Gedicht: Von bösen und guten Freunden

Das habe ich gemacht von bösen und guten Freunden:

Wer in der Noth vom Freunde weicht,
Und seinen Freund entbehret leicht;
Wer nicht im Herzen dessen liest,
Der ein recht treuer Freund ihm ist,
Und wer allzeit Recht haben möcht‘,
Des Freundes Wohl besorget schlecht;
Mit jedermann im Streite steht
Und wie gehörnt stets d’rauf losgeht:
Der ist ein eigenmächtiger Mann,
Dem niemand besteh’n und Recht thun kann.
Denn wer begehrt stets krumme Rücken,
Und dass man sich vor ihm soll bücken:
Solch‘ einen ist es besser zu meiden,
Als nur Betrübniss von ihm leiden.

Denn wer ein guter Freund dir ist,
Der übt an dir nie arge List,
Dass er dir nichts zum Uebel kehrt,
Doch Böses allzeit dir abwehrt;
Dich nimmer auch verlasst in Noth,
Einsteht für dich, wenn Gefahr dir droht;
Der jederzeit auch Mitleid trägt,
Wenn du von Trauer bist bewegt,
Und nie geringer achtet dich,
Als selbst er pflegt zu schätzen sich:

Solch einen Freund halt‘ hoch in Ehren,
Lass‘ dich durch nichts von ihm abkehren.
Und keinen Freund sollst merken lassen,
Du woll’st dich nimmer mit ihm befassen.

Dieses Gedicht wurde von Albrecht Dürer geschrieben.

 

Wetterregel zum 21. Mai

Hier finden Sie eine Bauernregel bzw. Wetterregel zum 21. Mai:

Viel Gewitter im Mai, singt der Bauer Juchei.

Mehr bei unserer Übersicht der Wetterregeln. Vielleicht interessieren Sie sich auch für die 10 Fakten zum 21. Mai.

Köpfe: Oliver E. Williamson

Oliver E. Williamson wurde am 27. September 1932 in Superior im US-Bundesstaat Wisconsin geboren und starb am 21. Mai 2020 in Oakland in Kalifornien im Alter von 87 Jahren. Der amerikanische Ökonom erhielt 2009 gemeinsam mit Elinor Ostrom den sogenannten Wirtschaftsnobelpreis. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte ihn für seine Analyse wirtschaftlichen Handelns, insbesondere der Grenzen von Unternehmen. Williamson gilt als einer der Begründer der Neuen Institutionenökonomik und als prägender Kopf der Transaktionskostenökonomik. Er beschäftigte sich mit einer scheinbar einfachen Frage, die die klassische Wirtschaftstheorie lange vernachlässigt hatte: Warum werden manche wirtschaftlichen Tätigkeiten über Märkte abgewickelt, während andere innerhalb von Unternehmen organisiert werden? Seine Antworten veränderten nicht nur die Ökonomie, sondern auch die Betriebswirtschaftslehre, die Rechtswissenschaft und die Organisationsforschung.

Herkunft und Ausbildung

Oliver Eaton Williamson war das zweite Kind von Scott und Lucille Williamson. Beide Eltern hatten als Lehrer an einer Highschool gearbeitet. Der Vater gab den Beruf jedoch nach der Heirat auf und stieg in das Immobiliengeschäft der Familie ein, das sein Schwiegervater führte. Er wurde ein erfolgreicher Kleinunternehmer und engagierte sich stark in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt, wo er schließlich neun Jahre lang den Stadtrat von Superior leitete. Die Mutter, die zuvor eine kleine Highschool in Minnesota geleitet hatte, musste nach den damaligen Regeln für verheiratete Frauen den Schuldienst verlassen. Ihr Wissen blieb nach Williamsons eigener Erinnerung dennoch bemerkenswert lebendig, und sie förderte die schulischen Interessen ihrer Kinder.

Williamson besuchte die Superior Central High School und blieb seinem Abschlussjahrgang von 1950 ein Leben lang eng verbunden. Anschließend studierte er am Massachusetts Institute of Technology, wo er 1955 einen Bachelor-Abschluss in Management erwarb. Nach einigen Jahren in der beruflichen Praxis ging er an die Stanford University. Dort wandte er sich der Ökonomie zu und schloss 1960 mit einem MBA ab. Seine Promotion in Volkswirtschaftslehre folgte 1963 am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh, der heutigen Carnegie Mellon University.

