Cornel West wollte 2024 ins Weiße Haus. Zuvor musste sein Name allerdings überhaupt auf die Wahlzettel kommen. Aus dieser sehr praktischen Aufgabe entstand die Justice for All Party: eine neue Partei, die Zugang zu Wahlen erleichtern und zugleich eine dauerhafte politische Heimat schaffen sollte. Wie schwierig beides sein kann, zeigte sich besonders in North Carolina.
Die Organisation verbindet soziale Umverteilung, Bürgerrechte und eine grundlegende Kritik an der amerikanischen Außenpolitik. Ihre Geschichte ist noch kurz. Sie erzählt bislang vor allem vom Übergang einer Präsidentschaftskampagne zu einem Parteiprojekt – mit gerichtlichen Erfolgen, organisatorischen Anfängen und erheblichen Hürden.
2024: Eine Partei aus Cornel Wests Kampagne
Die Gründung wurde Ende Januar 2024 angekündigt. Nach einem Newsletter des Wahlkampfteams vom 3. Februar sollten dabei in bestimmten Bundesstaaten die leichteren Zugangsregeln für neue Parteien genutzt werden.
Die Organisation sollte dauerhaft Kandidaten unterstützen und sich für arme Menschen und Beschäftigte einsetzen. West berief sich auf Vorbilder aus der Bürgerrechtsbewegung. Seine Leitbegriffe lauteten Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.
Eine Kandidatenkampagne hat einen klaren Mittelpunkt: die Person, die gewählt werden will. Eine dauerhafte Partei muss zusätzliche Fragen beantworten. Wer entscheidet über ihr Programm? Wie werden Kandidaten ausgewählt? Welche örtlichen Gruppen können auch dann weiterarbeiten, wenn die nationale Kampagne vorbei ist? Diese Aufgaben prägen die Entwicklung von Justice for All.
Das Programm: Umverteilung, öffentliche Versorgung, Antikriegspositionen
Das veröffentlichte Parteiprogramm fordert einen bundesweiten Mindestlohn von 27 Dollar pro Stunde, eine öffentliche Arbeitsplatzgarantie und eine Vermögensteuer. Ein allgemeines, öffentlich finanziertes Gesundheitssystem nach dem Modell „Medicare for All“ soll umfassende Versorgung ermöglichen. Weitere Schwerpunkte sind ein Green New Deal, Arbeitnehmerrechte und der Schutz diskriminierter Bevölkerungsgruppen.
Außenpolitisch verlangt die Partei die Auflösung der NATO in ihrer bisherigen Form und neue gemeinsame Sicherheitsvereinbarungen unter Einbeziehung Russlands. Diese Forderung steht für einen weitreichenden Bruch mit der bestehenden amerikanischen Bündnispolitik. Die Partei verbindet ihren innenpolitischen Gleichheitsanspruch mit einer grundsätzlichen Neuordnung der internationalen Beziehungen.
Wie bei jedem umfassenden Reformprogramm bleibt die Umsetzung entscheidend: Eine Arbeitsplatzgarantie benötigt geeignete Tätigkeiten und verlässliche Verwaltung; ein anderer Mindestlohn verändert Bedingungen für Beschäftigte und Unternehmen. Eine neue Sicherheitsordnung müsste zudem erklären, wie sie ihre Mitglieder im Konfliktfall schützt. Die programmatischen Ziele geben die Richtung vor, ersetzen aber keine ausgearbeiteten Lösungen für sämtliche Folgefragen.
Melina Abdullah an Wests Seite
Im April 2024 bestimmte West Melina Abdullah zu seiner Partnerin für das Vizepräsidentenamt. Abdullah gehörte zu den Mitgründern von Black Lives Matter Los Angeles. Über ihre Auswahl berichtete Annenberg Media. Damit verband die Kampagne Wests öffentliche Rolle mit einer Aktivistin aus der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.
Die persönliche Beteiligung einer bekannten Aktivistin darf allerdings nicht automatisch einer Unterstützung durch sämtliche Organisationen gleichgesetzt werden, in denen sie gearbeitet hat. Abdullah erklärte damals, Black Lives Matter halte an seiner Praxis fest, keine Kandidaten zu unterstützen.
North Carolina: Erst abgelehnt, dann zugelassen
In North Carolina lehnte die Wahlbehörde die Anerkennung zunächst ab. Ihre Mitteilung vom Juli 2024 nennt als Begründung der ablehnenden Mehrheit Hinweise auf Betrug bei der Unterschriftensammlung und die mangelnde Mitwirkung externer Sammler an einer angeordneten Untersuchung. Das waren die vorgebrachten Gründe der Behörde, keine pauschale gerichtliche Feststellung gegen die Partei.
