Angela Merkel LIII – Ehrendoktorwürde der Universität Bern

Angela Merkel LIII.

Am 5. Dezember 2009 wird Angela Merkel die Ehrendoktorwürde der Universität Bern durch den Senat und die Universitätsleitung bei deren 175. Stiftungsfeier verliehen. Anlass ist ihr Einsatz für das öffentliche Wohl und den Klimaschutz sowie für ihre Verdienste um die europäische Integration, die Pflege des jüdisch-christlichen Dialogs und ihr Engagement für die Anliegen der Frauen.

Karikatur mit Midjourney erstellt. Hier sind mehr Merkel-Darstellungen.

Wetterregel zum 5. Dezember

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Knospen an Sankt Barbara, sind zum Christfest Blüten da.

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Köpfe: Nelson Mandela

Nelson Mandela war ein südafrikanischer Freiheitskämpfer, der 27 Jahre als politischer Gefangener verbrachte und anschließend als erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas zum weltweiten Symbol für Versöhnung wurde. Er wurde am 18. Juli 1918 in Mvezo in der heutigen Provinz Ostkap geboren und starb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg. 1993 erhielt er gemeinsam mit dem damaligen Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit an der friedlichen Beendigung der Apartheid und der Grundlegung eines neuen, demokratischen Südafrikas.

Mandela entstammte einer Familie, die mit dem Königshaus der Thembu verbunden war, einem Teil des Volkes der Xhosa. Sein Geburtsname lautete Rolihlahla. Den englischen Vornamen Nelson erhielt er von einer Lehrerin an der Grundschule, wie es damals üblich war. Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er unter der Obhut des Thembu-Regenten in Mqhekezweni auf. Er besuchte Missionsschulen und studierte an der Universität Fort Hare, einer der wenigen Hochschulen für Schwarze im südlichen Afrika, von der er nach einem Studentenprotest verwiesen wurde. Um einer arrangierten Ehe zu entgehen, floh er 1941 nach Johannesburg.

In Johannesburg arbeitete er zunächst in verschiedenen Tätigkeiten und schloss ein Fernstudium ab. Er lernte Walter Sisulu kennen, der ihm eine Stelle in einer Anwaltskanzlei verschaffte und ihn mit dem Afrikanischen Nationalkongress, dem ANC, in Verbindung brachte. 1944 gehörte Mandela zu den Gründern der Jugendliga des ANC, die einen entschiedeneren Kurs gegen die Rassendiskriminierung forderte. 1952 eröffnete er mit Oliver Tambo die erste von Schwarzen geführte Anwaltskanzlei des Landes.

1948 kam in Südafrika die Nationale Partei an die Macht und baute das System der Apartheid aus. Gesetze legten fest, wo Menschen je nach zugewiesener Hautfarbe wohnen, arbeiten, lernen und heiraten durften. Schwarze Südafrikaner hatten kein Wahlrecht. Mandela war einer der Organisatoren der Defiance Campaign von 1952, einer Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen diskriminierende Gesetze. 1955 verabschiedete ein Volkskongress die Freiheitscharta, die ein nichtrassisches, demokratisches Südafrika forderte. Mandela wurde mit zahlreichen anderen wegen Hochverrats angeklagt; der Prozess endete 1961 mit Freisprüchen.

Ein Wendepunkt war das Massaker von Sharpeville im März 1960, bei dem die Polizei auf Demonstranten schoss und 69 Menschen tötete. Die Regierung verbot daraufhin den ANC. Mandela kam zu der Überzeugung, dass gewaltfreier Protest allein nicht mehr ausreiche. 1961 war er an der Gründung von Umkhonto we Sizwe beteiligt, dem bewaffneten Arm des ANC, und wurde dessen erster Kommandeur. Die Organisation setzte zunächst auf Sabotage an Infrastruktur und wollte Menschenleben schonen. Mandela reiste heimlich durch Afrika und nach London und erhielt eine militärische Ausbildung.

