Köpfe: Dr. Philipp Jenninger

Jurist, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, Staatsminister im Kanzleramt und Präsident des Bundestages: Philipp Jenninger, geboren am 10.06.1932 in Rindelbach an der Jagst, gehörte dem Bundestag von 1969 bis 1990 für die CDU an. Er starb am 04.01.2018 in Stuttgart.

Kurzprofil

  • Geboren: 10. Juni 1932 in Rindelbach (Jagst)
  • Gestorben: 4. Januar 2018
  • Beruf: Präsident DBT a. D.
  • Partei: CDU
  • Bundestag: 1969 bis 1990 (6. bis 11. Wahlperiode), stets direkt gewählt
  • Religion/Familie: katholisch, verheiratet

Herkunft

Jenninger stammte aus einem katholischen, dem Zentrum nahen Elternhaus; sein Vater, ein Buchdruckermeister, war in der NS-Zeit Schikanen ausgesetzt. Zwei Brüder fielen im Krieg. Nach dem Abitur 1952 in Ellwangen (Jagst) studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen und wurde 1958 mit einer Arbeit über die Reformbedürftigkeit des Bundesverfassungsgerichts promoviert.

Bonn

1960 wurde Jenninger Dezernent der Wehrbereichsverwaltung in Stuttgart, 1963 Referent im Verteidigungsministerium, 1964 persönlicher Referent von Heinrich Krone und von 1966 bis 1969 politischer Referent von Franz Josef Strauß im Finanzministerium.

Fraktion und Regierung

Vom 19.09.1973 bis zum 04.10.1982 war Jenninger Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion. 1976 zerriss er in der Parlamentarischen Gesellschaft ein Plakat von Klaus Staeck und wurde zu zehn Mark Schadenersatz verurteilt. Am 04.10.1982 wurde er Staatsminister im Kanzleramt mit Zuständigkeit für die Deutschlandpolitik. Sein bestes Ergebnis erzielte er 1983 mit 58,5 Prozent.

Präsident

Am 05.11.1984 wurde Jenninger nach dem Rücktritt Rainer Barzels Bundestagspräsident und 1987 mit großer Mehrheit wiedergewählt. Er pflegte Kontakte zu den Parlamenten des Warschauer Pakts. Seine Rede zum 50. Jahrestag der Pogromnacht am 10.11.1988 löste einen Skandal aus, Abgeordnete verließen den Saal; am folgenden Tag trat er zurück. Später übernahm Ignatz Bubis Passagen der Rede, ohne Anstoß zu erregen. Willy Brandt sagte, die Rede sei fehlgeschlagen, nicht weil Jenninger ein schlechter Kerl sei, sondern weil er sich übernommen habe.

Nach dem Bundestag

1990 kandidierte Jenninger nicht mehr. Von 1991 bis 1995 war er Botschafter in Wien, bis 1997 beim Heiligen Stuhl. Von 1985 bis 1990 war er Präsident des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung. Die Plenarprotokolle verzeichnen 147 Reden und 947 Zwischenrufe; an allen 469 namentlichen Abstimmungen nahm er teil und wich nie von seiner Fraktion ab. Nach seinem Tod ehrte ihn der Bundestag am 18.01.2018 mit einem Staatsakt.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen Jenninger Präsidenten des Bundestages a. D., katholisch, verheiratet, und verzeichnen sechs Direktmandate von 1969 bis 1990. Seine Botschafterposten führen sie nicht auf.

Mandate im Überblick

Jenninger gewann dreimal den Wahlkreis Crailsheim und dreimal Schwäbisch Hall:

  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
  • 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
  • 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
  • 9. Wahlperiode (04.11.1980 bis 29.03.1983): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
  • 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 18.02.1987): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
  • 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

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