Prägung in Pittsburgh

Das Carnegie Institute of Technology war um 1960 einer der anregendsten Orte für die Wirtschafts- und Organisationswissenschaften. Dort lehrten und forschten unter anderem Herbert A. Simon, der später selbst den Preis erhielt, sowie Richard Cyert und James March, die eine verhaltenswissenschaftliche Theorie des Unternehmens entwickelten. Von Simon übernahm Williamson die Idee der begrenzten Rationalität: Menschen wollen zwar rational handeln, können aber nicht alle Informationen verarbeiten und nicht alle künftigen Entwicklungen vorhersehen. Diese Annahme wurde später zu einem Grundpfeiler seiner eigenen Theorie. In Pittsburgh lernte Williamson außerdem, Probleme fächerübergreifend zu betrachten und Ökonomie, Organisationstheorie und Recht miteinander zu verbinden.

Akademische Laufbahn

Nach der Promotion begann Williamson seine Lehrtätigkeit als Assistant Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of California in Berkeley. 1965 wechselte er an die University of Pennsylvania in Philadelphia, wo er fast zwei Jahrzehnte lehrte und verschiedene leitende Aufgaben übernahm. In diese Zeit fiel auch eine Tätigkeit als Sonderberater in der Kartellabteilung des US-Justizministeriums, die seinen Blick für die praktische Bedeutung von Verträgen und Unternehmensstrukturen schärfte. 1983 ging er an die Yale University. 1988 kehrte er nach Berkeley zurück, wo er Professuren an der Haas School of Business, im Fachbereich Volkswirtschaftslehre und an der juristischen Fakultät innehatte. Diese dreifache Anbindung spiegelte den interdisziplinären Charakter seines Werks wider. 2004 zog er sich aus der Lehre zurück, blieb der Universität jedoch als emeritierter Professor verbunden.

Offiziell trägt die Auszeichnung den Namen „Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel“. Die schwedische Zentralbank, die Sveriges Riksbank, stiftete ihn 1968 anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens; vergeben wird er seit 1969. Er geht nicht auf das Testament Alfred Nobels zurück und ist deshalb streng genommen kein Nobelpreis, auch wenn ihn die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften nach denselben Grundsätzen vergibt und er gemeinsam mit den Nobelpreisen in Stockholm überreicht wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich daher die Bezeichnung „sogenannter Wirtschaftsnobelpreis“ eingebürgert.

Die Transaktionskostenökonomik

Ausgangspunkt von Williamsons Werk war ein Aufsatz des britischen Ökonomen Ronald Coase aus dem Jahr 1937. Coase hatte gefragt, warum es überhaupt Unternehmen gibt, wenn Märkte doch angeblich so effizient sind. Seine Antwort lautete, dass die Nutzung des Marktes Kosten verursacht, etwa für die Suche nach Vertragspartnern, für Verhandlungen und für die Durchsetzung von Verträgen. Diese Idee blieb jedoch jahrzehntelang weitgehend folgenlos, weil sie sich schwer in überprüfbare Aussagen übersetzen ließ. Williamson machte daraus ein ausgearbeitetes Forschungsprogramm.

Er ging von zwei Verhaltensannahmen aus. Erstens sind Menschen begrenzt rational, weshalb jeder Vertrag zwangsläufig unvollständig bleibt. Zweitens handeln Menschen zumindest gelegentlich opportunistisch, das heißt, sie verfolgen ihre Eigeninteressen auch mit List und unter Ausnutzung von Lücken in Vereinbarungen. Daraus folgt, dass Vertragsbeziehungen störanfällig sind, sobald sich nach Vertragsschluss unvorhergesehene Situationen ergeben.

Besonders wichtig wurde der Begriff der Faktorspezifität. Wenn ein Zulieferer eine Maschine anschafft, die nur für einen bestimmten Kunden nützlich ist, oder wenn ein Mitarbeiter Wissen erwirbt, das nur in einem Unternehmen etwas wert ist, entsteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Jede Seite kann dann versuchen, die andere nachträglich unter Druck zu setzen und die Bedingungen neu zu verhandeln. Je höher solche spezifischen Investitionen sind, desto attraktiver wird es nach Williamson, die Transaktion nicht über den Markt abzuwickeln, sondern innerhalb eines Unternehmens zu organisieren, wo Konflikte durch Anweisung und interne Verfahren gelöst werden können. Neben der Spezifität spielen auch die Unsicherheit und die Häufigkeit einer Transaktion eine Rolle bei der Wahl der geeigneten Organisationsform.

