Köpfe: Hugo Paul (Düsseldorf)

Werkzeugmacher, Reichstagsabgeordneter, Widerstandskämpfer in Zuchthaus und Konzentrationslager, Wiederaufbauminister von Nordrhein-Westfalen und KPD-Abgeordneter im ersten Bundestag: Hugo Paul, geboren am 28.10.1905 in Hagen, gehörte dem Bundestag von 1949 bis 1953 an. Er starb am 12.10.1962 in Ost-Berlin.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1905 in Hagen
  • Gestorben: 12. Oktober 1962
  • Beruf: Schlosser
  • Partei: KPD
  • Bundestag: 1949 bis 1953 (1. Wahlperiode), über die Landesliste
  • Religion/Familie: konfessionslos

Remscheid

Nach der Volksschule lernte Paul bei den Mannesmann-Motorenwerken in Remscheid Werkzeugmacher und Autoschlosser. 1920 trat er dem Metallarbeiterverband bei, 1923 der KPD; von Juli bis November 1932 saß er im Reichstag. Die Stammdaten führen ihn als Schlosser, konfessionslos.

Haft

Nach 1933 leitete Paul die illegale KPD-Bezirksleitung Ruhr. Im Juni 1934 wurde er verhaftet und vom Volksgerichtshof zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, danach war er nach verfügbaren Angaben in den Lagern Esterwegen und Sachsenhausen. 1943 verurteilte ihn der Volksgerichtshof erneut, diesmal zu sechs Jahren Zuchthaus; frei kam er erst kurz vor Kriegsende.

Minister

Von 1946 bis 1948 war Paul Minister für Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen, bis 1950 saß er im Landtag. 1948 wählte ihn der Landtag in den Parlamentarischen Rat, den er laut Handbuch schon im Oktober wieder verließ. Den Landesvorsitz der KPD hatte er bis 1950 inne; nach verfügbaren Angaben wurde er abgesetzt, weil er Kontakte eines Parteiredakteurs zu Titoisten verschwiegen habe.

Demontagen

Sein Mandat umfasste 282 Sitzungen; die Protokolle zählen 99 Reden mit 63.177 Wörtern. In der ersten am 30. September 1949, 2.234 Wörter lang, kämpfte er gegen die Demontagen: Sie seien am Beispiel der Thyssenhütte eine Fortsetzung des Bombenkriegs. Den Abgeordneten rechts im Saal hielt er vor, sie verkörperten das deutsche Monopolkapital, das mit dem ausländischen gemeinsame Sache mache.

Wohnungsbau

In der letzten Rede am 29. Juli 1953, 640 Wörter lang, nannte er die Novelle zum Ersten Wohnungsbaugesetz einen weiteren Schritt der Regierung Adenauer zum kapitalistischen Rentabilitätsprinzip; von sozialem Wohnungsbau könne keine Rede mehr sein, Flüchtlinge und Sozialhilfeempfänger könnten die neuen Mieten nicht zahlen. Seine Stimmen im ersten Bundestag lassen sich nicht zuverlässig auswerten.

DDR

Laut Handbuch wurde Paul im Dezember 1953 auf Veranlassung des Bundesgerichtshofs wegen Hochverrats und Staatsgefährdung verhaftet. Nach verfügbaren Angaben floh er während eines Hafturlaubs in die DDR und blieb bis zum KPD-Verbot 1956 im Parteivorstand. Bei der Wahl 1953 hatte er laut Handbuch noch auf Platz sieben der KPD-Landesliste gestanden, die an der Fünfprozenthürde scheiterte. Er starb mit 56 Jahren in Ost-Berlin, beigesetzt wurde er nach verfügbaren Angaben in Wermelskirchen, wo er nach der ersten Haft als Werkzeugmacher gearbeitet hatte. In Remscheid erinnert eine Straße an ihn.