1962 wurde er verhaftet und wegen illegalen Verlassens des Landes und Aufwiegelung zu Streiks verurteilt. Im Rivonia-Prozess 1963 und 1964 stand er mit weiteren Führungsmitgliedern wegen Sabotage vor Gericht. In seiner berühmten Verteidigungsrede erklärte er, er habe für das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft gekämpft, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben, und er sei bereit, für dieses Ideal zu sterben. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die meiste Zeit seiner Gefangenschaft verbrachte er auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt, wo er unter harten Bedingungen in einem Steinbruch arbeiten musste. 1982 wurde er in das Pollsmoor-Gefängnis verlegt, später in das Victor-Verster-Gefängnis. Im Gefängnis bildete er sich weiter, lernte die Sprache Afrikaans und beschäftigte sich mit der Geschichte der weißen Afrikaaner, um ihre Ängste zu verstehen. Draußen wuchs seine Bekanntheit. Die Forderung nach seiner Freilassung wurde zu einem zentralen Anliegen der internationalen Anti-Apartheid-Bewegung, verbunden mit Sanktionen und Boykotten gegen Südafrika.

Ab Mitte der 1980er Jahre führte Mandela aus der Haft heraus geheime Gespräche mit Vertretern der Regierung. 1989 übernahm Frederik Willem de Klerk das Präsidentenamt. Im Februar 1990 hob er das Verbot des ANC auf und ließ Mandela frei. Es folgten schwierige Verhandlungen über eine neue Verfassung, überschattet von politischer Gewalt, an der auch rivalisierende schwarze Organisationen und Kräfte im Sicherheitsapparat beteiligt waren. Nach der Ermordung des populären ANC-Politikers Chris Hani 1993 drohte das Land in Gewalt zu versinken. Mandela rief im Fernsehen zur Ruhe auf und trug entscheidend dazu bei, die Lage zu beruhigen.

Das Nobelkomitee verlieh Mandela und de Klerk 1993 den Friedensnobelpreis. Es würdigte sinngemäß ihre Arbeit für das friedliche Ende des Apartheidregimes und dafür, die Grundlagen für ein neues, demokratisches Südafrika gelegt zu haben. Die gemeinsame Auszeichnung war nicht unumstritten, denn viele sahen in de Klerk einen Vertreter des Systems, das Mandela bekämpft hatte. Das Verhältnis der beiden Männer war von Spannungen geprägt. Das Komitee wollte jedoch gerade die Zusammenarbeit über Gräben hinweg würdigen.

Im April 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt, an denen alle Südafrikaner teilnehmen durften. Der ANC gewann deutlich, und Mandela wurde im Mai 1994 als Präsident vereidigt. De Klerk wurde einer seiner Stellvertreter. Mandela setzte auf Versöhnung. Er bemühte sich, die Ängste der weißen Minderheit abzubauen, und nutzte dafür auch Symbole, etwa als er 1995 beim Finale der Rugby-Weltmeisterschaft im Trikot der Nationalmannschaft auftrat, die lange als Sport der weißen Afrikaaner gegolten hatte. Unter Erzbischof Desmond Tutu untersuchte eine Wahrheits- und Versöhnungskommission die Verbrechen der Apartheidzeit. 1996 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die als eine der fortschrittlichsten der Welt gilt.

Mandela trat 1999 nach einer Amtszeit nicht wieder an und übergab die Präsidentschaft an Thabo Mbeki. Dieser freiwillige Rückzug wurde in einem Kontinent, auf dem viele Staatschefs an der Macht festhielten, als wichtiges Signal gewertet. Danach engagierte er sich mit seiner Stiftung unter anderem im Kampf gegen HIV und Aids, nachdem sein Sohn an der Krankheit gestorben war, und vermittelte in Konflikten wie dem in Burundi. 2007 gründete er mit anderen die Gruppe The Elders, einen Zusammenschluss ehemaliger Staatsleute und Persönlichkeiten.

Auch an Mandela gibt es Kritik. Sein Privatleben war von Brüchen geprägt; er war dreimal verheiratet, seine zweite Ehe mit Winnie Madikizela-Mandela zerbrach nach seiner Freilassung. Seine Präsidentschaft konnte die tiefe wirtschaftliche Ungleichheit nicht beseitigen, die bis heute fortbesteht. Manche Kritiker in Südafrika werfen ihm vor, der weißen Minderheit zu weit entgegengekommen zu sein und die wirtschaftliche Macht kaum angetastet zu haben. Seine Haltung zum bewaffneten Kampf und seine Nähe zu Staatschefs wie Muammar al-Gaddafi und Fidel Castro, die den ANC unterstützt hatten, wurden im Westen kritisch gesehen. Bis 2008 stand er auf einer US-amerikanischen Terror-Beobachtungsliste.

