600 Kilometer mit einer Ladung? Die umstrittene Elektroauto-Rekordfahrt von DBM Energy

Im Oktober 2010 fuhr ein umgebauter Audi A2 mit einem Akku der Berliner Firma DBM Energy von München nach Berlin, angeblich 600 Kilometer ohne Nachladen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte das Projekt gefördert, der ADAC zweifelte. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 17/4392) vom 12. Januar 2011 fragte nach. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 17/4518) kam mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom 24. Januar 2011.

Worum es ging

Laut den Fragestellern stellte DBM Energy am 26. Oktober 2010 einen Langstreckenweltrekord für Elektroautos auf. Nach einer Pressemitteilung des BMWi sei der Umbau mit Mitteln des Ministeriums unterstützt worden, und Ministeriumsleute hätten die Fahrt begleitet. Die Mitgliederzeitschrift „ADAC Motorwelt“ äußerte in Heft 12/2010 erhebliche Zweifel an der Seriosität des Rekords. Die Fragesteller wollten unter anderem wissen, warum es keine nachprüfbaren Daten zum Akku gebe, was es bedeute, dass der bestellte Notar kurzfristig abgesagt hatte, und ob das Auto unterwegs zeitweise aus dem Blick der Journalisten verschwunden sei.

Was die Bundesregierung sagt

Die Antwort stellt sich klar hinter die Rekordfahrt:

  • Daten zum Akku: Datenblätter seien beim VDE-Kongress am 8. und 9. November 2010 veröffentlicht und an rund 1.600 Fachbesucher verteilt worden. Zudem laufe die Akkutechnik seit September 2010 bei der Firma Papstar in Gabelstaplern, nach Angaben des Unternehmens ohne Ausfälle und mit 70 Prozent weniger Stromverbrauch.
  • Abnahme: Das Fahrzeug sei vor der Fahrt von der DEKRA abgenommen und für den Straßenverkehr zugelassen worden.
  • Notar: Rund 20 bis 30 Personen hätten die Fahrt begleitet, darunter ADAC, Presse, THW, BMWi und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Acht Personenschützer seien immer in Sichtweite gewesen. Ein Notar sei als Augenzeuge rechtlich nicht anders zu bewerten als andere.
  • GPS: Eine im Auto eingebaute GPS-Blackbox habe ein lückenloses Protokoll aufgezeichnet, das dem BMWi vorliege. Danach könnten Manipulationen wie unbeobachtetes Nachladen ausgeschlossen werden.
  • Verschwinden: Mehrfaches Verschwinden für 20 bis 30 Minuten könnten BMWi und DLR nicht bestätigen. Der Audi sei aber rund 20 Minuten nach einigen Begleitfahrzeugen am Zielpunkt Berlin-Dreilinden angekommen, weil er einen Umweg fuhr, um die Marke von 600 Kilometern zu knacken.

Abgebranntes Auto und neue Tests

Ein unabhängiger Reichweitentest mit der DEKRA war laut Antwort schon für Dezember 2010 geplant. Er musste verschoben werden, weil das Rekordfahrzeug bei einem Brand in einer Berliner Lagerhalle am 11. und 12. Dezember 2010 zerstört wurde. Nach Angaben von DBM sollte der Test Ende Februar 2011 mit einem Ersatzfahrzeug nachgeholt werden.

Seit dem 17. Januar 2011 prüfte außerdem die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Auftrag des BMWi die Sicherheit der Lithium-Metall-Polymer-Technik. Grundlage waren die UN-Prüfvorschriften für den Transport gefährlicher Güter mit acht Einzeltests, darunter Kurzschluss, Aufprall und Überladung, dazu Crash- und Brandtests.

Warum der Bund förderte

Die Bundesregierung verweist auf den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität, nach dem bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollten. Dafür müsse vor allem die Reichweite deutlich steigen. Ziel des Forschungsprojekts sei ein Demonstrator mit heute verfügbarer Technik und mehr als 300 Kilometern Reichweite gewesen.

Späterer Stand

Anfang April 2011 bestätigte die BAM nach einem Bericht des Spiegel, dass die Zellen die Tests bestanden hatten. Laut heise online wurden aber nur Einzelzellen geprüft. Im DEKRA-Reichweitentest Mitte März 2011 schaffte ein Ersatz-A2 mit kleinerem Akku auf dem Prüfstand nach Firmenangaben 454,82 Kilometer. Der Spiegel nennt eine Förderung von 275.000 Euro durch das Wirtschaftsministerium.

Einordnung

Die Antwort liest sich fast wie eine Verteidigungsschrift für ein gefördertes Projekt: GPS-Protokoll, Augenzeugen und DEKRA-Abnahme statt Notar. Offen blieb Anfang 2011 vor allem der unabhängige Leistungsnachweis, denn das Originalauto war da schon verbrannt. Mehr zum Thema bei Wikipedia.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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