Schlesier ohne Studienabschluss, Redakteur, NSDAP-Mitglied, Soldat, Gründer des Neubürgerbunds, Präsident der Interessenvertretung der Ausgewiesenen in Bayern, Ohrfeigen-Abgeordneter, Mitgründer der Nationalen Reichspartei und später Hotelier: Günter Goetzendorff, geboren am 11.03.1917 in Bad Ziegenhals, saß von 1949 bis 1953 im Bundestag, zuerst für die WAV. Er starb am 08.08.2000 in Bad Honnef.
Kurzprofil
- Geboren: 11. März 1917 in Bad Ziegenhals
- Gestorben: 8. August 2000
- Beruf: Journalist, Redakteur
- Partei: WAV
- Bundestag: 1949 bis 1953 (1. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: katholisch
NSDAP
Goetzendorff studierte Volkswirtschaft und Germanistik, ohne abzuschließen, und arbeitete als Redakteur und Journalist. Am 18.04.1940 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 01.07.1940 aufgenommen, mit der Mitgliedsnummer 8.349.550. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat der Wehrmacht.
Neubürgerbund
1945 kam Goetzendorff als Vertriebener nach Bayern und gründete einen Flüchtlingsausschuss. Den 1946 gegründeten Neubürgerbund verbot die amerikanische Besatzungsmacht bald. Er wurde Vorstandsmitglied der Interessenvertretung der Ausgewiesenen in Bayern und arbeitete von 1946 bis 1949 als Redakteur der Passauer Neuen Presse. 1948 gründete er den Neubürgerbund neu und wurde Präsident der Interessenvertretung.
WAV
Vor der Bundestagswahl 1949 warb Goetzendorff für eine gemeinsame Vertriebenenliste, die aber keine Lizenz erhielt. So schloss der Neubürgerbund ein Bündnis mit der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung von Alfred Loritz, und Goetzendorff zog in den Bundestag ein. Vor der Landtagswahl 1950 gründete er den Block der Heimatvertriebenen, der nicht mit dem BHE identisch war und nur 0,2 Prozent erhielt.
Ohrfeige
Am 26.01.1950 schloss Bundestagspräsident Erich Köhler Goetzendorff für 20 Sitzungstage aus. Er hatte dem Abgeordneten Hans Bodensteiner im Foyer eine Ohrfeige gegeben, weil dieser rufschädigende Äußerungen nicht zurücknahm. Später verließ er die WAV-Fraktion und schloss sich als Gast der Gruppe der Deutschen Reichspartei an.
Nationale Reichspartei
1952 gründete Goetzendorff mit Wolfgang Hedler die Nationale Reichspartei, die sich 1953 am erfolglosen Dachverband der Nationalen Sammlung beteiligte. Er galt als schillernde Figur, war in zahlreiche Gerichtsverfahren verwickelt und ließ sich nach der Politik als Hotelier in Bad Honnef nieder. 1989 erschienen seine Erinnerungen eines Parlamentariers der ersten Stunde unter dem Titel Das Wort hat der Abgeordnete, 1994 eine kritische Chronik der deutschen Einheit.
Stammdaten
Goetzendorff starb im August 2000 mit 83 Jahren. Die Stammdaten nennen ihn Journalisten und Redakteur und katholisch, machen keine Angaben zur Familie und verzeichnen nur die WAV und ein Listenmandat vom 07.09.1949 bis zum 07.09.1953; die NSDAP-Mitgliedschaft, den Wechsel zur DRP-Gruppe und die NRP erwähnen sie nicht.
Mandate im Überblick
Goetzendorff kam 1949 über die bayerische Landesliste der WAV in den Bundestag, mit der sein Neubürgerbund ein Wahlbündnis geschlossen hatte:
- 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Bayern, Fraktion Wirtschaftliche Aufbauvereinigung, Fraktion DRP (Gast), fraktionslos
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).