Mandate im Überblick

Paul kam 1949 über die Landesliste der KPD Nordrhein-Westfalen in den Bundestag, wo er als Paul (Düsseldorf) geführt wurde:

  • 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Nordrhein-Westfalen, Fraktion der Kommunistischen Partei Deutschlands

Stand: 18.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Heinrich Müller (Nordenham)

Verwaltungsangestellter aus Pommern, Bilanzbuchhalter, Geschäftsführer einer Siedlungsgesellschaft, Landrat der Wesermarsch und viermal direkt gewählter Abgeordneter: Heinrich Müller, geboren am 28.10.1919 in Klein Jannewitz im Kreis Lauenburg, gehörte dem Bundestag von 1961 bis 1965 und von 1969 bis 1980 an. Er starb am 10.03.2005.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1919 in Klein-Jannewitz (Pommern)
  • Gestorben: 10. März 2005
  • Beruf: Geschäftsführer a. D.
  • Partei: SPD
  • Bundestag: 1961 bis 1980 (4, 6, 7, 8. Wahlperiode), stets direkt gewählt
  • Religion/Familie: evangelisch, verheiratet, 5 Kinder

Lauenburg

Nach Volks- und Handelsschule machte Müller von 1936 bis 1939 eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung Lauenburg in Pommern. Zum 1. September 1937 trat er der NSDAP bei. Im Krieg war er Soldat, zuletzt Oberleutnant und Batterieführer; 1943 erhielt er das Eiserne Kreuz erster Klasse. Laut Biografie geriet er Ende Oktober 1944 in amerikanische Gefangenschaft, aus der er laut Handbuch 1946 zurückkam.

Nordenham

Danach war Müller Arbeiter, Dolmetscher und Journalist, ab 1950 kaufmännischer Angestellter und Bilanzbuchhalter. Von 1952 bis 1977 führte er die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft, ab 1978 leitete er den Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft Wesermarsch in Brake.

Wesermarsch

1947 trat Müller der SPD bei; von 1961 bis 1983 führte er den Unterbezirk. Von 1950 bis 1991 saß er im Kreistag der Wesermarsch, von 1956 bis 1972 war er ehrenamtlicher Landrat. Ratsherr in Nordenham war er von 1952 bis 1969 und von 1981 bis 1991. 1953 kandidierte er erstmals auf der Landesliste. 1973 erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, 1979 das Große Verdienstkreuz; Nordenham machte ihn zum Ehrenbürger.

Reden

Die Protokolle zählen 43 Reden mit 17.435 Wörtern in 886 Sitzungen. In der ersten am 6. Dezember 1963, 62 Wörter lang, fragte er, ob bei Verlusten von etwa 100 Millionen Mark in der Binnenschifffahrt Überbrückungshilfen von 15 bis 18 Millionen nötig seien. In der letzten am 12. Dezember 1979, 184 Wörter lang, lehnte er einen Antrag auf mehr Geld für die Verkehrssicherheit ab: Die Bundesmittel für Verkehrssicherheitsrat und Verkehrswacht seien von 6,5 Millionen Mark 1974 auf 11,5 Millionen 1979 gestiegen und sollten 1980 12 Millionen betragen.

Abstimmungen

An allen 111 namentlichen Abstimmungen nahm Müller teil, 68-mal mit Ja, 42-mal mit Nein und einmal mit Enthaltung, kein einziges Mal gegen die Mehrheit der SPD. Seine erste Wahlperiode von 1961 bis 1965 trennte eine Pause von vier Jahren von der zweiten Amtszeit ab 1969. Die Stammdaten führen ihn als Geschäftsführer a. D., evangelisch, verheiratet, fünf Kinder. Sie schreiben den Geburtsort Klein-Jannewitz mit Bindestrich.

