Am 8. November 2024 um 6:52 Uhr meldete gruene2025.de: Volker Wissing tritt den Grünen bei. Keine 24 Stunden vorher hatte Wissing erklärt, er wolle in keine andere Partei eintreten. Die Seite sah aus wie ein Wahlkampfblog der Grünen und war eine Satire.
Der Scherz entstand in den 36 Stunden nach dem Bruch der Koalition.
Der Ablauf – und der Scherz
| Zeitpunkt | Was passierte |
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| 6. November 2024, abends | Olaf Scholz entlässt Christian Lindner, die Ampel ist am Ende. |
| 7. November 2024 | Volker Wissing tritt aus der FDP aus und bleibt Verkehrsminister. Er sagt, er möchte „nicht in eine andere Partei eintreten“. |
| 7. November 2024 | Robert Habeck ist nach fast sechs Jahren zurück auf X. |
| 7. November 2024, 18:11 Uhr | gruene2025.de geht als WordPress-Blog online. |
| 8. November 2024, 6:52 Uhr | Der Beitrag „Volker Wissing tritt den Grünen bei“ erscheint. |
Die Satire nimmt Wissing beim Wort und dreht es um. Er wollte in keine andere Partei, also tritt er bei den Grünen ein. Der Beitrag begrüßt ihn wie einen Bekehrten, der endlich den richtigen Weg gefunden hat.
Der Text zwinkert nicht. Er klingt wie eine echte Parteimitteilung: ernst, warm, ein wenig erbaulich. Die Pointen stecken in dem, was Wissing jetzt angeblich will:
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- Ein Tempolimit. Im April 2022 hatte Wissing ein befristetes Tempolimit noch abgelehnt, weil nicht genug Schilder auf Lager seien (t-online). In der Satire tritt er „aktiv für ein Tempolimit“ ein.
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- Die radikale Dekarbonisierung des Verkehrs. Ausgerechnet der FDP-Verkehrsminister wird zum Kronzeugen der Verkehrswende.
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- Trusted Flagger. Am 1. Oktober 2024 hatte die Bundesnetzagentur die Meldestelle REspect! als ersten Trusted Flagger in Deutschland zugelassen (Bundesnetzagentur). Danach wurde heftig über Zensur gestritten. In der Satire wirbt Wissing für genau diese Meldestellen.
Dazu passte das erste Headerbild der Seite: „Volker – einer von uns für euch“. Wer bis zum Impressum las, fand die Auflösung: „Diese Seite ist natürlich nicht von den Grünen.“
Grüner wurde Wissing übrigens nie. Er blieb parteilos Minister für Verkehr und Justiz, bis im Mai 2025 die neue Bundesregierung übernahm (Verkehrsrundschau).
Der Originaltext
So stand der Beitrag am 8. November 2024 auf gruene2025.de. Satire, nicht von den Grünen:
Ein neues Kapitel für Klimaschutz, Verkehrswende und Respekt im Netz: Volker Wissing tritt den Grünen bei Manchmal braucht es einen Moment des Innehaltens, um festzustellen, dass man auf dem falschen Weg ist – und den Mut, neu zu beginnen. Ein solch mutiger Schritt ist jetzt getan: Volker Wissing, ehemals Verkehrsminister der FDP, hat sich entschieden, Mitglied bei uns Grünen zu werden. Es ist ein überraschender und zugleich hoffnungsvoller Moment, der zeigt, wie drängend die Notwendigkeit für eine echte Verkehrswende und den Einsatz für unseren Planeten ist. Wissings Entschluss, sich für ein Tempolimit, eine radikale Dekarbonisierung des Verkehrs und mehr digitale Verantwortung durch Trusted Flagger einzusetzen, markiert einen Wendepunkt, der in diesen turbulenten Zeiten ein Signal der Hoffnung sendet. Die Ampelkoalition hat uns in den letzten Jahren vor große Herausforderungen gestellt. Die Konflikte, die von außen oft wie Blockaden wirkten, waren Ausdruck einer neuen politischen Realität, in der auch innerhalb der Regierung hart um den richtigen Weg gerungen wird. Dass das Projekt Ampel mit einem abrupten „Aus“ beendet wurde, mag wie ein Scheitern aussehen – doch ist es auch eine Chance für einen Neuanfang. Mit Wissings Wechsel zu uns Grünen zeigt sich, dass Veränderung möglich ist, auch und gerade in vermeintlich festgefahrenen Köpfen. Dass Volker Wissing nun aktiv für ein Tempolimit eintreten möchte, ist ein klares Signal. Lange wurde das Tempolimit als Symboldebatte