Mandela starb im Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren. An der Trauerfeier in Johannesburg nahmen zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil. Die Vereinten Nationen hatten bereits 2009 seinen Geburtstag, den 18. Juli, zum Internationalen Nelson-Mandela-Tag erklärt.

Sein Vermächtnis liegt vor allem in der Art, wie er die Macht übernahm und wieder abgab. Nach 27 Jahren Haft verzichtete er auf Rache und warb für eine gemeinsame Zukunft. Dass Südafrika den Übergang von der Apartheid zur Demokratie ohne den befürchteten Bürgerkrieg bewältigte, ist zu einem großen Teil sein Verdienst. Unter den Preisträgern des Friedensnobelpreises gehört er zu denjenigen, deren Leistung weltweit am wenigsten bestritten wird.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: Joseph Erlanger

Joseph Erlanger wurde am 5. Januar 1874 in San Francisco geboren und starb am 5. Dezember 1965 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Der amerikanische Physiologe erhielt 1944 gemeinsam mit seinem früheren Schüler Herbert Spencer Gasser den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Ausgezeichnet wurden die beiden für ihre Entdeckungen über die hochgradig unterschiedlichen Funktionen einzelner Nervenfasern. Mit einer damals neuartigen elektronischen Messtechnik zeigten sie, dass Nervenfasern je nach Dicke Signale unterschiedlich schnell leiten – eine Erkenntnis, die bis heute zum Grundwissen der Neurophysiologie gehört.

Herkunft und Ausbildung

Erlanger war das Kind jüdischer Einwanderer aus Deutschland, die sich im Zuge des Goldrauschs in Kalifornien niedergelassen hatten. Er wuchs in San Francisco als eines von mehreren Geschwistern auf. Schon früh interessierte er sich für Biologie; als Jugendlicher fasste er den Entschluss, Medizin zu studieren.

Er studierte zunächst Chemie an der University of California in Berkeley und schloss dieses Studium 1895 ab. Danach ging er an die Johns Hopkins University in Baltimore, die damals als modernste medizinische Hochschule der USA galt, weil sie Forschung und klinische Ausbildung nach europäischem Vorbild eng verband. 1899 erwarb er dort den medizinischen Doktorgrad. Bereits im Studium fiel er durch eigene Forschungsarbeiten auf, etwa zur Entwicklung von Nervenzellen und zur Verwertung von Eiweiß im Stoffwechsel.

Frühe Forschung: Blutdruck und Herz

Nach einem Jahr als Assistenzarzt wandte sich Erlanger ganz der Physiologie zu und lehrte an der Johns Hopkins University. In dieser Zeit beschäftigte er sich vor allem mit dem Herz-Kreislauf-System. Er entwickelte ein Gerät zur Blutdruckmessung, das als Erlanger-Sphygmomanometer bekannt wurde und die Druckschwankungen in den Arterien aufzeichnen konnte.

Besonders bekannt wurden seine Untersuchungen zur Erregungsleitung im Herzen. Erlanger erforschte, wie der elektrische Impuls von den Vorhöfen auf die Herzkammern übergeht und was geschieht, wenn diese Übertragung gestört ist. Mit einer selbst konstruierten Klemme konnte er im Tierversuch das sogenannte His-Bündel, ein spezielles Leitungsgewebe zwischen Vorhöfen und Kammern, schrittweise abdrücken und so verschiedene Grade eines Herzblocks erzeugen. Diese Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, Herzrhythmusstörungen zu verstehen.

Wisconsin und St. Louis

1906 wurde Erlanger der erste Professor für Physiologie an der neu gegründeten medizinischen Fakultät der University of Wisconsin in Madison. Dort lernte er den jungen Herbert Gasser kennen, der bei ihm studierte und später sein wichtigster Mitarbeiter wurde. 1910 folgte Erlanger einem Ruf an die Washington University in St. Louis, deren medizinische Fakultät damals neu aufgebaut wurde. Er leitete dort über Jahrzehnte das Institut für Physiologie, bis er 1946 emeritiert wurde.