Mandate im Überblick

Müller gewann 1961 den Wahlkreis 29 und von 1969 bis 1976 dreimal den Wahlkreis 23 Delmenhorst – Wesermarsch direkt:

  • 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Direktmandat, SPD-Fraktion

Stand: 18.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Dr. Erich Mende

Berufsoffizier, Jurist, Fraktions- und Parteichef der FDP, Vizekanzler und später CDU-Abgeordneter: Erich Mende, geboren am 28.10.1916 in Groß-Strehlitz in Oberschlesien, gehörte dem Bundestag von 1949 bis 1980 an. Er starb am 06.05.1998 in Bonn.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1916 in Groß-Strehlitz (Oberschlesien)
  • Gestorben: 6. Mai 1998
  • Beruf: Bundesminister a. D.
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1949 bis 1980 (1. bis 8. Wahlperiode), über die Landesliste
  • Religion/Familie: katholisch, verheiratet, 4 Kinder

Offizier und Jurist

Mende war Sohn des Lehrers und Zentrums-Stadtverordneten Max Mende. Nach dem Abitur 1936 in Groß Strehlitz kam er zum Arbeitsdienst und zur Infanterie, ab 1938 war er Berufsoffizier, zuletzt Major und stellvertretender Regimentskommandeur. Im letzten Kriegsjahr erhielt er das Ritterkreuz. Nach britischer Gefangenschaft studierte er in Köln und Bonn Jura, legte 1948 das erste Examen ab und wurde 1949 mit einer Arbeit über das parlamentarische Immunitätsrecht promoviert.

FDP

Von 1957 bis 1963 führte Mende die FDP-Fraktion, von 1960 bis 1968 die Partei. 1961 lehnte er zunächst eine Koalition unter Adenauer ab; die FDP gab nach, er selbst blieb dem Kabinett fern. 1963 wurde er unter Ludwig Erhard Minister für gesamtdeutsche Fragen und Vizekanzler. Am 27. Oktober 1966 traten er und die drei anderen FDP-Minister im Haushaltsstreit zurück. Wegen seiner Ablehnung der Ostpolitik verließ er 1970 Fraktion und Partei und schloss sich der CDU an.

Wirtschaft und Familie

Ab 1967 vertrat Mende in Deutschland die Investors Overseas Services von Bernard Cornfeld bis zu deren Insolvenz, 1970 ging er zur Bonnfinanz. In der Nachkriegszeit setzte er sich für die Freilassung verurteilter Kriegsverbrecher ein. Er war zweimal verheiratet, ab 1948 mit der Malerin Margot Hattje, und hatte drei Söhne und eine Tochter; Sohn Walter war von 1994 bis 1999 Oberbürgermeister von Leverkusen.

Reden

Die Protokolle zählen 426 Reden mit 256.167 Wörtern in 1.810 Sitzungen, 169 davon in der 4. Wahlperiode; als Minister sprach er 219-mal. In der ersten am 20. Januar 1950 nannte er die Fürsorge für die Millionen Opfer zweier Kriege eine der dringendsten Aufgaben der Nachkriegszeit. In der letzten am 7. März 1979 fragte er, ob der Bundesregierung die Bezeichnungsrichtlinien vom Juli 1965 bekannt seien.

Abstimmungen

Nach den Abstimmungsdaten nahm Mende an 344 von 380 namentlichen Abstimmungen teil; wegen des Fraktionswechsels und der unsicheren frühen Daten sind die gezählten Abweichungen wenig aussagekräftig. Am 6. April 1973 lehnte der Bundestag die Aufhebung seiner Immunität ab.

Mandate im Überblick

Mende kam von 1949 bis 1969 sechsmal über die Landesliste der FDP in Nordrhein-Westfalen, 1972 und 1976 über die Landesliste der CDU Hessen in den Bundestag:

  • 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion, FDP-Fraktion
  • 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Landesliste Hessen, CDU/CSU-Fraktion
  • 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Hessen, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 18.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Klaus-Heiner Lehne

Rechtsanwalt aus Düsseldorf, zwei Jahrzehnte Europaabgeordneter und Präsident des Europäischen Rechnungshofs: Klaus-Heiner Lehne, geboren am 28.10.1957 in Düsseldorf, gehörte dem Bundestag von 1992 bis 1994 an.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1957 in Düsseldorf
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1992 bis 1994 (12. Wahlperiode), über die Landesliste
  • Religion/Familie: römisch-katholisch, verheiratet

Jurist

Lehne studierte von 1976 bis 1983 Rechtswissenschaften in Düsseldorf, Freiburg, Köln und Bonn. Nach dem zweiten Staatsexamen 1986 arbeitete er bis 2014 als Rechtsanwalt in Düsseldorf, ab 2003 bei der Kanzlei Taylor Wessing. Sein Bruder Olaf Lehne sitzt im Landtag von Nordrhein-Westfalen.

