Zebra im Flur, Löwe überm Kamin: Was der Bund zu Jagdtrophäen-Importen sagt

Zebrafell im Flur, Löwenkopf über dem Kamin: Jagdtrophäen geschützter Arten dürfen in Deutschland weiterhin eingeführt werden, und zwar in beachtlicher Zahl. Abgeordnete der Grünen wollten mit der Kleinen Anfrage Drucksache 21/5551 genau wissen, was da ins Land kommt, wer es prüft und ob ein Verbot geplant ist. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 21/6114) vom 21. Mai 2026 liefert lange Tabellen, ein klares Nein zum nationalen Importverbot und einen bemerkenswerten Befund: Von 2023 bis 2025 wurde kein einziger Antrag abgelehnt.

Worum es den Fragestellern ging

Laut Vorbemerkung wurden 2025 insgesamt 651 Trophäen geschützter Arten nach Deutschland eingeführt, weitere 50 waren genehmigt, aber noch nicht eingeführt. Die Fragesteller kritisieren, dass Trophäenjäger gezielt besonders starke Tiere mit langen Stoßzähnen, großen Hörnern oder prächtigen Mähnen schießen, die für gesunde Bestände besonders wichtig seien. Den Nutzen für lokale Gemeinschaften bezweifeln sie, weil Gewinne oft an Jagdreiseveranstalter, Farmbesitzer und lokale Eliten flössen. Zudem verweisen sie auf Einfuhrverbote in Belgien, Finnland, den Niederlanden und Frankreich und auf die Werbung für Jagdreisen auf der Messe „Jagd und Hund“ in Dortmund. Insgesamt stellten sie 33 Fragen.

Was eingeführt wird: viele Zebras, viele Paviane

Die Anlagen der Antwort schlüsseln die Einfuhrvorgänge für 2023 bis 2025 nach Art und Herkunftsland auf, sortiert nach den Anhängen der EU-Artenschutzverordnung 338/97. Das Bild ist eindeutig. Spitzenreiter ist das Hartmann-Bergzebra aus Namibia mit 233 Einfuhrvorgängen 2023, 232 im Jahr 2024 und 205 im Jahr 2025. Auf Platz zwei folgt der Bärenpavian aus Namibia mit 111, 152 und 122 Vorgängen. Dahinter kommen Giraffen, vor allem aus Namibia und Südafrika, Litschi-Moorantilopen, Nilkrokodile, Karakale und Schwarzbären aus Kanada.

Bei den „großen Namen“ sind die Zahlen kleiner, aber stetig. Löwentrophäen kamen ganz überwiegend aus Südafrika, nämlich 20, 23 und 26 Vorgänge in den drei Jahren. Afrikanische Elefanten wurden vor allem aus Simbabwe, Namibia und Botsuana eingeführt, Leoparden vor allem aus Namibia. Dazu kommen einzelne Breitmaulnashörner, Geparden aus Namibia, Eisbären und Walrosse aus Kanada sowie Braunbären aus Russland, den USA, Kanada und 2025 einer aus Bosnien-Herzegowina.

Alle Anträge genehmigt, und warum das so ist

Zuständig ist das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Wo eine Genehmigungspflicht besteht, ist die Einfuhr laut Antwort „grundsätzlich zu erteilen“, wenn Legalität und Nachhaltigkeit der Entnahme positiv geprüft sind. Im abgefragten Zeitraum wurden alle beantragten Genehmigungen erteilt. Die Erklärung der Regierung: Interessenten holen schon vor der Jagd unverbindliche Auskünfte beim BfN ein. Ist die Erfolgsaussicht gering, wird gar nicht erst beantragt. Die Ablehnungsquote von null sagt also weniger über die Großzügigkeit der Behörde als über die Vorauswahl der Antragsteller. Wie oft solche Vorab-Auskünfte negativ ausfallen, verrät die Antwort nicht.

Geprüft werde streng, nach EU-einheitlichem Recht und abgestimmt mit den CITES-Behörden der anderen Mitgliedstaaten. Berücksichtigt würden regionaler Erhaltungszustand, lokales Management, Biologie der Art und Handelstrends. Ein konkretes Beispiel: Bei Löwen und Leoparden wird die Jagd auf weibliche Tiere in der Regel als nicht nachhaltig bewertet. Ob gezielt die stärksten Männchen geschossen werden, wie die Fragesteller befürchten, beantwortet die Regierung damit allerdings nur indirekt.