Während des Ersten Weltkriegs befassten sich Erlanger und Gasser mit dem Kreislaufschock, einem lebensbedrohlichen Zustand nach schweren Verletzungen. Nach dem Krieg kam Gasser nach St. Louis, und die beiden wandten sich einem neuen Thema zu: der elektrischen Aktivität von Nerven.

Ein neues Messinstrument

Nervensignale sind elektrische Impulse, die in Bruchteilen von Millisekunden ablaufen und äußerst schwach sind. Die Messgeräte des frühen 20. Jahrhunderts, etwa Saitengalvanometer, waren zu träge, um den genauen Verlauf solcher Impulse wiederzugeben. Erlanger und Gasser erkannten, dass eine damals neue Technik Abhilfe schaffen konnte: die Kathodenstrahlröhre, wie sie später in Fernsehgeräten und Oszilloskopen verwendet wurde. Ein Elektronenstrahl hat praktisch keine Trägheit und kann selbst sehr schnelle Spannungsänderungen aufzeichnen.

Gemeinsam mit George H. Bishop bauten sie Anfang der 1920er-Jahre eine Messanordnung, bei der die Signale eines Nervs zunächst mit Elektronenröhren verstärkt und dann auf einem Kathodenstrahl-Oszillographen sichtbar gemacht wurden. Da die Leuchtspur nur kurz sichtbar war, wiederholten sie die Reizung viele Male und fotografierten das Bild. 1922 veröffentlichten sie erste Ergebnisse.

Die preisgekrönte Entdeckung verständlich erklärt

Ein Nerv, etwa der Ischiasnerv im Bein, ist kein einzelnes Kabel, sondern ein Bündel aus Tausenden einzelner Nervenfasern. Reizt man einen solchen Nerv an einer Stelle und misst die elektrische Antwort einige Zentimeter weiter, erhält man ein zusammengesetztes Signal, das sogenannte Summenaktionspotenzial. Erlanger und Gasser stellten fest, dass dieses Signal nicht aus einem einzigen Gipfel besteht, sondern aus mehreren Wellen, die nacheinander eintreffen. Je weiter die Messstelle vom Reizort entfernt war, desto deutlicher trennten sich die einzelnen Wellen voneinander.

Die Erklärung: Die Fasern im Nerv leiten unterschiedlich schnell. Wie Läufer bei einem Wettrennen kommen die schnellen zuerst an, die langsamen später; mit zunehmender Strecke wird der Abstand größer. Erlanger und Gasser konnten zeigen, dass die Leitungsgeschwindigkeit eng mit dem Durchmesser der Faser zusammenhängt: Dicke Fasern leiten schnell, dünne langsam. Sie teilten die Fasern in Gruppen ein, die man noch heute mit den Buchstaben A, B und C bezeichnet. Dicke, von einer Myelinscheide umhüllte A-Fasern leiten Signale mit hoher Geschwindigkeit, während dünne C-Fasern ohne Myelinhülle sehr viel langsamer sind.

Darüber hinaus zeigten sie, dass verschiedene Fasergruppen unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Schnelle Fasern übertragen etwa Befehle an die Muskeln oder Informationen über Berührung und Körperhaltung, während langsame Fasern unter anderem an der Weiterleitung von Schmerz- und Temperaturreizen beteiligt sind. Auch bei Eigenschaften wie der Reizschwelle oder der Dauer der Erholungsphase nach einem Impuls fanden sie systematische Unterschiede zwischen den Fasertypen.

Wirkung auf Medizin und Forschung

Die Einteilung der Nervenfasern nach Durchmesser und Leitungsgeschwindigkeit ist bis heute Lehrbuchwissen. Sie hilft zum Beispiel zu verstehen, warum man bei einer Verletzung zuerst einen scharfen, gut lokalisierbaren Schmerz spürt und kurz danach einen dumpfen, länger anhaltenden: Die beiden Schmerzarten werden über unterschiedlich schnelle Fasern geleitet. Auch die Wirkung örtlicher Betäubungsmittel, die dünne Fasern oft früher blockieren als dicke, lässt sich auf diese Weise besser einordnen.

