Jugendbewegter, Reichssekretär des CVJM, zeitweise Bewunderer des NS-Staats, dann mit Redeverbot belegt, Hoteldirektor in Danzig, nach dem Krieg Generalsekretär des CVJM und Gründer einer Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit: Gustav-Adolf Gedat, geboren am 10.02.1903 in Potsdam, vertrat von 1953 bis 1965 den Wahlkreis Reutlingen für die CDU im Bundestag. Er starb am 06.04.1971 in Bad Liebenzell.
Kurzprofil
- Geboren: 10. Februar 1903 in Potsdam
- Gestorben: 6. April 1971
- Beruf: Schriftsteller
- Partei: CDU
- Bundestag: 1953 bis 1965 (2. bis 4. Wahlperiode), stets direkt gewählt
Jugendbewegung
Gedat machte Abitur in Ostpreußen und studierte Pädagogik an Universitäten im In- und Ausland. Seit 1918 arbeitete er ehrenamtlich, später hauptamtlich für die freideutsche Jugendbewegung. In den dreißiger Jahren wurde er Reichssekretär des Christlichen Vereins Junger Männer. Die Stammdaten nennen ihn Schriftsteller.
Belastete Jahre
Gedat begrüßte den Nationalsozialismus zunächst begeistert, äußerte sich in Reden völkisch und antisemitisch und sprach 1935 davon, Gott habe Jäger über das jüdische Volk bestellt. Später entstanden Differenzen, weil er eine biblisch begründete autoritäre Ordnung statt einer rassisch begründeten anstrebte. 1938 erhielt er Rede- und Tätigkeitsverbot und arbeitete bis 1944 als Hoteldirektor in Danzig.
CVJM
Von 1945 bis 1952 war Gedat Generalsekretär des CVJM in Deutschland und Mitglied des Weltrats der YMCA in Genf. Er war stellvertretender Vorsitzender des evangelikalen Christlichen Jugenddorfwerks und geschäftsführender Präsident des deutschen Zweigs der Bewegung Christen in Verantwortung, die eng mit dem amerikanischen Netzwerk The Family verbunden war, sowie Vizepräsident von dessen internationalem Rat in Washington.
Bad Liebenzell
1952 gründete Gedat in Bad Liebenzell eine Gesellschaft zur Förderung überkonfessioneller, überparteilicher und übernationaler Zusammenarbeit, die er bis zu seinem Tod leitete. In den fünfziger Jahren half er zusammen mit dem Schweizer Arzt Theodor Bovet homosexuellen Männern, die vor Verhaftung aus der Bundesrepublik in die Schweiz flohen, in einer Zeit, in der der verschärfte Paragraf 175 aus der NS-Zeit weiter galt.
Reutlingen
1953 trat Gedat kurz vor seiner Nominierung der CDU bei und gewann den Wahlkreis Reutlingen. Er verteidigte ihn zweimal und saß zwölf Jahre im Bundestag. 1954 wurde er Ehrenritter des Johanniterordens, 1963 Ehrendoktor eines New Yorker College, 1964 Commendatore des italienischen Verdienstordens, 1965 Mitglied des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg.
Stammdaten
1965 schied Gedat nach drei Wahlperioden aus dem Bundestag aus. Er starb im April 1971 mit 68 Jahren in Bad Liebenzell im Nordschwarzwald. Die Stammdaten machen keine Angaben zu Religion und Familie; seine Äußerungen in den frühen dreißiger Jahren erwähnen sie nicht.
Mandate im Überblick
Dreimal in Folge gewann Gedat den württembergischen Wahlkreis Reutlingen direkt, 1953, 1957 und 1961:
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).