Architekturbiennale 1991: Tessenow im Pavillon, junge Architekten im Keller

Die 5. Architekturbiennale in Venedig lief vom 6. September bis 6. Oktober 1991, und Deutschlands Auftritt kam schlecht an. Abgeordnete um Peter Conradi fragten im Dezember 1991 nach (Kleine Anfrage, Drucksache 12/1870). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Staatsministerin Ursula Seiler-Albring aus dem Auswärtigen Amt schickte die Antwort (Drucksache 12/2049) am 5. Februar 1992.

Die Kritik

Laut den Fragestellern waren über 80 Nationen in Venedig, die meisten zeigten stolz ihre Architektur. Die Bundesregierung habe die Einladung erst nicht beantwortet und nach drei Monaten abgelehnt. Erst nach vielen Interventionen habe sie „völlig unzureichende“ Mittel bereitgestellt und den Bund Deutscher Architekten (BDA) beauftragt. In sieben Wochen sei ein Beitrag entstanden, den die Fachwelt eine Blamage genannt habe. Im deutschen Pavillon lief eine Ausstellung über Heinrich Tessenow, der 1950 gestorben war, die Gegenwart landete laut der Anfrage mit Diaschau und Schautafeln im Keller des italienischen Pavillons.

Die Antwort

  • Die Verspätung: Dafür gab es „mehrere Gründe“: die Aufgaben der deutschen Einheit, ein Grundsatzprogramm erst ab November 1990, ein mehrfach verschobener Termin und lange ungesicherte Finanzierung. Mit dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt und dem BDA sei es dann gelungen.
  • Tessenow: Gezeigt worden seien Tessenows Werk und eine BDA-Ausstellung junger Architekten, also Geschichte und Gegenwart. Verantwortlich war der Direktor des Architekturmuseums, Vittorio Lampugnani. Dass die jungen Architekten nicht in den Pavillon passten, sei „bedauerlich“ gewesen, schon die Tessenow-Schau habe verkleinert werden müssen. Tessenow sei ein wichtiger Vertreter des Wohnungsbaus, auch für sozial Schwache, sein Werk sei aber „teilweise ideologisch vergangenheitsbelastet“. Künftig wolle die Regierung stärker auf Gegenwartsarchitektur setzen.
  • Der Keller: Gezeigt wurden 21 junge Architekten aus Berlin, Darmstadt, Frankfurt und Köln, dazu fünf Porträts namhafter Architekten und eine Tonbildschau. Die Unterbringung sei „nicht ideal“ gewesen, das Gastrecht der Italiener aber eine positive Erfahrung.
  • Niemand zur Eröffnung? Doch: Baustaatssekretär Gerhard von Loewenich, der Generalkonsul in Mailand und der Kulturreferent der Botschaft in Rom.
  • Der Pavillon: Er sei 1938 erbaut, Ausdruck „ideologisch ausgerichteter“ Repräsentation und eine „durchaus problematische historische Erbschaft“. Die Regierung stelle Überlegungen an, Änderungen gingen aber nur im Einvernehmen mit Italien.

Eine kleine Korrektur: Laut Wikipedia entstand der Pavillon schon 1909 als Bayerischer Pavillon und wurde 1938 von den Nationalsozialisten umgebaut (Wikipedia: Biennale di Venezia). Die Antwort meint offenbar diesen Umbau.

Späterer Stand

Der Pavillon steht bis heute, die Abrisspläne wurden verworfen. Künstler arbeiten sich seitdem an ihm ab: 1993 bekam Hans Haacke für seine Installation „Germania“, die sich auf die Geschichte des Pavillons bezog, zusammen mit Nam June Paik den Goldenen Löwen (Wikipedia: Hans Haacke). Beim Architekturbeitrag „Making Heimat“ 2016 wurden vier große Öffnungen in die Wände des Pavillons geschlagen (Wikipedia: Biennale di Venezia).

Einordnung

Auswärtige Kulturpolitik und Kunst in Bundesverantwortung tauchen auch hier auf: beim Haus der Kulturen der Welt und bei der East Side Gallery.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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