Hirnforschung an Katzen und Affen in Marburg: Die Antwort von 1992

An der Universität Marburg wurde erforscht, wie das Gehirn Seheindrücke verarbeitet, mit Elektroden im Gehirn von Katzen und später Rhesusaffen. Die Fragesteller wollten 1992 wissen, wie die Bundesregierung diese Versuche bewertet (Kleine Anfrage, Drucksache 12/2833). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Das Landwirtschaftsministerium, damals für den Tierschutz zuständig, schickte die Antwort (Drucksache 12/3190) am 25. August 1992.

Die Vorwürfe

Laut den Fragestellern liefen die Katzenversuche seit mehr als zehn Jahren, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Inzwischen arbeite die Gruppe mit Rhesusaffen, die in solchen Versuchen üblicherweise über begrenztes Trinkwasser zur Mitarbeit gebracht würden: Für richtiges Verhalten gebe es einen Tropfen Wasser. Die Fragesteller bezweifelten, dass die Eingriffe schmerzlos seien, und fragten nach Kosten, Ethik und möglicher militärischer Nutzung.

Die Antwort

  • Geld: Die DFG unterstützte zwei Marburger Forscher von 1986 bis 1991 mit insgesamt 240 332 DM. Darin waren „in geringerem Maße“ auch Mittel für Versuche mit Affen enthalten.
  • Katzen und Schmerz: Nach den Angaben, die der Regierung vorlagen, wurde der Zugang zum Gehirn in einer Operation unter Vollnarkose gelegt. Die Messungen etwa drei Wochen später liefen ebenfalls unter Vollnarkose. Das Gehirn selbst sei schmerzunempfindlich. Die Belastung beschränke sich auf möglichen Wundschmerz nach der Operation. Weil die Tiere narkotisiert und nicht nur sediert seien, sei Angst während des Versuchs auszuschließen.
  • Affen und Wasser: Einen dauerhaften Flüssigkeitsentzug gebe es nicht. Die Tiere würden täglich gewogen und bekämen je nach Gewicht mindestens 120 bis 150 ml Wasser, dazu Obst, Gemüse und Trockenfutter nach Belieben. Was sie beim Lernen nicht erarbeiten, bekämen sie später aus der Flasche. Nach Angaben der Forscher zeigten sie keine Anzeichen von Stress.
  • Ethik: Die Abwägung treffe die zuständige Landesbehörde im Genehmigungsverfahren nach § 7 Tierschutzgesetz, beraten von einer Kommission mit Fachleuten und Vertretern von Tierschutzorganisationen. Hier sei die Genehmigung im Einklang mit dem Votum dieses Gremiums erteilt worden. An einem sorgfältigen Verfahren zu zweifeln, sah die Regierung keinen Anlass.
  • Warum Affen? Die Katzenversuche hätten zur Hypothese geführt, dass das Gehirn Wahrnehmung über die Synchronisation von Nervenzellen bündelt. Um Sinnesreiz, Hirnaktivität und Wahrnehmung in Beziehung zu setzen, brauche es nun wache, entsprechend trainierte Tiere. Den Verdacht der Fragesteller, die Katzenversuche seien wertlos gewesen, teilte die Regierung nicht und verwies auf Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.
  • Informatik und Militär: Es handle sich um Grundlagenforschung. Dass Ergebnisse auch in die Militärtechnik eingehen, sei wie bei aller Grundlagenforschung „nicht auszuschließen“. Die Arbeitsgruppe betone aber ihre kritische Haltung dazu.
  • Andere Labore: Ähnliche Versuche liefen auch an anderen Forschungseinrichtungen in Deutschland.
  • Weiter fördern? Es brauche strengste ethische Maßstäbe, doch in die seit über 40 Jahren geübte Begutachtung durch die DFG habe die Regierung „volles Vertrauen“.

Späterer Stand

Seit Mai 2002 steht der Tierschutz als Staatsziel in Artikel 20a des Grundgesetzes (Wikipedia: Tierschutzgesetz). Die EU-Richtlinie 2010/63/EU teilt Tierversuche nach ihrer Belastung in Schweregrade ein und erlaubt Versuche an nichtmenschlichen Primaten nur noch mit Ausnahmen. In Deutschland wurde sie mit der Novelle des Tierschutzgesetzes 2013 umgesetzt (Wikipedia: Tierversuch).

Einordnung

Tierversuche waren öfter Thema im Bundestag, etwa bei Versuchstieren der Bundeswehr und beim Botox-Test an Mäusen. Um Affen in Menschenobhut ging es nach dem Brand im Krefelder Affenhaus.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.