Fremdsprachenkorrespondentin aus Berlin, Nachrückerin für Theodor Heuss, Fürsprecherin verurteilter Kriegsverbrecher und erste deutsche Botschafterin im Ausland: Margarete Hütter, geborene Jahn, geboren am 26.03.1909 in Berlin, gehörte dem Bundestag von 1949 bis 1953 und von 1955 bis 1957 für die FDP an. Sie starb am 25.11.2003 in Bad Godesberg.
Kurzprofil
- Geboren: 26. März 1909 in Berlin
- Gestorben: 25. November 2003
- Beruf: Referentin
- Partei: FDP
- Bundestag: 1949 bis 1957 (1. bis 2. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet
Herkunft
Hütters Vater Adolf war Handelsvertreter. Nach der mittleren Reife besuchte sie eine Frauenschule und eine höhere Handelsschule, studierte Fremdsprachen in England, Frankreich und den USA und arbeitete in Berlin, Paris und London als Sekretärin und Fremdsprachenkorrespondentin. Sie war in der demokratischen Jugendbewegung aktiv.
Frankreich und NS-Zeit
1933 heiratete sie den Franzosen Jean Hütter und wurde Französin. Von 1934 bis 1936 lebte das Paar in den USA, wo ihre Tochter geboren wurde, danach in Straßburg. Als ihr Mann Offizier der Wehrmacht wurde, wurde sie 1943 wieder eingebürgert. Ab 1941 war sie förderndes Mitglied der NS-Frauenschaft; zum 01.07.1943 nahm die NSDAP sie auf, Mitgliedsnummer 9.664.996. Ihr Mann galt als vermisst und wurde 1949 für tot erklärt.
Nachkriegszeit
Nach Kriegsende war Hütter kurz Chefdolmetscherin der amerikanischen Militärregierung für Württemberg-Baden, verlor die Stelle aber wegen ihrer NSDAP-Mitgliedschaft. Danach arbeitete sie als Referentin beim Deutschen Büro für Friedensfragen in Stuttgart. 1948 trat sie der DVP bei. Die Historikerkommission zum Auswärtigen Amt schreibt, sie habe sich seit 1948 als rabiate Fürsprecherin der deutschen Kriegsverurteilten einen Namen gemacht.
Bundestag
Am 15.09.1949 rückte Hütter für Theodor Heuss nach, der nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten das Mandat niedergelegt hatte. 1953 kandidierte sie nicht und ging in den diplomatischen Dienst, nach Bonn, Washington und New Orleans. Am 29.09.1955 rückte sie für Karl Georg Pfleiderer nach und blieb bis 1957. Die Plenarprotokolle verzeichnen 31 Reden und die Teilnahme an 213 namentlichen Abstimmungen.
Diplomatin
Danach kehrte Hütter in den diplomatischen Dienst zurück, unter anderem als Generalkonsulin in San Francisco. Anfang 1972 übertrug ihr Außenminister Walter Scheel die Leitung der Botschaft in San Salvador; sie war damit die erste Frau auf einem deutschen Botschafterposten im Ausland. 1974 trat sie aus Altersgründen in den Ruhestand. Sie starb im November 2003 mit 94 Jahren.
Stammdaten
Die Stammdaten nennen Hütter Referentin, ohne Angaben zur Religion, verheiratet, und verzeichnen Mandate vom 15.09.1949 bis zum 07.09.1953 und vom 29.09.1955 bis zum 06.10.1957. Ihre NSDAP-Mitgliedschaft und ihre Laufbahn als Diplomatin führen sie nicht auf.
Mandate im Überblick
Hütter rückte zweimal über die Landesliste der FDP in Württemberg-Baden und Baden-Württemberg in den Bundestag nach:
- 1. Wahlperiode (15.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Württemberg-Baden, FDP-Fraktion
- 2. Wahlperiode (29.09.1955 bis 06.10.1957): Landesliste Baden-Württemberg, FDP-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).