleaked. Einmal das bunte Polycarbonat iPhone 5C, das vom Design her aussieht wie frisch aus der Entwicklungsabteilung von Nokia kopiert, das dann auch für den einzigen Wow-Effekt des Tages sorgte – den überraschend hohen Preis: “Technik von gestern zum Preis von vorgestern”, wie Sascha Pallenberg passend schrieb.

Das 5S hat eine bessere Kamera, ist schneller, hat einen Fingerabdruck-Sensor und ist auch in Gold erhältlich. Letzteres freut wahrscheinlich Käufer in Russland, Arabien und hierzulande vielleicht noch einige… ähm, lassen wir das.

Einzig das Entsperren des Smartphones mit Fingerabdruck – das muss ich ehrlich zugeben – hat was, die Funktion schätze ich schon seit Jahren bei meinen Thinkpads. Schön umgesetzt hat Apple den Sensor mE aber nicht. Und wir werden bald elegantere Lösungen von Samsung, Nokia/Microsoft, HTC, Sony und sogar von chinesischen Billigherstellern sehen.

Was Innovation angeht, war es das diesmal für Apple. Was natürlich nicht heißt, dass die neuen iPhones sich nicht wieder hervorragend verkaufen werden und die Margen beim 5C sich besonders hoch sind.

Tim Cook, treffend als “panicked and completely idea-free man” karikiert, hatte bei der Keynote aber auch weniger die Tech-Freaks als vielmehr die Wallstreet im Visier. Das “Billig-iPhone” ist eben nur für Apple deutlich billiger in der Herstellung als die Fortführung des iPhone 5. Es ist eine Premiere, dass das Vorgängermodell verschwindet. Und einen Schwerpunkt der Präsentation bildeten Folien, bei wie vielen Netzbetreibern auf der Welt die neuen Modelle jetzt verfügbar sein werden. Honoriert hat die Börse es insoweit, als dass der AAPL Kurs nach der Keynote nur um 2,28% (11,53US$) zurückging.

Im Oktober kommen wahrscheinlich die neuen iPads und werden wohl auch nur schneller, dünner, hochauflösender sein – Anpassung an den Wettbewerb.  Beim Thema Smartwatch wird man Nachzügler sein, hat dadurch aber die Chance, einiges besser zu machen als die Konkurrenz. Bleibt die Frage, was aus dem ominösen Fernseher wird – Steve Jobs hat hier noch vor seinem Tod hohe Erwartungen geweckt: “Es wird die einfachste Benutzeroberfläche haben, die man sich vorstellen kann. Ich habe es endlich herausgefunden.” wird er zitiert. Doch dieses Zitat ist jetzt schon über zwei Jahre alt und gesehen haben wir von Apple nichts in der Richtung. Stattdessen hat z.B. Microsoft mit XBox One vorgelegt, wie das Fernsehen der Zukunft aussehen kann.

Wird Apple uns nochmal so richtig überraschen? Vorerst wohl kaum. Und geht damit mit großen Schritten in Richtung eines ganz normalen Technologie-Unternehmens.

Dank dem panischen ideenlosen Mann an seiner Spitze.

iOS 7 – und (fast) alles wird gut

iOS 7 spaltet die Apple Gemeinde und den Rest der IT Welt. Grob gesehen kann man folgende Gruppen unterscheiden:

  • Die Apple Fanboys, denen Cupertino alles unterjubeln könnte – auch ein iOS im “My Little Pony” Look.
  • Die Apple Fanboys, die vom “My Little Pony” Look des Homescreen verstört sind.
  • Die Hater, denen Apple eh nichts recht machen und die sich über den “My Little Pony” Look von iOS7 lustig machen.
  • Die, die genauer hinsehen und sich vom “My Little Pony” Look nicht irritieren lassen.

Denn hinter dem – auch für mich verstörend aussehenden – Homescreen verbergen sich dann bei näherer Betrachtung aber durchaus sehr elegante Apps im zuerst von Microsoft und dann ansatzweise von Google vorgemachten Flat-Design.