Bundestag

Von 1984 bis 1992 saß Lehne im Düsseldorfer Rat. Am 12. März 1992 rückte er für den verstorbenen Hubert Doppmeier in den Bundestag nach. Er war Mitglied im Verkehrsausschuss und im Rechtsausschuss. Von 2003 bis Januar 2014 führte er den CDU-Kreisverband Düsseldorf; Nachfolger wurde Thomas Jarzombek.

Reden

Die Protokolle zählen elf Reden mit 9.676 Wörtern in 162 Sitzungen. In der ersten am 9. Oktober 1992, 1.093 Wörter lang, sagte er, an zwei Anträgen der SPD sei so viel dran, dass man sie in den Ausschüssen beraten solle; danach antwortete Staatssekretär Rainer Funke Frau Blunck zum Girokonto für jedermann. Die letzte am 21. September 1994, 206 Wörter lang, galt der Aufarbeitung von Unrecht unter deutschen Diktaturen; danach sprach Detlef Kleinert über Urteile der Kriegsgerichte.

Abstimmungen

An allen 105 namentlichen Abstimmungen nahm Lehne teil, 47-mal mit Ja und 58-mal mit Nein. Zweimal wich er ab. Am 26. Juni 1992 stimmte er für den Entschließungsantrag von Joachim Schmidt und anderen auf Drucksache 12/2933, am 25. Februar 1994 für den Antrag von Gerster, Scharrenbroich, Kittelmann und anderen, beide Male gegen die Mehrheit seiner Fraktion.

Straßburg

1994 wechselte Lehne ins Europäische Parlament und wurde 1999, 2004 und 2009 wiedergewählt. Von 2004 bis 2014 saß er im Vorstand der EVP-Fraktion, ab 2009 leitete er den Rechtsausschuss. Er war Berichterstatter unter anderem zur Übernahmerichtlinie, zur Aktionärsrechterichtlinie und zu Sammelklagen, bei denen er Schadensersatz für Kartellopfer, aber keine Klagen nach US-Muster wollte. Er wandte sich gegen die Patentierbarkeit von Software, obwohl Kritiker ihm das Gegenteil vorwarfen. Von 1994 bis 2002 war er stellvertretender Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu Russland. Von 2009 bis 2014 leitete er zudem die Konferenz der Ausschussvorsitze. Ende Februar 2014 schied er wegen der Ernennung zum Rechnungshof aus dem Parlament aus.

Rechnungshof

Von März 2014 bis Februar 2026 war Lehne Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, von 2016 bis 2022 dessen Präsident. Die Stammdaten nennen ihn Rechtsanwalt, römisch-katholisch, verheiratet. Vorwürfe zu Interessenkonflikten aus seiner Anwaltstätigkeit konnten nach der Biografie nicht belegt werden.

Mandate im Überblick

Lehne rückte 1992 über die Landesliste der CDU Nordrhein-Westfalen nach:

  • 12. Wahlperiode (12.03.1992 bis 10.11.1994): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Oskar Kalbfell

Mechaniker, Bauunternehmer, KZ-Häftling und achtundzwanzig Jahre Oberbürgermeister: Oskar Kalbfell, geboren am 28.10.1897 in Betzingen bei Reutlingen, vertrat Reutlingen von 1949 bis 1953 für die SPD im Bundestag. Er starb am 05.11.1979 in Reutlingen.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1897 in Reutlingen
  • Gestorben: 5. November 1979
  • Beruf: Mechaniker, Unternehmer, Oberbürgermeister
  • Partei: SPD
  • Bundestag: 1949 bis 1953 (1. Wahlperiode), stets direkt gewählt

