Der Betreff klingt nach Paletten, Lagerware und vielleicht einem Restposten, doch gemeint ist die Produktpalette. Unter „Herr [Nachname]? Frage zur Palette“ meldet sich eine „Laura Schönfeld“ von der Absenderadresse laura@adslaunch.de, wobei an der Stelle des Platzhalters der echte Nachname des Empfängers steht. Sie sei über Google auf Ihren Shop aufmerksam geworden, habe sich die Produktpalette angesehen und sei sich „100% sicher“, dass sie Ihre organischen Umsätze planbar steigern könne. Ist das ein persönliches Anschreiben? Nein. Phishing ist es zwar nicht, aber unverlangte Massenwerbung im Kostüm einer privaten Nachricht.
Woran man die Serienmail erkennt
Der Mailtext nennt weder den Namen Ihres Shops noch ein einziges Produkt aus der angeblich so gründlich angesehenen Palette. Unten steht „Gesendet von meinem iPhone“, verschickt wurde die Mail laut ihren Kopfzeilen aber über den Newsletter-Dienst Brevo (früher Sendinblue), samt Abmeldelink im Header und einem unsichtbaren Zählpixel ganz oben, das meldet, ob und wann Sie die Mail geöffnet haben. So tippt niemand spontan auf dem Handy. Und die Umsatzsteigerung „trotz Sommerloch“ ist ein schönes Versprechen für eine Mail, die am 4. November eintrifft. Immerhin ist die Mail technisch sauber: SPF, DKIM und DMARC bestätigen, dass sie wirklich über die Domain adslaunch.de verschickt wurde. Ihr Postfach hat sie trotzdem zu Recht im Spam-Ordner abgelegt.
Was die Mail eigentlich will
Ziel ist eine Antwort. Die Frage „Darf ich Ihnen dazu ein, zwei weitere Infos rübersenden?“ und das höfliche PS, eine „kurze Rückmeldung“ genüge, falls Sie nicht gestört werden möchten, sind genau darauf gebaut. Jede Antwort, auch ein „Nein danke“, bestätigt eine aktive Adresse und öffnet die Tür für den nächsten Verkaufsschritt. Das Muster mit der scheinbar persönlichen Frage kennen wir schon von „Kurze Frage zu deinem Haaransatz“, und wer bei „Palette“ zuerst an Ware denkt, landet eher bei der „Abgabeliste“.
Was Sie tun sollten
Am besten gar nichts: nicht antworten, keine Bilder nachladen, die Mail löschen. Werbung per E-Mail ohne vorherige Einwilligung ist in Deutschland grundsätzlich unzulässig, auch wenn sie an Unternehmen geht. Wer tatsächlich Hilfe bei der Sichtbarkeit seines Shops sucht, wählt einen Dienstleister besser selbst aus, statt sich einen per Serienmail ins Haus zu holen. Worauf es dabei ankommt, steht in unserem Beitrag über Google und Agenturen für die Suchmaschinenoptimierung.
Der Mailtext (ohne Links)
Absender: „Laura Schönfeld“ <laura@adslaunch.de>, Betreff: „Herr [Nachname]? Frage zur Palette“, empfangen am 4. November 2026 um 13:21 Uhr.
Servus Herr [Nachname],
ich bin auf Ihren Shop über Google aufmerksam geworden und wollte mich direkt bei Ihnen als Inhaber melden.
Ich unterstütze Online-Shops dabei, die organischen Umsätze planbar zu steigern (bei niedrigem Werbeeinsatz & trotz Sommerloch).
Im Juni habe ich für einen ähnlichen Shop knapp über 13 TEUR Zusatzumsatz generiert (ohne das Werbebudget anzufassen). Ich habe mir Ihre Produktpalette angesehen und bin mir 100% sicher, dass es bei Ihnen auch fruchten würde.
Darf ich Ihnen dazu ein, zwei weitere Infos rübersenden?
Beste Grüße
Laura SchönfeldGesendet von meinem iPhone
PS: Ich möchte Sie nicht stören. Falls ich es hierbei belassen soll, genügt eine kurze Rückmeldung.
