Dr. Paul Bleiß kam am 06.11.1904 in Berlin zur Welt. Der Berliner Betriebswirt kam über die Wirtschaftsverwaltung der Bizone nach Minden, vertrat Minden-Lübbecke für die SPD und leitete den Verkehrsausschuss des Bundestages. Am 07.09.1949 schaffte Bleiß für die SPD den Sprung in den Bundestag. Laut Bundestagsverwaltung war Bleiß von Beruf Betriebsdirektor; als Religion ist evangelisch vermerkt, als Familienstand verheiratet. Gestorben ist Bleiß am 17.04.1996 in Minden.
Kurzprofil
- Geboren: 6. November 1904 in Berlin
- Gestorben: 17. April 1996
- Beruf: Betriebsdirektor
- Partei: SPD
- Bundestag: 1949 bis 1965 (1. bis 4. Wahlperiode), stets direkt gewählt
- Religion/Familie: evangelisch, verheiratet
Bankkaufmann und Betriebswirt
Nach dem Realschulabschluss machte Bleiß in Berlin eine Banklehre und studierte dann Betriebswirtschaftslehre. Von 1931 bis 1938 arbeitete er als Diplomkaufmann bei mehreren Banken, 1937 wurde er an der Wirtschaftshochschule Berlin promoviert. Von 1938 bis 1943 prüfte er Betriebe für das Oberkommando der Wehrmacht, dann leitete er kaufmännisch eine Metallwarenfabrik in Rothenburg an der Saale und wurde 1944 Betriebsdirektor eines Werks von Fichtel & Sachs im Vogtland.
Von Sachsen nach Minden
1945 wurde Bleiß Wirtschaftstreuhänder in Sachsen und trat der SPD bei. Schon 1946 ging er zur Verwaltung für Wirtschaft der britischen Zone in Minden, das damals Sitz mehrerer zonaler Behörden war, die 1947 zur Wirtschaftsverwaltung der Bizone wurde, und gehörte der Interalliierten Stahlkommission an. 1948/1949 saß er im Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt, dem Vorparlament der Bundesrepublik.
Minden-Lübbecke I
Bei der ersten Bundestagswahl 1949 gewann Bleiß den Wahlkreis Minden-Lübbecke I an Weser und Mittellandkanal direkt und verteidigte ihn bis 1961 dreimal. Von 1957 bis 1965 leitete er den Ausschuss für Verkehr, Post- und Fernmeldewesen, in einer Zeit, in der der Autobahnbau, die Motorisierung und die Zahl der Verkehrstoten rasch zunahmen und die Bundesbahn in die roten Zahlen geriet. 1965 schied er aus dem Bundestag aus. In seinen sechzehn Abgeordnetenjahren erlebte er den Aufbau der Bundesrepublik, die Westintegration und das Godesberger Programm seiner Partei.
Arbeitsdirektor in Salzgitter
Von 1963 bis 1970 war Bleiß Arbeitsdirektor der Salzgitter AG, des aus den früheren Reichswerken hervorgegangenen bundeseigenen Stahl- und Bergbaukonzerns. Der Arbeitsdirektor ist nach der Montanmitbestimmung ein gleichberechtigtes Vorstandsmitglied, das nicht gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter berufen werden kann. Bleiß war evangelisch und verheiratet; die Stammdaten führen ihn als Betriebsdirektor. Er starb 1996 mit 91 Jahren in Minden.
Mandate im Überblick
Er war 44 Jahre alt, als er in den Bundestag einzog, und 60 beim Ausscheiden. Die Mandate ergeben zusammen rund 16 Jahre in 4 Wahlperioden. Die Bundestagsverwaltung verzeichnet im Einzelnen:
- 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Direktmandat, SPD-Fraktion
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Direktmandat, SPD-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Direktmandat, SPD-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, SPD-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).