Löwen aus der Zucht, Elefanten aus Botsuana

Aufschlussreich ist die Tabelle zu Tieren aus Gefangenschaft. Unter dem CITES-Herkunftscode C für Zucht wurden 18 (2023), 22 (2024) und 25 (2025) Löwentrophäen aus Südafrika eingeführt. Der Großteil der südafrikanischen Löwentrophäen stammt damit aus Zuchtbetrieben. Die Regierung sieht darin aus Artenschutzsicht kein unmittelbares Problem, solange keine Tiere aus freilebenden Beständen entnommen werden, weil solche Systeme weitgehend von Wildpopulationen entkoppelt sein könnten. Eine ethische Bewertung dieser Praxis gibt sie nicht ab.

Zu Botsuana wird die Antwort ungewöhnlich ausführlich. Die von den Fragestellern zitierte Studie von Elephants Without Borders sei bekannt. Maßgeblich seien aber nicht die Quoten, sondern die tatsächlichen Abschüsse. Diese lagen von 1996 bis 2023 stets deutlich unter der Quote, bei 0,03 bis 0,25 Prozent der Population, zuletzt 0,12 bis 0,16 Prozent. Die Population schätzt die Regierung auf rund 140.000 Elefanten, im Norden gilt sie seit 2010 als stabil. Bei Leoparden lag 2023 die nationale Quote bei 74 Tieren, geschossen wurden 46, bei einer CITES-Exportquote von 130.

Verstöße, Messen und das Verbot, das nicht kommt

Verstöße sind selten dokumentiert: sechs Fälle in drei Jahren, darunter ein Bußgeld von 500 Euro für ein Giraffenfell ohne Ausfuhrgenehmigung und ein laufendes Strafverfahren wegen eines präparierten Wolfsfells aus Kasachstan. Mehrere Verfahren wurden eingestellt. Zu Werbung auf Jagdmessen verweist die Regierung auf die Länder, die seit der Föderalismusreform 2006 für das Messerecht zuständig sind. Eine bundesweite Regelung komme daher nicht in Betracht. Zur Größe des Jagdreisemarkts, zur Verteilung der Einnahmen und zur Rolle der Organisation Conservation Force in Botsuana lägen keine Erkenntnisse vor.

Die Kernaussage zur Politik ist eindeutig: „Es ist kein nationales Einfuhrverbot geplant.“ Die Regierung setzt auf die EU-Ebene. Dort wird diskutiert, die bisherige Ausnahme für Jagdtrophäen von Anhang-B-Arten ganz oder teilweise zu streichen. Bislang können etwa Krokodile, Zebras und Giraffen ohne Einfuhrgenehmigung, also ohne Prüfung durch die Behörden, eingeführt werden. Das erklärt auch, warum gerade diese Arten in den Tabellen so häufig auftauchen. Einen Wiedereintritt in den Jagdverband CIC plant die Regierung nicht. Ein Förderdetail sorgt für Aufmerksamkeit: Ein multilateraler Klimafonds hat für Namibia einen Investitionsplan bewilligt, der bis zu 200.000 US-Dollar auch für „integrierte ethische Jagd“ vorsieht. Die Bundesregierung hat dazu nach eigener Aussage Bedenken geäußert.

Fazit

Die Antwort zeigt ein System, das formal streng prüft und praktisch nie ablehnt, weil aussichtslose Fälle gar nicht erst beantragt werden. Hunderte Zebras und Paviane kommen jedes Jahr ohne Einzelgenehmigung ins Land, Löwentrophäen stammen meist aus Zucht. Ein deutsches Importverbot wird es vorerst nicht geben, die Regierung setzt auf strengere EU-Regeln für Anhang-B-Arten. Ob man das für verantwortungsvollen Artenschutz oder für zu zögerlich hält, ist eine Wertungsfrage. Die Zahlen liegen jetzt jedenfalls auf dem Tisch.

Quellen

Stand: 22.10.2026

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