Williamson verglich daher Markt, Hierarchie und Mischformen wie langfristige Lieferverträge oder Kooperationen als alternative „Governance-Strukturen“. Keine dieser Formen ist grundsätzlich überlegen. Märkte bieten starke Anreize und Flexibilität, Unternehmen dagegen bessere Möglichkeiten zur Anpassung und Konfliktlösung, allerdings um den Preis von Bürokratie und schwächeren Anreizen. Die Kunst besteht darin, für jede Art von Transaktion die passende Struktur zu finden.

Wichtige Werke

Seine Ideen legte Williamson vor allem in zwei Büchern dar. „Markets and Hierarchies“ erschien 1975 und begründete das Forschungsfeld. „The Economic Institutions of Capitalism“ folgte 1985 und gilt als sein Hauptwerk. Später fasste er seine Überlegungen unter anderem in „The Mechanisms of Governance“ von 1996 zusammen. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze, in denen er seine Theorie auf Fragen des Wettbewerbsrechts, der Unternehmensfinanzierung, der Regulierung und der öffentlichen Verwaltung anwandte. Viele empirische Studien anderer Forscher bestätigten später, dass Unternehmen tatsächlich eher selbst produzieren, wenn spezifische Investitionen eine große Rolle spielen.

Bedeutung für Wettbewerbspolitik und Praxis

Williamsons Arbeiten hatten erheblichen Einfluss auf das Wettbewerbsrecht. Lange Zeit galten vertikale Zusammenschlüsse und ungewöhnliche Vertragsklauseln in den Vereinigten Staaten häufig als Versuch, Wettbewerb zu beschränken. Williamson zeigte, dass solche Gestaltungen oft einen legitimen Zweck haben, weil sie Transaktionskosten senken und Investitionen absichern. Diese Sichtweise trug dazu bei, dass Kartellbehörden und Gerichte Unternehmenszusammenschlüsse und Verträge differenzierter beurteilten. Auch in der Betriebswirtschaftslehre wurde seine Theorie zu einem Standardwerkzeug, etwa bei Entscheidungen darüber, ob ein Unternehmen Leistungen selbst erbringt oder auslagert.

Der Preis 2009

Die Akademie teilte den Preis 2009 zwischen Williamson und der Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom. Beide hatten sich, auf unterschiedliche Weise, mit wirtschaftlicher Steuerung jenseits des reinen Marktes befasst. Während Ostrom zeigte, wie Gemeinschaften gemeinsam genutzte Ressourcen selbst verwalten, erklärte Williamson, warum Unternehmen als Alternative zum Markt existieren und wo ihre Grenzen liegen. Die gemeinsame Auszeichnung wurde vielfach als Anerkennung der Institutionenökonomik insgesamt verstanden, die damit endgültig in den Kern des Fachs gerückt war.

Persönlichkeit und Ehrungen

Bei Freunden, Kollegen und Studierenden hieß Williamson nur „Olly“. Er galt als bescheidener, zugewandter Lehrer, der viele Doktorandinnen und Doktoranden förderte. Er war Mitglied der National Academy of Sciences und der American Academy of Arts and Sciences und erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden von Universitäten in aller Welt. In seinen letzten Lebensjahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Nach einer Lungenentzündung Anfang 2020 starb er im Mai desselben Jahres in einer Pflegeeinrichtung in Oakland.

Nachwirkung

Die Transaktionskostenökonomik ist heute fester Bestandteil der Lehrbücher. Begriffe wie Faktorspezifität, Opportunismus oder Governance-Struktur werden in der Volkswirtschaftslehre ebenso verwendet wie in der Organisationsforschung, im Vertragsrecht und in der Managementlehre. Williamson hat gezeigt, dass die Frage, wie wirtschaftliche Aktivitäten organisiert werden, ebenso wichtig ist wie die Frage nach Preisen und Mengen. Damit hat er die Ökonomie um eine Perspektive bereichert, die das Unternehmen nicht mehr als schwarze Kiste behandelt, sondern als Institution mit eigener Logik.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: James Franck

James Franck gehört zu den wenigen Physikern, deren Name gleichermaßen für ein Grundlagenexperiment und für eine mutige moralische Haltung steht. Mit dem Franck-Hertz-Versuch lieferte er einen der ersten direkten Belege dafür, dass Atome Energie nur in festen Portionen aufnehmen. 1933 trat er aus Protest gegen die antisemitische Politik der Nationalsozialisten öffentlich von seinem Göttinger Lehrstuhl zurück, und 1945 warnte er in den USA vor dem Einsatz der Atombombe gegen Japan. Franck wurde am 26. August 1882 in Hamburg geboren und starb am 21. Mai 1964 während eines Besuchs in Göttingen. 1925 erhielt er gemeinsam mit Gustav Hertz den Nobelpreis für Physik.

