Junger Christdemokrat in Heiligenstadt, 1950 aus der Ost-CDU ausgeschlossen und in den Westen geflohen, Redakteur in Hagen, Chefredakteur der Entscheidung und Deutschlandpolitiker der Union: Gerhard Reddemann, geboren am 22.02.1932 in Heiligenstadt, gehörte dem Bundestag von 1969 bis 1994 an. Er starb am 27.03.2008.
Kurzprofil
- Geboren: 22. Februar 1932 in Heiligenstadt
- Gestorben: 27. März 2008
- Beruf: Journalist
- Partei: CDU
- Bundestag: 1969 bis 1994 (6. bis 12. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
- Religion/Familie: katholisch, verheiratet, 2 Kinder
Flucht
1947 trat Reddemann laut Handbuch der CDU in der Sowjetischen Zone bei und wurde 1949 Jugendreferent. 1950 wurde er aus der Partei ausgeschlossen und floh in die Bundesrepublik. Ab 1953 arbeitete er als Redakteur, von 1966 bis 1969 als Chef vom Dienst der Westfalenpost in Hagen. Die Stammdaten führen ihn als Journalisten, katholisch, verheiratet, zwei Kinder.
Entscheidung
Reddemann gründete die Monatsschrift Die Entscheidung mit und war bis 1969 ihr Chefredakteur, danach freier Journalist. Im Bundestag leitete er von 1972 bis 1973 und von 1983 bis 1987 den Ausschuss für innerdeutsche Beziehungen. Von 1979 bis 1981 war er Generalsekretär der Christlichen Demokraten im Europarat.
Eichsfeld
1990 gewann Reddemann den Wahlkreis Nordhausen – Worbis – Heiligenstadt direkt, vierzig Jahre nach seiner Flucht aus eben dieser Gegend. Das Eichsfeld um seine Geburtsstadt Heiligenstadt ist eine katholische Region in Thüringen. Er erhielt 1977 das Große Verdienstkreuz und 1986 das Große Verdienstkreuz mit Stern.
Presseamt
Sein Mandat umfasste 1.565 Sitzungen; die Protokolle zählen 237 Reden mit 35.387 Wörtern und 1.580 Zwischenrufe, allein 675 zwischen 1972 und 1976. In der ersten Rede am 4. Juni 1970 warnte er, die Regierung mache aus dem Bundespresseamt eine Art Bundespropagandaministerium. Die Anzeigen, nach denen die Preise sänken, zeigten eher den Aktienindex der letzten Woche. Willy Brandt (SPD) riet er, sich nicht auf die Verführungskünste des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augstein zu verlassen.
Programme
Die letzte Wortmeldung am 17. Juni 1994 war kurz. Er schloss an Stephan Hilsberg (SPD) und Gert Weisskirchen (SPD) an: In den Programmen habe in der Tat manches gestanden, was gleich klang. Als früherer Vorsitzender des Innerdeutschen Ausschusses erinnerte er aber daran, dass die letzte gemeinsame Erklärung aller Parteien zum geteilten Deutschland an einem Antrag der SPD zur völkerrechtlichen Anerkennung der Grenze zur DDR gescheitert sei.
Abstimmungen
An 560 von 565 namentlichen Abstimmungen nahm Reddemann teil, 181-mal mit Ja, 369-mal mit Nein und zehnmal mit Enthaltung. Neunmal wich er von der Union ab, achtmal davon zwischen 1990 und 1994. 1994 schied er mit 62 Jahren aus dem Bundestag aus. Er starb mit 76 Jahren; einen Sterbeort nennen unsere Quellen nicht.
Mandate im Überblick
Reddemann kam sechsmal über die Landesliste der CDU Nordrhein-Westfalen und 1990 als Wahlkreisgewinner im Eichsfeld in den Bundestag:
- 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 9. Wahlperiode (04.11.1980 bis 29.03.1983): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 18.02.1987): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 12. Wahlperiode (20.12.1990 bis 10.11.1994): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).