Leben ohne Brot: die Lutz-Diät im Überblick

„Leben ohne Brot“ gehört zu den ältesten Low-Carb-Konzepten im deutschsprachigen Raum. Der österreichische Arzt Wolfgang Lutz empfahl, dauerhaft nur etwa 72 Gramm Kohlenhydrate am Tag zu essen. Hier lesen Sie, wie die Lutz-Diät funktioniert, woher sie kommt und wie sie sich aus heutiger Sicht einordnen lässt.

Das Prinzip: 72 Gramm Kohlenhydrate am Tag

Lutz rechnete in Broteinheiten (BE). Eine BE entspricht 12 Gramm Kohlenhydraten. Erlaubt sind 6 BE am Tag, also rund 72 Gramm. Gezählt werden nur die Kohlenhydrate. Eiweiß und Fett begrenzt Lutz nicht.

Grundlage der Ernährung sind:

  • Fleisch, Fisch und Eier
  • Milchprodukte und Käse
  • Gemüse und Salat
  • Fette und Öle

Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Obst und Süßes sind trotz des Buchtitels nicht verboten. Sie müssen aber in das tägliche Budget von 6 BE passen. Eine BE steckt ungefähr in:

  • einer halben Scheibe Brot (etwa 25 Gramm)
  • einer kleinen Kartoffel (etwa 80 Gramm gekocht)
  • einem kleinen Apfel (etwa 100 Gramm)
  • einem Glas Milch (etwa 250 Milliliter)

Zum Vergleich: Bei einem Energiebedarf von 2.000 kcal liefern 72 Gramm Kohlenhydrate nur rund 14 Prozent der Energie. In einer üblichen Mischkost ist es ein Vielfaches davon. Strenge Low-Carb-Diäten gehen noch weiter, die Atkins-Diät etwa beginnt mit 20 Gramm am Tag. Die Lutz-Diät ist also ein gemäßigter Low-Carb-Ansatz.

Geschichte

Wolfgang Lutz wurde 1913 in Linz geboren und starb 2010 in Graz. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Internist in Salzburg. Sein Konzept beschrieb er 1967 allgemein verständlich im Buch „Leben ohne Brot“, das bis in die 2000er Jahre immer wieder neu aufgelegt wurde. Nach eigenen Angaben behandelte er in rund 40 Jahren mehr als 10.000 Patientinnen und Patienten nach seinen Regeln. Unabhängige Belege für die Heilerfolge, die er beschrieb, gibt es nicht.

Lutz ging davon aus, dass der Mensch als Jäger und Sammler nicht an große Mengen Kohlenhydrate angepasst sei. Viele Zivilisationskrankheiten und Übergewicht führte er auf Störungen im Hormonhaushalt durch zu viele Kohlenhydrate zurück. Das Abnehmen stand für ihn nicht im Vordergrund. Seine Diät gilt als Vorläufer späterer Low-Carb-Konzepte wie Atkins.

Zur Biografie gehört auch die Zeit des Nationalsozialismus. Lutz war Mitglied der SS. Eine medizinhistorische Dissertation der Universität Gießen aus dem Jahr 2013 hat seine Verbindung zu den Unterdruckversuchen im Konzentrationslager Dachau 1942 untersucht. Lutz gab nach dem Krieg an, eine Mitarbeit abgelehnt zu haben. Ein Patentantrag aus dem Jahr 1942 spricht dafür, dass er sich mit dem Projekt befasst hat. Seine genaue Rolle ist nach dieser Arbeit nicht abschließend geklärt.

Heutige Einordnung

Low-Carb-Ernährung ist heute kein Außenseiterthema mehr. Für das Abnehmen zeigt die Forschung aber vor allem eines: Auf Dauer wirken Low Carb und Low Fat ähnlich gut. In der großen DIETFITS-Studie mit 609 Erwachsenen verloren die Teilnehmenden nach zwölf Monaten mit gesunder Low-Carb-Kost im Schnitt 6,0 Kilo, mit gesunder fettarmer Kost 5,3 Kilo. Der Unterschied war nicht bedeutsam. Entscheidend ist, welche Ernährungsform man durchhält.

Bei Typ-2-Diabetes kann eine Reduktion der Kohlenhydrate helfen, den Blutzucker besser einzustellen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft nennt sie eine praktikable Möglichkeit. Wer Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nimmt, sollte die Umstellung aber unbedingt mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen, weil sonst Unterzuckerungen drohen.

Wichtiger als die reine Menge ist nach heutigem Wissen die Qualität. Der World Cancer Research Fund rät, zuckergesüßte Getränke und Fast Food zu begrenzen, empfiehlt aber zugleich reichlich Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält Vollkornprodukte für die beste Wahl bei Getreide. Die These von Lutz, Kohlenhydrate seien grundsätzlich die Ursache vieler Krankheiten, ist so nicht belegt.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Die Regel ist einfach: Sie zählen nur eine Zahl.
  • Eiweiß, Fett und Gemüse sättigen gut, Hungern ist nicht nötig.
  • Zucker und Weißmehl spielen kaum noch eine Rolle.
  • Im Vergleich zu sehr strengen Low-Carb-Diäten bleibt Spielraum für Obst, etwas Brot oder Hülsenfrüchte.