Weimarer Zeit und Haft

Kalbfell erlernte ein Handwerk und machte eine kaufmännische Ausbildung; 1921 und 1922 arbeitete er als Sportlehrer im Ausland, später als Prokurist und Geschäftsführer eines Bauunternehmens. Bis 1933 führte er die SPD-Fraktion im Reutlinger Stadtrat; 1928 kandidierte er für den württembergischen Landtag, 1930 für den Reichstag. 1933 wurde er verhaftet und neun Monate im Konzentrationslager Heuberg festgehalten. Ein Aufnahmeantrag in die NSDAP vom November 1939 wurde wegen mangelnder politischer Zuverlässigkeit abgelehnt; im Krieg führte er mit Georg Allmendinger eine örtliche Widerstandsgruppe.

Kriegsende

Am 20. April 1945 ging Kalbfell den französischen Truppen mit weißer Fahne entgegen und übergab die Stadt kampflos. Nach der Erschießung von vier Geiseln durch die französische Armee am 24. April wurde ihm immer wieder vorgeworfen, er habe die Liste aufgestellt. Kalbfell bestritt das zeitlebens und erklärte, er habe von den Erschießungen erst nachträglich erfahren; ein von ihm selbst angeregtes Verfahren vor dem Landgericht Tübingen bescheinigte ihm 1951, an der Auswahl nicht mitgewirkt zu haben.

Oberbürgermeister

Von 1945 bis 1973 war Kalbfell Oberbürgermeister von Reutlingen, bis 1947 auch kommissarischer Landrat. In die Ära Kalbfell fällt der Neubau des Rathauses. Er war Präsident des Deutschen Städtetags, saß im Rundfunkrat des Südwestfunks und im Vorstand des Verbands kommunaler Unternehmen. Dem Landtag von Württemberg-Hohenzollern und ab 1952 dem von Baden-Württemberg gehörte er bis 1968 an.

Bundestag

Im ersten Bundestag hielt Kalbfell sechs Reden mit 4.834 Wörtern. Die erste trug er am 31. Januar 1951 als Berichterstatter zu einem Antrag des Zentrums über die Verteilung der Wohnungsbaumittel vor. An nur 42 der 127 namentlichen Abstimmungen nahm er teil, nie gegen die Fraktion; er stimmte 15-mal mit Ja, 25-mal mit Nein und enthielt sich zweimal. Die letzte Rede, 693 Wörter lang, hielt er am 27. November 1952 zu Mitteln im außerordentlichen Haushalt. Im Oktober 1950 hob der Bundestag seine Immunität auf.

Ehrungen

Kalbfell erhielt 1955 das Große Verdienstkreuz und wurde 1973 Ehrenbürger Reutlingens. Der zentrale Platz der Stadt trägt seinen Namen. Er war mit Rosa Kehrer verheiratet und hatte zwei Kinder.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen Kalbfell Mechaniker, Unternehmer und Oberbürgermeister, machen aber weder zur Konfession noch zur Familie Angaben. Die KZ-Haft von 1933 und seine Landtagsmandate führen sie nicht auf.

Mandate im Überblick

Kalbfell gewann 1949 den Wahlkreis Reutlingen mit 33,3 Prozent der Erststimmen:

  • 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Direktmandat, SPD-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Martin Göttsching

Pfarrer in Bad Frankenhausen, Volkskammerabgeordneter der ersten freien Wahl, Vorsitzender ihres Petitionsausschusses, einer der 144 von der Volkskammer entsandten Abgeordneten und danach direkt gewählter Thüringer im Bundestag: Martin Göttsching, geboren am 28.10.1944 in Eisenach, saß von 1990 bis 1994 für die CDU im Bundestag.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1944 in Eisenach
  • Beruf: Pfarrer
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1990 bis 1994 (11. bis 12. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
  • Religion/Familie: evangelisch-lutherisch, verheiratet, 2 Kinder

Pfarramt

Göttsching, mit vollem Namen Martin Johannes Göttsching, stammt aus Eisenach und war bis 1990 evangelischer Gemeindepfarrer in Bad Frankenhausen am Kyffhäuser. Nach seiner Zeit im Bundestag kehrte er ins Pfarramt zurück und war von 1996 bis 2006 Pfarrer in Stadtroda, Gernewitz und Laasdorf bei Jena.