abgetan, doch es ist weit mehr: ein konkretes Mittel, um CO₂ einzusparen, unsere Straßen sicherer zu machen und einen ersten Schritt hin zu einer klimagerechteren Mobilität zu gehen. Wissing erkennt das nun selbst und macht deutlich, dass er das Potenzial eines solidarischen und nachhaltigen Verkehrs versteht. Ebenso sieht er ein, dass die Dekarbonisierung des Verkehrs unumgänglich ist, wenn wir die Pariser Klimaziele einhalten wollen. Seine Bereitschaft, sich in der neuen Rolle für eine echte Transformation des Verkehrssektors einzusetzen – durch den Ausbau von Schienenverkehr, emissionsfreie Technologien und den Rückbau fossiler Strukturen – zeigt, dass es hier nicht um Worte, sondern um Taten geht. Wissings Wandel spiegelt eine Einsicht wider, die wir Grüne seit langem vertreten: Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern die einzige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Doch nicht nur auf der Straße braucht es einen Wandel. In der digitalen Welt setzt sich Wissing nun auch für mehr Verantwortung ein. Trusted Flagger, jene Menschen und Organisationen, die dabei helfen, Hassrede und Falschinformationen zu identifizieren, sind ein Schlüsselelement, um die Diskurskultur in sozialen Medien zu verbessern. Angesichts der heutigen Polarisierung braucht es dieses Engagement – auch im Netz. Die Übernahme digitaler Verantwortung ist eine Aufgabe, die wir als demokratische Gesellschaft ernst nehmen müssen, und es ist gut zu sehen, dass Wissing dies jetzt mit uns anstrebt. Wissings Entschluss, sich bei uns Grünen für eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft einzusetzen, ist ein starkes Zeichen für den Wandel, den wir uns alle wünschen. Es zeigt, dass der Weg der Veränderung, so schwer er auch manchmal ist, immer offen steht – für jeden von uns.
Was sonst noch auf gruene2025.de stand
Der Wissing-Beitrag war nicht der einzige Gag. Bis Ende November 2024 kamen fünf weitere Beiträge dazu:
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- „Robert jetzt wieder auf X“ (7. November): der erste Beitrag, zu Habecks echter Rückkehr auf X, im Ton eines Fanblogs.
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- „Wir stellen vor – das politische KI-Kunstprojekt ‚365 Tage Merkel‘“ (11. November): ein Hinweis auf mein Projekt mit einem Midjourney-Bild pro Tag, vom 14. Oktober 2022 bis 13. Oktober 2023.
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- „X Accounts, denen man zur Bundestagswahl 2025 unbedingt folgen sollte: @argonerd“ (11. November): eine Lobeshymne auf den Collagen-Account @argonerd, ausgerechnet auf einem Grünen-Blog. Die Schlusszeile verrät: Geschrieben hat sie Grok, die KI von X.
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- „Kolumne: Robert zu den letzten Monaten in der Politik aus grüner Sicht“ (11. November): Heizungsgesetz, Bauernproteste und Europawahl, unterschrieben mit „Grüne Grüße, Robert (nicht Habeck)“.
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- „Du musst Dich bewegen, sonst gehst Du unter“ (21. November): ein Song über Schwimmen, Politik und Leben, auf YouTube.
Auch das Design zog mit: Der Wissing-Header wich später einem „Nicht grün“-Banner, das Seitensymbol wurde eine verfaulte Sonnenblume.
Quellen
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- Volker Wissing tritt aus FDP aus und bleibt Verkehrsminister, Verkehrsrundschau, 7. November 2024
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- Robert Habeck ist nach Auszeit zurück auf der Plattform X, ZDFheute, 8. November 2024
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- Verkehrsminister Wissing: Tempolimit wegen Schildermangel nicht umsetzbar, t-online, 6. April 2022
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- Bundesnetzagentur lässt erstmalig Trusted Flagger für Online-Plattformen in Deutschland zu, Bundesnetzagentur, 1. Oktober 2024
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- Ein Minister geht, Verkehrsrundschau, 13. Mai 2025







