Strafrechtler, Rechtsphilosoph, Vater der Freiburger Thesen und Bundesinnenminister im Deutschen Herbst: Werner Maihofer, geboren am 20.10.1918 in Konstanz, gehörte dem Bundestag von 1972 bis 1980 an. Er starb am 06.10.2009 in Bad Homburg vor der Höhe.
Kurzprofil
- Geboren: 20. Oktober 1918 in Konstanz
- Gestorben: 6. Oktober 2009
- Beruf: Professor, Bundesminister a. D.
- Partei: FDP
- Bundestag: 1972 bis 1980 (7. bis 8. Wahlperiode), über die Landesliste
Konstanz und Saarbrücken
Maihofer war Sohn eines Finanzbeamten und gehörte 1936 als Eiskunstläufer zum Olympiakader. Von 1937 bis 1945 war er Soldat, zuletzt Oberleutnant. In Freiburg studierte er Recht, promovierte 1950 und habilitierte sich 1953 mit der Schrift Recht und Sein. Von 1955 bis 1969 lehrte er in Saarbrücken Rechts- und Sozialphilosophie, Strafrecht und Strafprozessrecht und war von 1967 bis 1969 Rektor. 1970 ging er nach Bielefeld und leitete dort das Zentrum für interdisziplinäre Forschung.
Freiburger Thesen
1969 trat Maihofer in die FDP ein. Als Vorsitzender der Programmkommission arbeitete er ab 1970 an den Freiburger Thesen, die er 1972 mit Walter Scheel und Karl-Hermann Flach herausgab. Von 1970 bis 1978 saß er im Präsidium der FDP, später prägte er die Wiesbadener Grundsätze von 1997. 1942 heiratete er Margrit Schiele; das Paar hatte fünf Töchter.
Minister
Am 15. Dezember 1972 wurde Maihofer Bundesminister für besondere Aufgaben, am 16. Mai 1974 folgte er Hans-Dietrich Genscher als Innenminister. Seine Amtszeit überschatteten die Morde der RAF an Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns Martin Schleyer 1977. Nach Bekanntwerden der Lauschaffäre Traube verlor er den Rückhalt seiner Partei und trat am 6. Juni 1978 zurück, unter Hinweis auf seine Verantwortung für eine Fahndungspanne bei der Schleyer-Entführung. Sein Nachfolger wurde Gerhart Baum.
Reden
Die Protokolle zählen 88 Reden mit 102.683 Wörtern in 489 Sitzungen, 64 davon als Innenminister. Seine erste am 15. Februar 1974 hielt er in der von der Union beantragten Verfassungsdebatte im Jubiläumsjahr des Grundgesetzes. In der letzten am 18. Juni 1980 nannte er den Gesetzentwurf der Union zur Neuordnung der Graduiertenförderung einen verdienstlichen Vorstoß. 66 seiner Reden fallen in die 7., 22 in die 8. Wahlperiode; als Minister für besondere Aufgaben sprach er 15-mal. Einen Zwischenruf Maihofers halten die Protokolle nicht fest.
Abstimmungen
An allen 38 namentlichen Abstimmungen nahm Maihofer teil, 29-mal mit Ja und neunmal mit Nein, nie gegen die Mehrheit der FDP. 1980 kandidierte er nicht wieder. Die Stammdaten nennen ihn Professor und Bundesminister a. D., ohne Angaben zu Konfession und Familienstand; das Handbuch nennt ihn evangelisch.
Mandate im Überblick
Maihofer kam 1972 und 1976 über die Landesliste der FDP Nordrhein-Westfalen in den Bundestag:
- 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
- 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Nordrhein-Westfalen, FDP-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).