In der klinischen Medizin bildet die Messung von Nervenleitgeschwindigkeiten eine wichtige Grundlage der Neurodiagnostik. Bei Erkrankungen, die die Myelinscheiden oder die Nervenfasern selbst schädigen, etwa bei bestimmten Polyneuropathien, verändern sich die gemessenen Werte charakteristisch. Die heute in Kliniken eingesetzten Verfahren beruhen auf Prinzipien, die Erlanger und Gasser erstmals systematisch beschrieben haben.

Methodisch war die Einführung der Kathodenstrahlröhre in die Physiologie ein Wendepunkt. Elektronische Verstärker und Oszilloskope wurden in den folgenden Jahrzehnten zu Standardwerkzeugen der Neurophysiologie und ermöglichten zahlreiche weitere Entdeckungen über die Arbeitsweise von Nerven und Gehirn.

Späte Jahre und Würdigung

Erlanger und Gasser fassten ihre Ergebnisse 1937 in dem Buch „Electrical Signs of Nervous Activity“ zusammen. Gasser war zu diesem Zeitpunkt bereits nach New York gewechselt, wo er das Rockefeller Institute leitete. Erlanger blieb in St. Louis und forschte weiter über Nervenfasern. Nach seiner Emeritierung 1946 setzte er seine wissenschaftliche Arbeit noch einige Jahre fort.

Er war Mitglied der National Academy of Sciences und erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden. Die Washington University in St. Louis, an der er mehr als drei Jahrzehnte gewirkt hatte, entwickelte sich unter anderem durch seine Arbeit zu einem bedeutenden Zentrum der physiologischen Forschung. Joseph Erlanger starb im Dezember 1965 im Alter von 91 Jahren in St. Louis.

Sein Werk steht exemplarisch für eine Epoche, in der die Physiologie begann, Methoden aus Physik und Elektrotechnik systematisch zu nutzen. Die Kombination aus präzisem Experiment, technischem Erfindungsreichtum und geduldiger Auswertung machte es möglich, die Sprache der Nerven Schritt für Schritt zu entschlüsseln. Die offizielle Würdigung des Preises von 1944 finden Sie auf der Seite der Nobelstiftung.

Der Nobelpreis in Zahlen

Nach den Angaben der Nobelstiftung erhielt Joseph Erlanger den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1944 zur Hälfte. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr außerdem Herbert S. Gasser. Die offizielle Begründung lautet im englischen Original: „for their discoveries relating to the highly differentiated functions of single nerve fibres“. Als Wirkungsstätte zum Zeitpunkt der Auszeichnung führt die Stiftung die Einrichtung Washington University in St. Louis, MO, USA. Als Datum der Zuerkennung nennt sie den 26. Oktober 1944. Das gesamte Preisgeld der Kategorie betrug in diesem Jahr 121.841 schwedische Kronen, was nach Berechnung der Stiftung heute etwa 3.174.561 Kronen entspricht. Als Geburtsort verzeichnet die Nobelstiftung San Francisco, CA, USA. Er starb am 5. Dezember 1965 in St. Louis, MO, USA. Wenn Sie die Hintergründe der Entscheidung genauer nachvollziehen möchten, lohnt sich ein Blick in die Unterlagen der Nobelstiftung, die neben der Begründung auch Vorträge und biografische Angaben bereithält.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: Władysław Reymont

Władysław Reymont ist der Autor des großen polnischen Bauernepos „Die Bauern“, eines vierbändigen Romans über ein Jahr im Leben eines Dorfes, der ihm den Nobelpreis eintrug. Daneben schrieb er mit „Das gelobte Land“ einen der eindringlichsten Romane über die frühe Industriestadt. Reymont wurde am 7. Mai 1867 in Kobiele Wielkie bei Radomsko geboren und starb am 5. Dezember 1925 in Warschau. 1924 erhielt er den Nobelpreis für Literatur für sein großes nationales Epos „Die Bauern“; da er schwer herzkrank war, konnte er den Preis nicht in Stockholm entgegennehmen.

Im Folgenden geht es vor allem um das Werk: die Hauptwerke mit ihrem Inhalt, Themen und Stil, die Rezeption und eine Empfehlung, womit Sie beginnen sollten.

