Ende 1970 machte die Meldung die Runde, dass zahlreiche deutsche Schulen in Südafrika schließen müssten, weil Bonn kein Geld mehr gebe. Ein Abgeordneter fragte nach (Kleine Anfrage, Drucksache 06/1527). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage durch den Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Auswärtigen mit Schreiben vom 18. Dezember 1970 (Antwort (Drucksache 06/1657)).
Was die Fragesteller wissen wollten
Der Fragesteller wollte wissen, ob etwa 30 deutsche Schulen in Südafrika zum Ende des Schuljahrs im Dezember 1970 geschlossen würden, darunter nach seinen Angaben die seit 86 Jahren bestehende Deutsche Schule Philippi-Vlakte am Kap. Er fragte nach den Gründen, nach den „einschneidenden Maßnahmen“, von denen ein Brief der Schulleitung an die Eltern sprach, ob fehlende Bundeszuschüsse der Grund seien und ob die Regierung Schulen und angeschlossene Kindergärten erhalten wolle.
Was die Regierung antwortete
- Nur ein Fall: Von 30 Schließungen sei nicht die Rede. In Südafrika gebe es überhaupt nur 10 vom Bund geförderte deutsche Schulen. Nur eine davon, die Schule in Philippi-Vlakte, stelle zum Jahresende den Betrieb ein.
- Träger: Die Schulen seien keine Bundesschulen, Träger sei jeweils ein Schulverein nach dem Recht des Gastlandes. Er entscheide über eine Schließung, wobei gekürzte Förderung mitentscheidend sein könne.
- Philippi-Vlakte: Die Schule hatte 63 Schüler, vier deutschsprachige Ortskräfte, eine fremdsprachige Lehrkraft und einen Kindergarten mit 25 Kindern. Sie erhielt 1970 eine Beihilfe von 43 000 DM und beantragte für 1971 64 000 DM. Bei einer Inspektion im Frühjahr 1970 hätten sich Schwierigkeiten gezeigt, ein Lehrprogramm nach deutschen Vorstellungen umzusetzen. Die Antwort führte das auf die unterschiedliche sprachliche Herkunft der Schüler und eine, wie es dort heißt, „zunehmende Afrikanisierung“ zurück.
- Kürzung: Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen habe die Schule am 14. Juli 1970 informiert, dass sie wegen knapper Mittel nicht mehr mit Beihilfen in bisheriger Höhe rechnen könne. Am 28. August 1970 habe die Schule den Eltern die Schließung angekündigt.
- Gemeinde: Die Gemeinde bestehe aus Bauernfamilien, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert aus der Lüneburger Heide ausgewandert seien. Kleinere Familien, wirtschaftliche Probleme, Landflucht und Ehen mit Nichtdeutschstämmigen führten zu einer langsamen Auflösung der deutschstämmigen Gemeinde.
- Förderung: Bei 250 geförderten Schulen weltweit müssten Aufwand und kulturpolitischer Effekt in vertretbarem Verhältnis stehen. Die Regierung wolle die Schulen in Südafrika grundsätzlich weiter fördern, aber nicht jede um jeden Preis halten. Außer Philippi habe nur eine weitere der 10 Schulen einen Kindergarten. Kindergärten würden nur gefördert, wenn sie Deutsch als Fremdsprache unterrichten.
Nach eigener Rechnung entsprach die Beihilfe von 1970 rund 680 DM je Schüler (43 000 DM für 63 Schüler). Die Zahl von 30 Schulen und das Alter der Schule von 86 Jahren stammen aus der Anfrage, die Antwort bestätigt beides nicht.
Späterer Stand
Laut Wikipedia ist Philippi heute einer der größten Townships von Kapstadt mit 2011 rund 200 600 Einwohnern. Im Südwesten liegt das landwirtschaftlich genutzte Philippi-Farmland, an die Einwanderer erinnert eine ehemalige deutsche lutherische Kirche mit einem kleinen Museum.
Weitere Kleine Anfragen mit Antworten der Bundesregierung gibt es in der Übersicht auf severint.net, etwa zur Konsularhilfe für Deutsche im Ausland oder zu den Gastgeschenken der Bundesregierung.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 06/1527
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 06/1657, Schreiben vom 18. Dezember 1970
- Philippi (Kapstadt) (Wikipedia)
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