Herkunft und Ausbildung

Franck stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Hamburger Bankiersfamilie. Der Vater hoffte, dass der Sohn in das Geschäft einsteigen würde, doch James interessierte sich für Naturwissenschaften. Er studierte zunächst in Heidelberg, wo er Max Born kennenlernte, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, und dann in Berlin. Dort wurde er 1906 bei Emil Warburg promoviert. In Berlin gehörte er bald zum Kreis um Max Planck und Albert Einstein und begann, sich mit der Frage zu beschäftigen, was geschieht, wenn Elektronen auf Atome treffen.

Das Problem: Ist die Energie im Atom gequantelt?

1913 hatte Niels Bohr ein Atommodell vorgestellt, nach dem Elektronen in Atomen nur bestimmte Energiezustände einnehmen können. Ein Atom kann demnach nicht beliebig viel Energie aufnehmen, sondern nur genau die Beträge, die den Sprüngen zwischen diesen Zuständen entsprechen. Das Modell erklärte zwar die Farben des Lichts, das Wasserstoff aussendet. Ein direkter Beweis, dass die inneren Energiezustände von Atomen tatsächlich gestuft sind, stand aber aus.

Der Franck-Hertz-Versuch

1914 führten Franck und sein Kollege Gustav Hertz in Berlin ein Experiment mit Quecksilberdampf durch. In einer Röhre beschleunigten sie Elektronen mit einer elektrischen Spannung durch den Dampf zu einer Auffangelektrode und maßen den Strom. Bei steigender Spannung nahm der Strom zunächst zu. Bei etwa 4,9 Volt brach er jedoch plötzlich ein, stieg dann wieder an und brach bei der doppelten Spannung erneut ein.

Die Deutung: Solange die Elektronen zu wenig Energie haben, prallen sie an den Quecksilberatomen ab wie Billardkugeln, ohne Energie zu verlieren. Erreichen sie aber genau 4,9 Elektronenvolt, können sie diese Energie an ein Atom abgeben, das dadurch in einen angeregten Zustand gehoben wird. Die Elektronen sind danach zu langsam, um die Auffangelektrode zu erreichen. Das angeregte Quecksilberatom gibt die Energie wenig später als ultraviolettes Licht genau der passenden Wellenlänge wieder ab. Damit war gezeigt, dass Atome Energie nur in festen Portionen aufnehmen.

Franck und Hertz selbst deuteten ihre Messung zunächst anders. Sie glaubten, die Ionisierungsenergie des Quecksilbers bestimmt zu haben, also die Energie, die nötig ist, um ein Elektron ganz herauszuschlagen. Erst Bohr und andere erkannten, dass das Experiment eine Anregung des Atoms zeigte und damit sein Modell stützte. Franck räumte später offen ein, dass sie Bohrs Arbeit zunächst nicht in ihrer Bedeutung erkannt hatten.

Der Nobelpreis 1925

Die Akademie verlieh den Nobelpreis für Physik 1925, der erst 1926 bekannt gegeben wurde, gemeinsam an James Franck und Gustav Hertz, sinngemäß für die Entdeckung der Gesetze, die den Stoß eines Elektrons auf ein Atom bestimmen.

Krieg und Göttinger Jahre

Im Ersten Weltkrieg diente Franck als Soldat und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er gehörte zu der Einheit unter Fritz Haber, die den Einsatz von Giftgas vorbereitete, eine Episode, die in seiner Biografie oft unerwähnt bleibt. 1920 wurde er Professor in Göttingen, wo zur gleichen Zeit Max Born die theoretische Physik leitete. Gemeinsam machten sie die Stadt in den 1920er-Jahren zu einem der wichtigsten Zentren der Quantenphysik. Aus Francks Arbeiten über Molekülspektren entstand das Franck-Condon-Prinzip, das bis heute erklärt, warum Moleküle bestimmte Lichtfarben bevorzugt aufnehmen und abgeben.