Ein unruhiges Leben

Reymont, eigentlich Rejment, war Sohn eines Dorforganisten und wuchs in Tuszyn bei Łódź auf. Eine reguläre Schulbildung erhielt er kaum; er machte eine Schneiderlehre, schloss sich als junger Mann einer Wanderschauspieltruppe an, arbeitete als Bahnangestellter, war kurzzeitig Novize bei den Paulinern im Kloster Jasna Góra in Tschenstochau und versuchte sich als Spiritist. Diese Erfahrungen aus ganz verschiedenen Milieus lieferten ihm reichlich Stoff. Erste Erzählungen und Reportagen erschienen in Warschauer Zeitungen; Aufsehen erregte eine Reportage über eine Wallfahrt nach Tschenstochau.

Ein Unfall 1900, bei dem er als Fahrgast eines Zuges schwer verletzt wurde, brachte ihm eine hohe Entschädigung der Bahngesellschaft ein. Sie verschaffte ihm finanzielle Unabhängigkeit, hinterließ aber gesundheitliche Schäden, die ihn bis zu seinem Lebensende belasteten.

Die Komödiantin und Die Gärung

Seine ersten Romane „Die Komödiantin“ (1896) und die Fortsetzung „Die Gärung“ (1897) verarbeiten die Zeit beim Wandertheater. Die Heldin Janka, Tochter eines Bahnhofsvorstehers in der Provinz, flieht vor einer arrangierten Ehe nach Warschau, um Schauspielerin zu werden, und gerät in eine Welt aus Armut, Intrigen und Illusionen. Nach einem Selbstmordversuch kehrt sie heim und fügt sich in eine Ehe. Die Romane sind vom Naturalismus geprägt und zeigen Reymonts Blick für soziale Milieus und Abhängigkeiten.

Das gelobte Land (1899)

„Das gelobte Land“ („Ziemia obiecana“) spielt in Łódź, das im 19. Jahrhundert zur größten Textilstadt im russischen Teil Polens heranwuchs. Drei junge Männer, der Pole Karol Borowiecki, der Deutsche Max Baum und der Jude Moryc Welt, wollen gemeinsam eine Fabrik gründen und reich werden. Der Roman zeigt eine Stadt der Gier, in der Fabrikanten, Spekulanten und Glücksritter um jeden Preis aufsteigen wollen, während Arbeiter in Schmutz und Elend leben. Brände, Bankrotte und Betrügereien bestimmen das Geschäft.

Borowiecki opfert für den Erfolg seine Herkunft aus dem Landadel, seine Verlobte Anka und jede moralische Bindung. Am Ende ist er reich, aber innerlich leer. Reymonts Bild der Stadt ist düster und naturalistisch, manchmal grell, und die Zeichnung der verschiedenen Volksgruppen wurde später auch wegen stereotyper Züge kritisiert. Andrzej Wajda verfilmte den Roman 1974; der Film wurde für den Oscar nominiert und hat das Buch in Polen erneut populär gemacht.

Die Bauern (1904–1909)

Reymonts Hauptwerk erschien in vier Bänden, die nach den Jahreszeiten benannt sind: Herbst, Winter, Frühling, Sommer. Schauplatz ist das Dorf Lipce, Hauptfigur zunächst der reiche, verwitwete Bauer Maciej Boryna, der die junge, schöne Jagna heiratet. Damit gerät er in einen erbitterten Konflikt mit seinem Sohn Antek, der um das Land fürchtet und zugleich selbst eine leidenschaftliche Beziehung zu Jagna eingeht. Vater und Sohn werden zu Rivalen um Frau und Hof.

Um diesen Kern entfaltet Reymont das ganze Dorfleben: Feldarbeit, Markt, Hochzeiten, Kirchenfeste, Klatsch, Armut der Tagelöhner, Streit um Geld und Erbe. Ein dramatischer Höhepunkt ist der Kampf der Dorfbewohner gegen die Leute des Gutsbesitzers um einen Wald, bei dem Boryna tödlich verwundet wird. Nach seinem Tod geht das Dorfleben weiter; Jagna wird schließlich von der Gemeinschaft als Ehebrecherin verstoßen und auf einem Mistwagen aus dem Dorf gebracht – eine der verstörendsten Szenen des Romans.