Volkskammer

Bei der ersten freien Volkskammerwahl am 18.03.1990 wurde Göttsching im Wahlkreis Halle für die CDU gewählt. Er übernahm den Vorsitz des Petitionsausschusses und beaufsichtigte im ehemaligen Staatsratsgebäude in Berlin rund 85 Mitarbeiter. Sie kamen aus dem Eingabenausschuss der alten Volkskammer, aber auch aus der früheren Arbeiter-und-Bauern-Inspektion, einem Kontrollorgan der SED.

Zehntausend Briefe

Die Flut der Eingaben in den sechs Monaten bis zur Einheit nannte Göttsching eine große Herausforderung neben der normalen Abgeordnetenarbeit. Nicht eine anonyme Verwaltungskraft habe die Briefe beantwortet, sondern der Vorsitzende; manche Entwürfe der Verwaltung habe er neu schreiben lassen, weil sie den alten Duktus erkennen ließen. So habe er fast 10 000 Antwortschreiben unterzeichnet und ein Stück werdende Demokratie gezeigt.

Bundestag

Im Oktober 1990 gehörte Göttsching zu den 144 Abgeordneten, die die Volkskammer in den Bundestag entsandte. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember 1990 gewann er den Wahlkreis Sömmerda – Artern – Sondershausen – Langensalza im Norden Thüringens direkt. Damit vertrat er einen Wahlkreis, der vier Kreise rund um den Kyffhäuser und das Thüringer Becken umfasste, und kam als einer der ostdeutschen Neulinge in die Unionsfraktion in Bonn.

Ausschüsse

Im Bundestag war Göttsching Mitglied des Innenausschusses und des Ausschusses für Post und Telekommunikation. Er gehörte dem Parlament bis zum Ende der Wahlperiode im Oktober 1994 an, also knapp vier Jahre. Zwei Jahre später übernahm er wieder eine Pfarrstelle, diesmal im Saale-Holzland.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen Göttsching Pfarrer, evangelisch-lutherisch, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Für die elfte Wahlperiode verzeichnen sie die Wahl durch die Volkskammer, vom 03.10.1990 bis zum 20.12.1990, danach das Direktmandat bis zum 10.11.1994. Den Namen des Wahlkreises nennen sie nicht.

Mandate im Überblick

Göttsching kam am 03.10.1990 aus der Volkskammer in den Bundestag und gewann im Dezember 1990 einen Thüringer Wahlkreis direkt:

  • 11. Wahlperiode (03.10.1990 bis 20.12.1990): von der Volkskammer in den Bundestag gewählt, CDU/CSU-Fraktion
  • 12. Wahlperiode (20.12.1990 bis 10.11.1994): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Dr. Walter Richard Gerlich

Schneidersohn aus Österreichisch-Schlesien, Physiker an der Prager Universität, Meteorologe auf dem Donnersberg, Gymnasiallehrer in Aussig und Neumünster, Wehrmachtsmeteorologe und Stadtrat für die Feuerwehr: Walter Richard Gerlich, geboren am 28.10.1908 in Troppau, saß von 1963 bis 1965 für die CDU im Bundestag. Er starb am 21.03.1981 in Neumünster.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1908 in Troppau
  • Gestorben: 21. März 1981
  • Beruf: Oberstudienrat
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1963 bis 1965 (4. Wahlperiode), über die Landesliste
  • Religion/Familie: katholisch, verheiratet, 2 Kinder

Prag

Gerlich wuchs als ältestes Kind eines Uniformschneiders in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur 1928 studierte er Mathematik und Physik an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag und gründete eine katholische Studentenverbindung, weil er sich die Mitgliedschaft in einer bestehenden nicht leisten konnte. 1931 wurde er mit einer Arbeit über die Lichtmessung promoviert und war bis 1936 Assistent, zuletzt am Observatorium auf dem Donnersberg im böhmischen Mittelgebirge.