Der Rücktritt von 1933

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden jüdische Beamte aus dem Staatsdienst gedrängt. Franck war als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs zunächst von den Entlassungen ausgenommen. Er weigerte sich jedoch, diese Ausnahme anzunehmen, während Kollegen und Mitarbeiter ihre Stellen verloren. Im April 1933 trat er von seinem Lehrstuhl zurück und begründete den Schritt in einer Erklärung, die in Zeitungen abgedruckt wurde. Darin schrieb er sinngemäß, dass Deutsche jüdischer Abstammung als Fremde und Feinde des Vaterlandes behandelt würden, und dass er dies nicht hinnehmen könne. Es war einer der wenigen offenen Proteste eines bekannten deutschen Wissenschaftlers. Eine Gruppe Göttinger Professoren verurteilte seinen Schritt daraufhin öffentlich als Sabotage.

Franck emigrierte über Kopenhagen, wo er bei Bohr arbeitete, in die USA. Nach einer Zeit an der Johns Hopkins University in Baltimore wurde er 1938 Professor für physikalische Chemie an der University of Chicago. Dort widmete er sich vor allem der Erforschung der Fotosynthese, also der Frage, wie Pflanzen mithilfe von Licht Energie speichern.

Die versteckte Medaille

Eine bekannte Episode betrifft Francks Nobelmedaille. Er hatte sie, wie auch Max von Laue, am Institut von Niels Bohr in Kopenhagen in Verwahrung gegeben. Als deutsche Truppen 1940 Dänemark besetzten, löste der Chemiker George de Hevesy beide Medaillen in Königswasser auf, einer Mischung aus Säuren, die Gold zersetzt. Die Flasche mit der unauffälligen Flüssigkeit blieb im Labor stehen und überstand den Krieg unentdeckt. Danach wurde das Gold zurückgewonnen, und die Nobelstiftung ließ aus ihm neue Medaillen prägen.

Der Franck-Report

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Franck im Metallurgischen Laboratorium in Chicago, einem Teil des Manhattan-Projekts zum Bau der Atombombe. Im Juni 1945, als die Bombe kurz vor der Fertigstellung stand, leitete er einen Ausschuss von Wissenschaftlern, der einen Bericht an das Kriegsministerium verfasste. Dieser Franck-Report empfahl, die Bombe nicht ohne Vorwarnung gegen japanische Städte einzusetzen, sondern ihre Wirkung zunächst vor Vertretern der Vereinten Nationen in einer unbewohnten Gegend vorzuführen. Die Autoren warnten zudem vor einem atomaren Wettrüsten und forderten eine internationale Kontrolle. Der Bericht blieb ohne Einfluss auf die Entscheidung. Im August 1945 wurden Hiroshima und Nagasaki zerstört.

Würdigung und Widersprüche

Francks Lebensweg ist nicht frei von Widersprüchen. Derselbe Mann, der 1945 vor dem Einsatz der Atombombe gegen Menschen warnte, hatte drei Jahrzehnte zuvor an der Vorbereitung des Gaskriegs mitgewirkt. Franck selbst sprach später selten darüber. Ob seine Haltung von 1933 und 1945 auch eine Lehre aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs war, lässt sich nur vermuten. Wissenschaftlich bleibt der Franck-Hertz-Versuch ein Klassiker, der bis heute in Praktika an Universitäten und Schulen nachgestellt wird, weil er die Quantelung der Energie im Atom so anschaulich zeigt wie kaum ein anderes Experiment.

Späte Jahre

Nach dem Krieg kehrte Franck mehrfach nach Deutschland zurück und versöhnte sich mit seiner früheren Universität. Göttingen ernannte ihn 1953 zum Ehrenbürger. Bei einem Besuch dort starb er im Mai 1964 im Alter von 81 Jahren. Kollegen beschrieben ihn als warmherzigen, bescheidenen Menschen, der seine Mitarbeiter förderte und Verantwortung über persönliche Vorteile stellte. Zu seinen Schülern in Göttingen gehörte die Physikerin Hertha Sponer, die er 1946 in zweiter Ehe heiratete.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: Jane Addams

Jane Addams war eine amerikanische Sozialreformerin, Friedensaktivistin und Schriftstellerin, die 1931 als erste US-Amerikanerin den Friedensnobelpreis erhielt. Geboren am 6. September 1860 in Cedarville im Bundesstaat Illinois, gründete sie in Chicago das Hull House, eines der bekanntesten Nachbarschaftszentren der Welt, und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen der sozialen Reformbewegung in den USA. Im Ersten Weltkrieg setzte sie sich für einen Verhandlungsfrieden ein und wurde erste Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Den Nobelpreis teilte sie mit Nicholas Murray Butler. Ihr Lebenswerk zeigt, wie eng soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden miteinander verbunden sein können.