Nachteile

  • Vollkorn, Hülsenfrüchte und Obst kommen leicht zu kurz und damit auch Ballaststoffe.
  • Fett ist unbegrenzt. Wer vor allem Wurst, Butter und fettes Fleisch isst, nimmt viele gesättigte Fettsäuren auf. Die DGE empfiehlt dagegen pflanzliche Öle und höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche.
  • Die gesundheitlichen Versprechen von Lutz sind nicht durch Studien gedeckt.
  • Bei Medikamenten gegen Diabetes ist ärztliche Begleitung nötig.

Wenn Sie es ausprobieren möchten

Nutzen Sie das BE-Budget bewusst: lieber Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Beeren und Gemüse als Weißbrot und Süßes. Wählen Sie bei den Fetten vor allem Rapsöl, Olivenöl, Nüsse und fetten Seefisch. Weitere Ernährungsformen finden Sie in der Liste der Ernährungskonzepte und Diäten.

Quellen

Welche Nahrungsbestandteile haben wieviel kcal? Und warum Low Carb so gut funktioniert

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Es sind im wesentlichen vier Nahrungsbestandteile, die dem Körper Energie zuführen können: Proteine, Fette, Kohlenhydrate und Alkohol. Welche Ihr Körper davon braucht und warum Low-Carb Ernährung so gut funktioniert, erfahren Sie hier.

Proteine und Fette – essentiell für den Menschen

Proteine – vulgo auch Eiweiß – finden wir besonders reichhaltig in Fleisch, Fisch, Milchprodukten und auch einigen pflanzlichen Lebensmitteln (Hülsenfrüchte, Soja). Ohne fortwährende Proteinzufuhr wären Sie schnell tot. Die Instandhaltung und Neubildung von Zellen z.B. beim Muskelaufbau, der Haut oder bei Ihrem Immunsystem würde ohne eine ständige Proteinzufuhr einfach nicht funktionieren. 1g Eiweiß hat übrigens einen Brennwert von 4kcal pro Gramm (17kJ).

Fette liefern satte 9kcal (37kJ) pro Gramm – und haben daher einen schlechten Ruf als Kalorienbomben. Weitgehend zu Unrecht, denn Fett ist ebenfalls ein wichtiger Baustein unserer Zellen. Zudem schützt und isoliert es unseren Körper. Ein Körperfettanteil unter 5% bei Männern und unter 10% bei Frauen führt in der Regel auf kurz oder lang zum Tod. Auch Fette müssen also unbedingt sein.

Eiweiß und Fett muss man mit der Nahrung aufnehmen, sie sind unverzichtbare essentielle Nährstoffe.

Alkohol – besser vermeiden –

Anders sieht es bei Alkohol aus: er liefert Energie (7kcal=29kJ) , ist aber nicht lebensnotwendig. Vielmehr bereitet der übermäßige Alkoholkonsum dem Körper viel Arbeit, weil er ein Zellgift ist, das abgebaut werden muss. Wer schon mal einen Kater hatte, weiß wovon ich rede. Langfristig kann zu viel Alkohol schwerwiegende Schäden nach sich ziehen, z.B. in der Leber. Die manchmal behauptete gesunde Wirkung von alkoholischen Getränken in kleinen Mengen rührt nicht vom Alkohol her, sondern von anderen Inhaltsstoffen. Mehr zum Thema Alkohol haben wir hier zusammengefasst.

Ballaststoffe – und sonst noch ein paar

Ein bisschen unter dem Radar fliegen die Ballaststoffe. Das sind weitgehend unverdauliche Pflanzenbestandteile, die dementsprechend einen niedrigen Brennwert haben: nur rund 2kcal pro Gramm (8kJ). Sie sind übrigens wahrscheinlich für die Darmgesundheit wichtig, doch ist der Forschungsstand hier noch erstaunlich dünn. Viel spricht aber dafür,  dass eine ballaststoffreiche Ernährung der Gesundheit förderlich ist.

Daneben kommen in Lebensmitteln noch andere Inhaltsstoffe vor, die Energie liefern: Polyole, organische Säuren und Salatrims (energiereduzierte Fette) – diese können wir hier an dieser Stelle aber vernachlässigen.

Kohlenhydrate und die Lebensmittellobby

Eine Gruppe habe ich bisher noch nicht erwähnt: Die Kohlenhydrate. Aus gutem Grund – denn um diese geht es hauptsächlich in diesem Artikel.

Kohlenhydrate – insbesondere Zucker und Stärken – sind besonders reichhaltig enthalten in Kartoffeln, Reis und Getreideprodukten wie Nudeln, Brot und Cornflakes.

Kohlenhydrate sind super, sagen die klassischen Ernährungswissenschaftler. Sie sind leicht verdaulich und liefern Ihrem Körper schnelle Energie.