Zwei Armeen

Seit 1936 unterrichtete Gerlich am deutschen Staatsgymnasium in Aussig. Von 1936 bis 1938 diente er in der tschechoslowakischen Armee, als Deutscher ohne Beförderung zum Offizier, während der Sudetenkrise in der Hohen Tatra. Von 1941 bis 1945 war er Wehrmachtsbeamter und Geschwadermeteorologe der Luftwaffe, vorwiegend in Frankreich. Ob er vor 1945 politisch aktiv war, ist nicht erforscht; ein Dokument von 1940 nennt ihn Mitglied der SS.

Neumünster

Nach dem Krieg diente Gerlich einige Monate bei den Briten auf dem Flugplatz Neumünster und unterrichtete seit 1946 an der Holstenschule. Über die Kieler Gelehrtenschule und Bad Bramstedt kehrte er 1959 dorthin zurück. Mit seinem Bruder Gerhard baute er die CDU in Neumünster auf; seit 1955 saß er in der Ratsversammlung, zeitweise als Stadtrat für die Feuerwehr. Er war Vorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Landesvorsitzender des Beamtenbunds.

Siedlungen

1948 gründete Gerlich die Bau-Union mit, die in Neumünster vier Eigenheimsiedlungen für Vertriebene und Flüchtlinge errichtete, gebaut in Selbst- und Nachbarschaftshilfe. Er gründete einen katholischen Lehrerverband und einen Akademikerverband in der Stadt und führte die Interessengemeinschaft der Anwohner des Brahmsees.

Bundestag

Am 24.08.1963 rückte Gerlich für den verstorbenen Heinrich Gerns nach. Im Verteidigungsausschuss setzte er sich für den Zivilschutz und die Stellung des Soldaten ein und verfolgte das Transportflugzeug Transall und den Senkrechtstarter VJ 101, zwei Rüstungsprojekte der frühen sechziger Jahre, von denen nur die Transall in Serie ging. 1965 zog er sich ganz aus der Politik zurück.

Stammdaten

Gerlich starb im März 1981 mit 72 Jahren in Neumünster. Die Stammdaten nennen ihn Oberstudienrat, katholisch, verheiratet und Vater zweier Kinder; den Hinweis auf eine SS-Mitgliedschaft erwähnen sie nicht.

Mandate im Überblick

Gerlich rückte im August 1963 über die schleswig-holsteinische Landesliste der CDU für Heinrich Gerns nach:

  • 4. Wahlperiode (24.08.1963 bis 17.10.1965): Landesliste Schleswig-Holstein, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Gerhart Rudolf Baum

Gerhart Rudolf Baum kam am 28.10.1932 in Dresden zur Welt. Der Rechtsanwalt war linksliberaler FDP-Politiker, Bundesinnenminister unter Helmut Schmidt und bis ins hohe Alter ein streitbarer Verteidiger der Bürgerrechte. Für die FDP zog Baum am 13.12.1972 in den Deutschen Bundestag ein. Baum wird in den Unterlagen des Bundestages als Rechtsanwalt, Bundesminister a. D. geführt, mit der Konfession evangelisch und dem Familienstand verheiratet, 3 Kinder. Am 15.02.2025 starb Baum in Köln.