Zum Beispiel die Mail App, die mich an die von Windows Phone 8 erinnert und fast noch eleganter ist.

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Was Microsoft jedoch deutlich besser gemacht hat, ist die Schriftlesbarkeit der Mailtexte selbst – es wurde eine kräftigere Schrift gewählt. Aber hier kann Apple ja leicht nachbessern.

Ein anderes gutes Beispiel ist die iOS7 Wetter App, die Elemente von HTC Sense, Windows Phone 8 und der Wetter App von Windows 8 aufgreift.

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Kurzum – diese und andere Bereiche von iOS 7 gefallen mir richtig gut. Durch den Homescreen entsteht aber der Eindruck, dass sich Apple “nicht zwischen Minimalismus und Blinkibunti entscheiden konnte” (Tom Hillenbrand):ios7-homescreen

Es besteht jedoch Hoffnung, dass insbesondere die Icons  – die ich wirklich für misslungen halte – noch überarbeitet werden, wie einige Berichte andeuten.

Ich bin mir sicher, dass spätestens iOS 8 ein schönes Flat-Design mobile OS aus einem “Guss” werden kann. Gleichzeitig verstehe ich aber noch nicht, wie Jony Ive und Tim Cook iOS 7 in dieser unfertigen Form präsentieren konnten. Viel Spot wäre Ive und Apple erspart geblieben. Unter Steve Jobs hätte es das jedenfalls nicht gegeben…

Gleichwohl bleibe ich dabei, dass Apple ein iOS7 Problem hat, da viele Stammuser einfach zu sehr verwirrt werden und durch den erfolgten Bruch sicher Hürden zum Umstieg auf Windows Phone und Android fallen.

Was mich aber letztlich am meisten freut – gerade die klaren Flat-Design Apps von iOS 7 werden besonders gelobt. Und diese orientieren sich besonders auffällig an Windows Phone. Da frage ich mich nur, warum die gleichen Menschen, die vor wenigen Tagen WP noch als stillos abtaten, jetzt plötzlich iOS 7 über den grünen Klee loben. Denn Windows Phone ist das konsistentere Flat Design Betriebssystem.

Nachtrag 1:

Das mit der Schrift beim Mail Client scheint Erik Spiekermann ähnlich zu sehen:

Nachtrag 2:

Mir geht es in diesem Artikel nur um die Design Aspekte von iOS7, nicht um die Funktionalität, die ich nicht gut genug beurteilen kann.

Nachtrag 3:

Da Fragen kamen: Nein, ich werde mir auch jetzt in absehbarer Zeit kein iOS Gerät kaufen. Dazu habe ich nach wie vor zu viele Vorbehalte gegen Apple. Ich will das für die Zukunft aber nicht mehr kategorisch ausschließen.

Nachtrag 4:

My Little Pony: The Runaway Rainbow - Czechoslovakian Style

Nachtrag 5:

iOS 8 Homescreen Entwurf

my-littly-pony-phone

Bilder oben: (c) Apple
Bild unten: (c) Allposters
Bild ganz unten: (c) Apple, Allposters und ich

Steve Jobs krank

Zunächst: beste Genesungswünsche an Steve Jobs. Der Apple Chef ist wieder erkrankt und muss sich bis auf weiteres aus dem Tagesgeschäft zurückziehen.

Dies ist nun das dritte mal: 2004 war er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, 2009 musste er sich einer Lebertransplantation unterziehen.

Besonders für Apple sind dies schlechte Nachrichten: die Aktie fiel spontan über 8%. Es ist einfach fraglich, wie es für Apple ohne Steve Jobs weitergeht, der für Erfolge wie iMac, iPhone und iPad verantwortlich zeichnet.

Das Tagesgeschäft wurde von Tim Cook übernommen, der als Kronprinz gilt.