Besonders ist die Struktur: Der Kreislauf der Jahreszeiten, der kirchlichen Feiertage und der bäuerlichen Arbeit bestimmt den Rhythmus mehr als die Handlung der Einzelnen. Das Dorf erscheint als Kollektiv mit eigenem Recht und eigener Moral, eingebettet in die Natur. Reymont verzichtet auf Idealisierung: Die Bauern sind habgierig, grausam, abergläubisch, aber auch solidarisch, fromm und voller Lebenskraft.

Die Figuren von Lipce

Neben dem Dreieck Boryna, Antek und Jagna entwickelt der Roman eine ganze Reihe einprägsamer Gestalten. Hanka, Anteks Ehefrau, wird von ihrem Mann zunächst vernachlässigt und gedemütigt, wächst aber an der Not: Als Antek nach dem Kampf um den Wald im Gefängnis sitzt, hält sie den Hof zusammen und wird zur eigentlichen Stütze der Familie. Jagnas Mutter, die Dominikowa, ist eine harte, berechnende Bäuerin, die ihre Tochter vor allem als Mittel zum Landerwerb betrachtet. Der Wanderer Rocho, ein frommer Bettler, bringt verbotene polnische Bücher ins Dorf und weckt bei den Jüngeren ein nationales Bewusstsein, was ihn in Konflikt mit der russischen Obrigkeit bringt. Dazu kommen der Pfarrer, der Dorfschulze, der Organist, Tagelöhner und Knechte. Gerade diese Fülle macht „Die Bauern“ zu einem sozialen Gesamtbild, in dem jeder seinen Platz in einer festen Ordnung von Besitz, Ansehen und Gewohnheit hat.

Sprache und Stil

Für die Dialoge und große Teile der Erzählung in „Die Bauern“ verwendete Reymont eine stilisierte Form der Mundart seiner Heimatregion. Das verleiht dem Roman große Anschaulichkeit, macht ihn aber schwer übersetzbar. Seine Beschreibungen von Landschaft, Wetter und Licht sind malerisch und oft lyrisch; Literarhistoriker sehen ihn zwischen Naturalismus und dem impressionistischen Stil des Jungen Polen. Er arbeitet mit großen Tableaus, Massenszenen und einer Fülle von Figuren.

Spätwerk

Später schrieb Reymont unter anderem die historische Trilogie „Das Jahr 1794“ über die Zeit des Kościuszko-Aufstands und die letzten Jahre der polnischen Adelsrepublik sowie den Roman „Der Vampir“ (1911), in dem er sich mit Okkultismus beschäftigt. Diese Werke erreichten nicht die Bedeutung seiner beiden Hauptromane. Mit der satirischen Erzählung „Bunt“ (Die Revolte, 1924), einer Fabel über einen Aufstand der Tiere auf einem Bauernhof, nahm er ein Motiv vorweg, das später durch George Orwell berühmt wurde; die Erzählung wurde als Kritik an der russischen Revolution gelesen.

Rezeption

Der Nobelpreis 1924 war in Polen eine Sensation, zumal sich viele den Preis für Stefan Żeromski gewünscht hatten. „Die Bauern“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gilt als einer der großen Bauernromane der Weltliteratur, vergleichbar mit Werken von Hamsun oder Zola. In Polen ist das Buch Schullektüre und wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2023 als animierter Film nach dem Verfahren gemalter Einzelbilder.

Deutsche Ausgaben

„Die Bauern“ erschien früh auf Deutsch in der Übersetzung von Jean Paul d’Ardeschah und wurde mehrfach nachgedruckt, auch in der DDR. „Das gelobte Land“ liegt ebenfalls auf Deutsch vor. Beide Romane sind heute vor allem antiquarisch gut zu bekommen.

Leseempfehlung

Wer Zeit hat, sollte „Die Bauern“ lesen, am besten mit dem ersten Band „Herbst“ beginnen und sich vom Rhythmus der Jahreszeiten tragen lassen. Wer eine kompaktere, städtische Geschichte bevorzugt, greift zu „Das gelobte Land“ und kann danach Wajdas Verfilmung sehen. Beide Bücher zeigen Reymont als großen Panoramaerzähler.

Stand: 29.10.2026