Wie weit ist der Lachs auf dem Weg zurück in den Rhein? Das wollte eine Kleine Anfrage (Drucksache 15/442) vom 11. Februar 2003 wissen. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 15/518) übermittelte das Bundesumweltministerium mit Schreiben vom 28. Februar 2003.
Der Hintergrund
Die Fragesteller erinnerten an das „Aktionsprogramm Rhein“, das die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) 1987 gestartet hatte. Bis 2000 sollten Rhein und Nebenflüsse wieder so sauber und naturnah sein, dass auch anspruchsvolle Arten dort leben können. Symbol war der Lachs, weshalb das Programm auch als „Lachs 2000“ bekannt wurde.
Als wichtigen Schritt nannten die Fragesteller den Fischpass an der Staustufe Iffezheim, laut ihnen der größte Fischpass Europas. Weiter flussaufwärts sei der Weg zwischen Gambsheim und Basel aber durch mehrere Querbauwerke versperrt. Beim Startdatum von Iffezheim weichen die Drucksachen voneinander ab: Die Anfrage nennt Juni 2002, die Antwort spricht von einem Betrieb seit Juni 2000.
Die Bilanz der Regierung
Seit Beginn der Wiederbesiedlung 1990 wurden laut Antwort mehr als 600 zurückkehrende Lachse verzeichnet, allein im Jahr 2000 mehr als 300. Im Fischpass Iffezheim seien mehr als 80 erwachsene Lachse registriert worden.
Heimisch sei der Lachs aber erst, wenn er sich im Rhein und in seinen Nebenflüssen selbst vermehrt und sein Bestand sich selbst erhält. Dieses Ziel sei „bei weitem noch nicht erreicht“. Es brauche weitere Fischpässe, Umgehungsgewässer und ökologische Verbesserungen.
Gambsheim und die weiteren Staustufen
Für den Fischpass an der Staustufe Gambsheim nannte die Regierung folgende Eckdaten:
- Baubeginn geplant für September 2003, vorbehaltlich der Genehmigung, Fertigstellung Mitte 2005.
- Kosten: netto 9,22 Millionen Euro (Preisstand September 2001).
- Aufteilung nach einer Vereinbarung von 1997: je 32,5 Prozent tragen Deutschland und Frankreich, 35 Prozent der Kraftwerksbetreiber CERGA. Vom deutschen Anteil übernimmt Baden-Württemberg 30 Prozent.
Für die Staustufen weiter südlich lief laut Antwort erst eine Machbarkeitsstudie für 100.000 Euro, je zu einem Drittel bezahlt von Frankreich, der Schweiz und Baden-Württemberg. Zu Kosten und Baubeginn weiterer Anlagen konnte die Regierung noch nichts sagen.
Rench, Kinzig und Restrhein
Bei den Nebenflüssen Rench und Kinzig verwies die Regierung auf Baden-Württemberg, der Bund sei nicht zuständig. Ihr sei nur bekannt, dass beide Flusssysteme bis 2006 als Wiederansiedlungsgewässer vorgesehen sind.
Ob der Restrhein zwischen Märkt und Breisach für Wanderfische tauglich wird, sollte laut Antwort eine Umweltverträglichkeitsstudie zur Neukonzessionierung des Kraftwerks Kembs klären, auch mit Blick auf eine ausreichende Mindestwassermenge. Außerdem sollte beim Bau eines kleinen Wasserkraftwerks am Kulturwehr Breisach eine Umgehung für Fische entstehen. Der Bund zahlt dafür einen Zuschuss von 50 Prozent der geschätzten Baukosten dieses Bauwerks.
Kleine Wasserkraftwerke
Für Fischwege an kleinen Wasserkraftanlagen sei der Bund ebenfalls nicht zuständig, sondern die Betreiber mit Auflagen der Landesbehörden. Technisch sei ein schonender Fischabstieg grundsätzlich möglich, etwa mit Barrieren, Bypässen oder fischfreundlicheren Turbinen. Ein universelles Verfahren für einen völlig schadlosen Abstieg gebe es aber nicht. Bei Anlagen unter einem Megawatt machten Kosten und Energieverluste den Umbau meist unwirtschaftlich.
Als Fördermöglichkeiten zählte die Regierung unter anderem das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien (2003: 190 Millionen Euro), die EEG-Vergütung von 7,67 Cent pro Kilowattstunde für Wasserkraftstrom, Programme der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, von DtA und KfW sowie die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz auf. Über die Gemeinschaftsaufgabe erstattet der Bund den Ländern bis zu 60 Prozent der Kosten für eine bessere Durchgängigkeit der Gewässer.
Von der EU kam laut Antwort zwischen 1993 und 2000 Geld aus dem LIFE-Programm: 1,4 Millionen Euro für einen Teil der Maßnahmen über die IKSR.
Späterer Stand
Laut einem IKSR-Fachbericht zur Durchgängigkeit des Oberrheins ging der Fischpass Gambsheim im April 2006 in Betrieb, also später als 2003 geplant. Iffezheim nennt der Bericht mit Juni 2000. Bis Ende Juni 2006 waren in Gambsheim schon mehr als 45.000 Fische aufgestiegen, und damit war auch die Kinzig für Wanderfische erreichbar. Die offizielle Eröffnung meldete die IKSR für den 22. Juni 2006.
Mehr zum Rhein bei uns: Chemikalien im Rhein.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 15/442 vom 11.02.2003
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 15/518 vom 04.03.2003
- IKSR: Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Oberrheins für die Fischfauna
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
