Köpfe: Dr. Walter Hallstein

Jurist aus Mainz, Professor in Rostock und Frankfurt, Kriegsgefangener in Mississippi, Nachkriegsrektor, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Namensgeber der Hallstein-Doktrin und erster Präsident der EWG-Kommission: Walter Hallstein, geboren am 17.11.1901 in Mainz, vertrat von 1969 bis 1972 den Wahlkreis Neuwied für die CDU im Bundestag. Er starb am 29.03.1982 in Stuttgart.

Kurzprofil

  • Geboren: 17. November 1901 in Mainz
  • Gestorben: 29. März 1982
  • Beruf: Professor
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1969 bis 1972 (6. Wahlperiode), stets direkt gewählt
  • Religion/Familie: evangelisch, ledig

Rostock

Hallstein, Sohn eines Regierungsbaurats, besuchte das Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz und studierte Recht in Bonn, München und Berlin. 1925 wurde er promoviert, 1929 habilitierte er sich über das Aktienrecht. Von 1930 bis 1941 lehrte er Privat- und Gesellschaftsrecht in Rostock. Er gehörte mehreren NS-Verbänden an, etwa dem Rechtswahrer- und dem Dozentenbund, nicht aber der NSDAP.

Camp Como

1941 wechselte Hallstein nach Frankfurt am Main. 1942 wurde er als Reserveoffizier eingezogen und diente in Nordfrankreich. Im Juli 1944 geriet er bei Cherbourg in amerikanische Gefangenschaft und half im Lager Camp Como in Mississippi, eine Lageruniversität aufzubauen. Im November 1945 kehrte er zurück, im April 1946 wurde er erster frei gewählter Nachkriegsrektor in Frankfurt.

Auswärtiges Amt

Nach einer Gastprofessur an der Georgetown University leitete Hallstein 1950 die deutsche Delegation bei den Verhandlungen über die Montanunion. Von 1951 bis 1958 war er Staatssekretär im Auswärtigen Amt unter Konrad Adenauer. Die nach ihm benannte Doktrin, die die Anerkennung der DDR durch Drittstaaten als unfreundlichen Akt wertete, erarbeitete er maßgeblich mit. 1953 trat er in die CDU ein.

Brüssel

Am 07.01.1958 wurde Hallstein Präsident der ersten Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, deren Vertrag er mitentworfen hatte. Er baute die Brüsseler Verwaltung auf und setzte auf eine kleine, eng integrierte Staatengruppe. Im Konflikt mit Frankreich, der in die Politik des leeren Stuhls mündete, kündigte er 1967 an, nicht erneut zu kandidieren.

Neuwied

Von 1968 bis 1974 führte Hallstein die Internationale Europäische Bewegung. 1969 gewann er den Wahlkreis Neuwied. Brandts Ostpolitik sah er als Rückfall in nationalstaatliches Denken; Herbert Wehner nannte ihn darauf einen pensionierten Europäer. Mit der vorgezogenen Wahl 1972 endete sein Mandat. Er starb im März 1982 mit 80 Jahren bei der befreundeten Familie Ritter in Stuttgart und wurde auf dem dortigen Waldfriedhof beigesetzt.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen Hallstein Professor, evangelisch und ledig. Sie verzeichnen das Direktmandat vom 20.10.1969 bis zum 22.09.1972, nennen den Wahlkreis aber nicht. Seine Ämter als Staatssekretär und Kommissionspräsident gingen dem Mandat voraus; im Bundestag war er mit fast 68 Jahren ein Neuling mit langer Regierungserfahrung.

Mandate im Überblick

Hallstein gewann 1969 den Wahlkreis Neuwied direkt:

  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.