Kurzprofil

  • Geboren: 28. Oktober 1932 in Dresden
  • Gestorben: 15. Februar 2025
  • Beruf: Rechtsanwalt, Bundesminister a. D.
  • Partei: FDP
  • Bundestag: 1972 bis 1994 (7. bis 12. Wahlperiode), stets Landesliste Nordrhein-Westfalen
  • Regierungsamt: Bundesminister des Innern 1978 bis 1982
  • Religion/Familie: evangelisch, verheiratet, 3 Kinder

Von Dresden nach Köln

Baum wurde in Dresden in eine Anwaltsfamilie geboren; seine Mutter stammte aus Moskau. Nach der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 floh die Mutter mit den Kindern an den Tegernsee, 1950 zog die Familie nach Köln; der Vater starb in sowjetischer Gefangenschaft. Baum machte 1953 Abitur, studierte in Köln Rechtswissenschaft und legte 1961 das zweite Staatsexamen ab. Von 1962 bis 1972 gehörte er der Geschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände an.

Innenminister

Baum trat 1954 der FDP bei, führte von 1966 bis 1968 die Jungdemokraten und gehörte von 1966 bis 1998 dem Bundesvorstand an. Von 1972 bis 1994 saß er stets über die nordrhein-westfälische Landesliste im Bundestag. Zunächst war er Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, am 08.06.1978 wurde er Bundesminister des Innern. Er setzte den Verzicht auf die Regelanfrage beim Radikalenerlass durch, suchte die geistige Auseinandersetzung mit dem Terrorismus und führte 1980 die Sommerzeit ein. Nach dem Bruch der Koalition trat er am 17.09.1982 zurück und kritisierte den Wechsel seiner Partei zur Union.

Anwalt der Bürgerrechte

Von 1992 bis 1998 leitete Baum die deutsche Delegation bei der UN-Menschenrechtskommission. Als Anwalt vertrat er Opfer von Ramstein, Lockerbie und der Loveparade sowie 2022 die Hinterbliebenen des Olympia-Attentats von 1972, die eine Anerkennungsleistung von 28 Millionen Euro erhielten. Mehrfach klagte er erfolgreich in Karlsruhe gegen Überwachungsgesetze. Baum starb am 15.02.2025 mit 92 Jahren in der Kölner Universitätsklinik und wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Der frühere Eintrag führte ihn noch als lebend.

Mandate im Überblick

Zusammengezählt kommen die Mandatszeiten auf rund 22 Jahre in 6 Wahlperioden; beim ersten Einzug war Baum 40, beim letzten Ausscheiden 62 Jahre alt. Im Detail führt die Bundestagsverwaltung folgende Mandate:

  • 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 9. Wahlperiode (04.11.1980 bis 29.03.1983): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 18.02.1987): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
  • 12. Wahlperiode (20.12.1990 bis 10.11.1994): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Köpfe: Yume Sazanami

Yume Sazanami (japanisch 漣ゆめ) ist eine japanische Pornodarstellerin aus Gunma. Sie wurde am 28. Oktober 1983 geboren.

Nach verfügbaren Angaben debütierte sie 2008 und zog sich 2017 aus der Branche zurück. Ihr Name wurde früher fälschlich als Ren Yume gelesen.

Ihr Profil nennt eine Körpergröße von 165 Zentimetern und Körbchengröße K, die Oberweite misst 115, die Taille 69 und die Hüfte 100 Zentimeter. Ihre Hobbys sind Bauchtanz, Hot Yoga, Klavier, Kochen, Aromatherapie-Massage, japanischer Tanz im Fujima-Stil, Theater und Boxen.

Stand: 17.10.2026

Köpfe: Aino Miu

Aino Miu (japanisch あいの美羽) ist eine japanische Pornodarstellerin aus Chiba. Laut ihrem Profil wurde sie am 28. Oktober 1996 geboren, eine zweite unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht.

Laut Profil ist sie seit 2016 aktiv.

Ihr Profil nennt eine Körpergröße von 157 Zentimetern und Körbchengröße D, die Oberweite misst 83, die Taille 59 und die Hüfte 84 Zentimeter. Ihre Hobbys sind Einkaufen, Tennis.

Stand: 17.10.2026