Kindheit und Ausbildung

Addams wuchs als Tochter eines wohlhabenden Mühlenbesitzers und Politikers auf, der mit Abraham Lincoln bekannt war und dem Senat des Bundesstaats Illinois angehörte. Ihre Mutter starb, als Jane zwei Jahre alt war. Der Vater prägte sie stark mit seinen Vorstellungen von Pflicht, Ehrlichkeit und öffentlichem Engagement. Als Kind litt Addams an einer Erkrankung der Wirbelsäule, die sie körperlich beeinträchtigte.

Sie besuchte das Rockford Female Seminary in Illinois, eine der wenigen höheren Bildungseinrichtungen für Frauen in jener Zeit, und schloss es als Jahrgangsbeste ab. Danach begann sie ein Medizinstudium in Philadelphia, brach es aber aus gesundheitlichen Gründen ab. Es folgten Jahre der Unsicherheit, in denen Addams nach einer sinnvollen Aufgabe suchte. Auf Reisen durch Europa sah sie die Armut in den Industriestädten und besuchte 1888 Toynbee Hall in London, ein Projekt, bei dem gebildete junge Menschen in einem Armenviertel lebten und mit den Bewohnern zusammenarbeiteten. Diese Idee begeisterte sie.

Hull House in Chicago

1889 eröffnete Addams gemeinsam mit ihrer Freundin Ellen Gates Starr das Hull House in einem armen Einwandererviertel von Chicago. Das Haus bot Kurse, Kinderbetreuung, Bibliothek, Kunst- und Musikangebote, Sporteinrichtungen und Beratung. Es wurde zu einem Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkamen, darunter Einwanderer aus Italien, Deutschland, Griechenland, Polen, Russland und vielen anderen Ländern. Hull House wuchs zu einem Komplex aus zahlreichen Gebäuden heran und wurde Vorbild für viele ähnliche Einrichtungen in den USA.

Addams verstand Hull House nicht als Wohltätigkeit von oben, sondern als gemeinsames Lernen. Die Bewohnerinnen des Hauses, viele davon gebildete junge Frauen, forschten über die Lebensbedingungen im Viertel und setzten sich für politische Reformen ein. Aus dieser Arbeit entstanden Initiativen für Kinderschutz, für Arbeitsschutz, für sichere Wohnungen, für Jugendgerichte und für bessere öffentliche Einrichtungen. Addams und ihre Mitstreiterinnen trugen dazu bei, dass in Illinois Gesetze gegen Kinderarbeit und für den Schutz von Arbeiterinnen verabschiedet wurden.

Addams war zugleich eine bedeutende Autorin. In Büchern wie „Twenty Years at Hull-House“ beschrieb sie ihre Erfahrungen, in anderen Schriften setzte sie sich mit Demokratie, Ethik und den Ursachen von Krieg auseinander. Sie gilt heute auch als wichtige Vertreterin des amerikanischen Pragmatismus und als Pionierin der Sozialarbeit und Soziologie.

Politisches Engagement

Addams engagierte sich für das Frauenwahlrecht und war in der Bewegung für die politische Gleichberechtigung der Frauen aktiv. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bürgerrechtsorganisation NAACP und unterstützte die Arbeit gegen Rassendiskriminierung. 1912 unterstützte sie die Progressive Partei von Theodore Roosevelt und hielt auf deren Parteitag eine Rede, was für eine Frau damals außergewöhnlich war.

Friedensarbeit im Ersten Weltkrieg

Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte Addams sich mit Fragen des Friedens beschäftigt. In ihrem Buch „Newer Ideals of Peace“ argumentierte sie, dass das Zusammenleben vieler Nationalitäten in amerikanischen Städten zeige, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammenarbeiten können. Als 1914 der Krieg ausbrach, wurde sie zu einer der führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Friedensbewegung. 1915 war sie Mitbegründerin der Woman’s Peace Party in den USA.