Kohlenhydrate sind super, sagt auch die Industrie. Denn kohlenhydratlastige Produkte sind billig in der Herstellung, leicht lagerbar und lassen sich teuer verkaufen.

Wenn Sie mal überlegen nehmen Sie über den Tag eine ganze Menge Kohlenhydrate zu sich: Cornflakes zum Frühstück, ein Brötchen in der 10h Pause, Nudeln zum Mittagessen, ein Schokoriegel zum Nachmittagskaffee und Brot am Abend – auch wenn da zur Tarnung Light-Frischkäse und Gurke drauf sind.

Das sind eine ganze Menge Kohlenhydrate. Eine ganze Menge Energie. Eine ganze Menge Energie, die Ihr Körper so gerade nicht braucht – weil Sie nicht durch die Steppen Afrikas streifen wie unsere Urahnen, sondern morgens mit dem Auto in die Kanzlei Meier, Huber & Partner fahren, dort den Tag überwiegend sitzend verbringen, mit dem Auto nach Hause fahren, wo sich auch nicht mehr groß bewegt wird.

Und was macht Ihr Körper mit dieser Energie? Er lagert sie ein. Zunächst für den schnellen Abruf in Muskeln und Leber. Als eine Zuckerart. Das geht aber nur mit einer kleinen Menge Kohlenhydrate, im Mittel um die 500g.

Der Großteil wandert danach aber direkt in Ihre Fettzellen. An Ihren Bauch, an Ihre Oberschenkel, an Ihren Hintern, zwischen Ihre Organe, an Ihren Hals und in Ihr Gesicht. Sie werden fett und fetter. Jeden Tag ein bisschen mehr. Schleichend. Es fällt Ihnen vielleicht erst gar nicht auf. Doch lassen Sie es im Jahr nur 600g sein. Wenn Sie mit 21 noch schlank und rank waren, schleppen Sie mit 36 auf einmal 9kg überflüssiges Fett mit sich herum. Mehr als 18 Päckchen Butter, verteilt an und in Ihrem Körper. Blöde Sache.

Besonders blöd, wenn man bedenkt, dass Kohlenhydrate nicht essentiell sind. BANG. Der Körper muss sie nicht mit der Nahrung aufnehmen, um zu funktionieren. Genau auch wie Alkohol nicht. PUNKT.

Und das lassen Sie jetzt einmal sacken: Den Nährstoff, mit dem Sie nach den altmodischen Ernährungswissenschaftlern den größten Anteil Ihres Energiebedarfs decken sollen, muss gar nicht mit der Nahrung aufgenommen werden.

Mooooment – denken Sie jetzt vielleicht, es heißt doch immer, das Gehirn braucht Zucker (ein Kohlenhydrat), um zu funktionieren. Und das das stimmt auch. Aber wenn man nicht genug Zucker mit der Nahrung aufnimmt, bildet der Körper ihn einfach selbst. Und das aus dem eingelagerten Körperfett. BANG!

Das ist das große Geheimnis, der LowCarb Diäten, bei denen man auf Kohlenhydrate weitgehend verzichtet.

Das Wunder der Ketose

Und weil es so wichtig ist, gleich nochmal: Nimmt man weniger Kohlenhydrate zu sich, als der Körper – insbesondere das Gehirn – verbraucht, bildet der Körper aus Fett selbst Zucker und Zuckerersatzstoffe, die sog. Ketonkörper.

Und ist das bei allen Menschen so? Ja, das funktioniert bei allen. Natürlich hat sich der Mensch angepasst, seitdem er Ackerbau betreibt und Nutzvieh hält. So vertragen die meisten von uns Kuhmilch, eine extrem erfolgreiche Mutation, die sich rasend schnell unter den Europäern durchgesetzt hat. Und es mag ebenso auch Menschen geben, deren Erbgut schon an den massenhaften Verzehr von Kohlenhydraten angepasst ist und die dann dennoch schlank bleiben. Bewiesen ist das aber noch nicht. Und wenn es sie gibt, werden diese Zeilen hier mangels Übergewicht ohnehin nicht lesen.

Da aller guten Dinge drei sind also nochmal: Fehlen die Kohlenhydrate aus der Nahrung, baut sich der Körper aus Fett selbst welche.

Und was heißt das jetzt, wenn ich Abnehmen will?

Sie haben jetzt einen recht guten Überblick, welche Nahrungsbestandteile einen Brennwert haben und inwieweit Ihr Körper diese braucht – sie können Ihre Nahrung jetzt etwas bewusster auswählen. Außerdem wissen Sie jetzt, warum Low Carb Diäten so gut funktionieren.

Aber rund ums Thema Abnehmen und Ernährung gibt es noch viel mehr zu erfahren…

Dieser Beitrag ist im Rahmen meines Projekts „11 kg weniger“ erschienen.

Bild: pixabay

Haben Bananen Kohlenhydrate?

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Haben Bananen Kohlenhydrate?

Ja! Eine durchschnittliche Banane (100g ohne Schale) enthält rund 20g Kohlenhydrate, davon ca. 17g Zucker.

Vorsicht also bei LowCarb Ernährung!