Nach einem Gerichtsbeschluss erfolgte am 20. August 2024 schließlich die offizielle Anerkennung. Die Behörde bestätigte, dass Cornel West und Melina Abdullah für Justice for All auf dem Präsidentschaftswahlzettel stehen würden. Unterstützer konnten sich nun auch mit dieser Parteizugehörigkeit registrieren.
Der Vorgang zeigt, warum der Zugang zum Wahlzettel für eine junge Partei einen so großen Teil ihrer Arbeit beanspruchen kann. Sie muss Unterstützer organisieren, formale Anforderungen erfüllen und bei Streit gegebenenfalls ein Gerichtsverfahren führen, bevor überhaupt eine Stimme für ihre Kandidaten abgegeben wird.
Zwischen den Strategien der großen Parteien
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Kampagne durch Hilfe von außen. Eine Recherche der Associated Press vom September 2024 beschrieb Unterstützer mit Verbindungen zu republikanischen Akteuren, die Wests Wahlzettelzugang fördern wollten und sich davon Nachteile für Kamala Harris versprachen. West betonte gegenüber AP vor allem sein Interesse, auf den Wahlzettel zu kommen.
Die Recherche beschrieb zugleich Überlegungen von Demokraten, den konservativen Bewerber Randall Terry zu fördern, um Donald Trump Stimmen abzunehmen. Solche strategischen Interessen anderer Akteure sind für die Einordnung wichtig. Sie beweisen jedoch weder eine einheitliche Kontrolle über eine Kleinpartei noch, wem deren Wähler bei einer anderen Auswahl ihre Stimme gegeben hätten.
Der Statusverlust und ein späterer Gerichtserfolg
Die Anerkennung hielt nicht dauerhaft. Nach der Wahl 2024 erfüllte Justice for All die Voraussetzungen für ihren Fortbestand als anerkannte Partei in North Carolina nicht. Die Wahlbehörde erläuterte im Juni 2025, dass die erforderliche Zweiprozenthürde bei der Präsidentschafts- oder Gouverneurswahl verfehlt worden war. Die betroffenen Wählerregistrierungen sollten deshalb auf „unaffiliated“ umgestellt werden.
Am 23. Januar 2026 stellte Bundesrichter Terrence Boyle im Verfahren Ortiz gegen die Wahlbehörde fest, dass deren Nichtanerkennung von 2024 verfassungswidrig gewesen war. Der Gerichtsbeschluss erlaubte den Beteiligten zugleich nicht, das Verfahren um die gewünschte Anfechtung späterer Regeln zu erweitern. Der Erfolg betraf somit den damaligen Fall; er verschaffte der Partei keinen dauerhaften, voraussetzungslosen Zugang zu künftigen Wahlen.
Was nach der Präsidentschaftskampagne blieb
Ein weiterer organisatorischer Schritt ist durch eine FEC-Anmeldung vom August 2025 dokumentiert: Das Justice For All National Committee meldete sich unter C00915454 und nannte justiceforall.us als seine Website. Ein im Februar 2026 eingereichter Finanzbericht bezieht sich auf das zweite Halbjahr 2025. Solche Meldungen belegen organisatorische und finanzielle Vorgänge, keine landesweite Wahlzulassung.
Wie klein der Aufbau vor Ort sein kann, schilderte der Organisator Dave Nichols in einem öffentlich dokumentierten Beitrag vom August 2026. Die Gruppe, mit der er einen Verband in Pennsylvania aufbauen wollte, bestand nach seinen Angaben aus vier Menschen. Er sprach ausdrücklich für sich selbst, nicht für die Kirchengemeinde, auf deren Website der Beitrag veröffentlicht wurde.
Auch die Website der Gruppe in North Carolina beschreibt einen Wiederaufbau. Damit sind Aktivitäten über die Kampagne von 2024 hinaus belegt. Ihre künftige Bedeutung hängt daran, ob aus solchen Anfängen beständige Ortsgruppen, nachvollziehbare Entscheidungen und wiederkehrende politische Arbeit entstehen.
AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und geschrieben. Parteidokumente, amtliche Unterlagen, Gerichtsentscheidungen und journalistische Quellen sind verlinkt. Selbstansprüche, individuelle Angaben und belegte Ergebnisse werden unterschieden. Das abstrakte Artikelbild wurde mit KI erstellt und ist kein offizielles Parteilogo. Recherchestand: 2. November 2026.