Im selben Jahr leitete Addams den Internationalen Frauenkongress in Den Haag, an dem über tausend Frauen aus kriegführenden und neutralen Ländern teilnahmen. Der Kongress forderte einen Verhandlungsfrieden und entwickelte Vorschläge für eine künftige internationale Ordnung. Delegationen, zu denen Addams gehörte, reisten anschließend in mehrere europäische Hauptstädte, um Regierungen für eine Vermittlung zu gewinnen. Aus diesem Kongress ging die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit hervor, deren erste Präsidentin Addams 1919 wurde.

Als die USA 1917 in den Krieg eintraten, blieb Addams bei ihrer pazifistischen Haltung. Das brachte ihr heftige Anfeindungen ein. Zeitungen griffen sie an, sie wurde als unpatriotisch beschimpft, und manche bezeichneten sie als die gefährlichste Frau Amerikas. Addams setzte sich dennoch weiter für Frieden ein und engagierte sich für die Versorgung hungernder Menschen in Europa, auch in den Ländern der Kriegsgegner.

Der Friedensnobelpreis 1931

1931 erhielt Addams den Friedensnobelpreis gemeinsam mit Nicholas Murray Butler, dem Präsidenten der Columbia University und Leiter der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden. Das Nobelkomitee würdigte die beiden sinngemäß für ihre lange Arbeit für die Friedensidee und die Verständigung zwischen den Völkern. Addams war nach Bertha von Suttner erst die zweite Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt. Sie war zu dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen und konnte nicht nach Oslo reisen. Ihren Anteil am Preisgeld spendete sie der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.

Die Auszeichnung bedeutete auch eine Rehabilitierung. Die Frau, die im Krieg als Verräterin geschmäht worden war, galt nun international als Vorbild. In den USA hatte sich die Stimmung gewandelt, und viele erkannten an, dass Addams’ Kritik am Krieg vorausschauend gewesen war.

Frieden als soziale Aufgabe

Addams entwickelte eine eigene Vorstellung von Frieden, die sich von der Diplomatie der Regierungen unterschied. Sie sprach von einem aktiven, schöpferischen Frieden, der aus der täglichen Zusammenarbeit von Menschen entstehe. Die Erfahrung in Hull House hatte ihr gezeigt, dass Menschen, die einander als Nachbarn kennenlernen, Vorurteile überwinden können. Sie war überzeugt, dass die Bedürfnisse der einfachen Menschen, nach Nahrung, Arbeit, Sicherheit und Bildung, über Grenzen hinweg ähnlich seien und eine Grundlage für internationale Solidarität bilden könnten.

In ihrem Buch über Frieden und Brot in Kriegszeiten beschrieb sie, wie Hunger und Not Kriege verlängerten und wie Hilfe für Notleidende Brücken zwischen verfeindeten Nationen bauen könne. Sie kritisierte zugleich die Vorstellung, dass Krieg Tugenden wie Mut und Opferbereitschaft hervorbringe, und hielt dem entgegen, dass diese Tugenden im Dienst des Lebens viel sinnvoller eingesetzt werden könnten.

In den 1920er-Jahren reiste Addams viel, besuchte Kongresse der Frauenliga in verschiedenen Ländern und warb für Abrüstung und für die Stärkung internationaler Institutionen. Auch nach dem Ende ihrer Präsidentschaft blieb sie Ehrenpräsidentin der Liga.

Tod und Vermächtnis

Jane Addams starb am 21. Mai 1935 in Chicago. Tausende Menschen nahmen in Hull House Abschied von ihr. Das Haus bestand als soziale Einrichtung noch viele Jahrzehnte weiter; ein Teil der ursprünglichen Gebäude ist heute ein Museum.

Addams’ Bedeutung liegt in der Verbindung verschiedener Anliegen. Sie verstand Frieden nicht nur als Abwesenheit von Krieg, sondern als Ergebnis sozialer Gerechtigkeit, demokratischer Teilhabe und gegenseitigen Verständnisses. Ihre Arbeit in Hull House und in der Frauenfriedensbewegung zeigt, wie sich lokales Engagement und internationale Politik verbinden lassen. Wenn Sie sich mit der Geschichte der Sozialarbeit, des Feminismus oder des Pazifismus beschäftigen, begegnen Sie Jane Addams immer wieder. Ihr Beispiel erinnert daran, dass Friedensarbeit im eigenen Viertel beginnen kann.

Stand: 29.10.2026