Sudetendeutscher aus dem Duppauer Gebirge, Abwehragent vor dem Münchner Abkommen, Soldat der Luftwaffe, Zwangsarbeiter, Vertriebenenfunktionär in Biedenkopf, Unterzeichner der Eichstätter Erklärung und Sozialpolitiker im Fraktionsvorstand: Hermann Götz, geboren am 20.05.1914 in Duppau, saß von 1949 bis 1976 für die CDU im Bundestag. Er starb am 21.04.1987 in Fulda.
Kurzprofil
- Geboren: 20. Mai 1914 in Duppau
- Gestorben: 21. April 1987
- Beruf: Angestellter
- Partei: CDU
- Bundestag: 1949 bis 1976 (1. bis 7. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
- Religion/Familie: katholisch, verheiratet, 5 Kinder
Abwehr
Götz machte das Abitur an einem humanistischen Gymnasium im Sudetenland und war von 1928 bis 1934 in der katholischen Jugendbewegung aktiv. Neben dem Studium, das er 1939 abschloss, arbeitete er als Agent der deutschen Abwehr in dem Teil der Tschechoslowakei, der 1938 als Reichsgau Sudetenland annektiert wurde. Für diese Spionage erhielt er die Medaille zur Erinnerung an den 01.10.1938. Von 1939 bis 1945 diente er in der Luftwaffe.
Vertreibung
1945 und 1946 musste Götz in der Tschechoslowakei Zwangsarbeit leisten, 1946 kam er als Vertriebener nach Hessen. Ab 1947 arbeitete er im Soforthilfeamt des Landratsamts Biedenkopf, saß im Kreisflüchtlingsausschuss und führte den Kreisverband des Bundes der Vertriebenen. Er war Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung und Mitglied der Ackermann-Gemeinde. Im Dezember 1949 unterzeichnete er die Eichstätter Erklärung der Sudetendeutschen.
Fulda
Seit der ersten Wahl 1949 gehörte Götz dem Bundestag an, zuerst über die Liste, ab 1957 als direkt gewählter Abgeordneter für Fulda. 1964 bis 1965 und 1967 bis 1968 leitete er die Unterkommission Haushalt des Bundestagsvorstands. Vom 25.06.1968 bis 1976 gehörte er als Vorsitzender des Arbeitskreises Sozial- und Gesellschaftspolitik zum engeren Vorstand der Unionsfraktion.
25 Jahre
Götz zählte zu den zehn Abgeordneten, die dem Bundestag in den ersten 25 Jahren seit 1949 ununterbrochen angehörten, gemeinsam mit Ludwig Erhard, Gerhard Schröder, Richard Jaeger, Franz Josef Strauß, Richard Stücklen, Erich Mende, Erwin Lange, R. Martin Schmidt und Herbert Wehner. Er war Mitglied des Ausschusses für Heimatvertriebene, 1970 im hessischen Landesvorstand und von 1970 bis 1973 Vorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU.
Prager Vertrag
Am 20.06.1974 erklärte Götz im Bundestag, auch für die sudetendeutschen Kollegen Fritz Baier, Walter Becher, Egon Klepsch, Gerhard Kunz, Erich Riedl, Herbert Werner, Fritz Wittmann und Siegfried Zoglmann, die Ablehnung des Prager Vertrags vom 11.12.1973 mit der Tschechoslowakei. 1963 erhielt er ein österreichisches Ehrenzeichen, 1968 das Verdienstkreuz erster Klasse, 1973 das Große Verdienstkreuz.
Stammdaten
Götz starb im April 1987 mit 72 Jahren in Fulda. Die Stammdaten nennen ihn Angestellten, katholisch, verheiratet und Vater von fünf Kindern; die Abwehrtätigkeit und die Medaille von 1938 erwähnen sie nicht.
Mandate im Überblick
Götz kam 1949 und 1953 über die hessische Landesliste der CDU in den Bundestag und gewann von 1957 bis 1972 fünfmal den Wahlkreis Fulda direkt:
- 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Hessen, CDU/CSU-Fraktion
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Hessen, CDU/CSU-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).