Brasiliens Nichtwähler: Wo besonders viele der Wahl fernblieben

Brasiliens Nichtwähler. 30,51 Mio. – nahmen an der Stichwahl nicht teil.

30.509.005 registrierte Wahlberechtigte nahmen an Brasiliens Stichwahl nicht teil. Die amtliche Nichtwahlquote lag bei 19,22 Prozent. Sie war damit niedriger als im ersten Wahlgang. Doch der landesweite Rückgang verdeckt eine gegenläufige Entwicklung im Norden.

Lulas 51,79 Prozent und Bolsonaros 48,21 Prozent teilen die gültigen Stimmen vollständig unter sich auf. Wer leer oder ungültig wählte, erscheint in dieser Gegenüberstellung ebenso wenig wie diejenigen, die gar nicht teilnahmen. Für das Verständnis der Wahl lohnt sich deshalb eine zweite Bezugsgröße: das Wahlregister.

Je 100 erfasste Wahlberechtigte: 40,48 Stimmen für Lula, 37,69 für Bolsonaro, 19,22 Nichtwähler, 1,72 ungültige und 0,90 leere Stimmen.
Die Kandidatenanteile wirken kleiner, wenn statt gültiger Stimmen sämtliche erfassten Wahlberechtigten der eingerichteten Wahlbezirke als Bezugsgröße dienen.

Je 100 Wahlberechtigte: rund 40 für Lula, 38 für Bolsonaro

Bezogen auf das Register der eingerichteten Wahlbezirke entfielen 40,48 Prozent auf Lula, 37,69 Prozent auf Bolsonaro, 19,22 Prozent auf Nichtwahl, 1,72 Prozent auf ungültige und 0,90 Prozent auf leere Stimmen. Das ist dieselbe Wahl aus einer anderen Perspektive. Lulas Sieg unter den gültigen Stimmen bleibt davon unberührt.

Leere und ungültige Stimmen sind keine Nichtwahl: Diese Menschen nahmen teil. Außerdem verrät die Statistik nicht, ob ein leerer oder ungültiger Stimmzettel beziehungsweise eine entsprechende Eingabe bewusst, aus Protest oder versehentlich zustande kam.

Im Nordosten war die Beteiligung am höchsten

Von den fünf Großregionen hatte der Nordosten in der Stichwahl die niedrigste Nichtwahlquote: 16,49 Prozent. Es folgten der Süden mit 18,19 Prozent, der Zentralwesten mit 20,05, der Südosten mit 20,27 und der Norden mit 21,25 Prozent.

Nichtwahlquoten im Vergleich beider Wahlgänge. Im Nordosten sinkt die Quote von 18,39 auf 16,49 Prozent; im Norden steigt sie von 19,43 auf 21,25 Prozent.
Vier Großregionen verzeichneten niedrigere Nichtwahlquoten. Im Norden stieg die Quote. Das Ausland hat eine deutlich andere Größenordnung.

Der Nordosten war zugleich die Region mit dem größten Stimmenüberschuss für Lula. Daraus folgt jedoch nicht, dass seine hohe Beteiligung allein den Wahlsieg erklärt. Die Daten zeigen weder die politische Präferenz der Nichtwähler noch, wie dieselben Menschen bei einer Teilnahme abgestimmt hätten.

Der Norden entwickelte sich gegen den nationalen Trend

Landesweit stieg die Zahl der Teilnehmenden von 125.275.835 auf 128.236.074, also um knapp drei Millionen. Im Norden sank sie dagegen von 10.554.993 auf 10.317.110. Die dortige Nichtwahlquote nahm von 19,43 auf 21,25 Prozent zu.

Auch die Spannweite zwischen Gemeinden ist groß. In Bela Vista do Piauí nahmen in der Stichwahl 93,12 Prozent der registrierten Wahlberechtigten teil. In Itaubal im Bundesstaat Amapá waren es 58,99 Prozent. Solche Unterschiede können viele Gründe haben. Die Ergebnistabelle enthält keine Angaben über individuelle Motive, Fahrtwege oder organisatorische Hindernisse.

Im Ausland blieb eine Mehrheit der Registrierten fern

An den Auslandswahlorten lag die Nichtwahlquote bei 58,37 Prozent. Für diese Quote berücksichtigt das TSE-Portal die Register der tatsächlich eingerichteten Wahlbezirke. Die Beteiligung stieg gegenüber dem ersten Wahlgang, blieb aber deutlich unter dem inländischen Niveau.

In Deutschland lag die Beteiligung der drei erfassten Wahlorte bei 51,59 Prozent. Einzelheiten zu Berlin, Frankfurt und München finden Sie im Deutschland-Ergebnis. Für sämtliche Auslandsorte gilt: Die Gruppe der registrierten Wahlberechtigten ist nicht mit allen im Ausland lebenden Brasilianern gleichzusetzen.

Warum die Bezugsgröße entscheidend ist

Wenn Sie Beteiligungs- und Kandidatenanteile vergleichen, prüfen Sie immer den Nenner. Kandidatenanteile beziehen sich hier auf gültige Stimmen, leere und ungültige Stimmen auf die abgegebenen Stimmen, Nichtwahl auf das maßgebliche Wahlregister. Erst eine gemeinsame Bezugsgröße erlaubt die Darstellung „von 100 Wahlberechtigten“.

Daten und Methode

Die amtlichen Dateien enthalten 158.745.502 Registereinträge. Davon entfallen 423 auf nicht eingerichtete Auslandswahlbezirke. Teilnahme und Nichtwahl ergeben zusammen 158.745.079; dieser Nenner reproduziert die Portalquoten. Zusätzlich weist das TSE auf 39 doppelt zugeordnete Registereinträge hin und nennt 158.745.463 als bereinigte Gesamtzahl der Wahlberechtigten. Da deren örtliche Zuordnung aus den verwendeten Ergebnistabellen nicht hervorgeht, wurden keine pauschalen Gemeinde-Korrekturen vorgenommen. Sämtliche dargestellten Quoten folgen konsistent dem veröffentlichten Ergebnisstand; die kleine Registerdifferenz ändert die auf zwei Stellen gerundete nationale Beteiligungsquote nicht.

Quellen: Amtliches Ergebnisportal des TSE; TSE-Daten der Stichwahl; TSE-Rohdaten und Hinweis zur Registerkorrektur; TSE-Ergebnis des ersten Wahlgangs.

Stand: 26. Oktober 2026. Eigene Berechnungen und Grafiken: severint.net. Die Angaben beziehen sich auf die Präsidentschaftswahl; Rundungsdifferenzen sind möglich.

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