Sprachschülerin aus Arnstadt, Dolmetscherin, Stenographin und Programmiererin bei Burda, Mutter von fünf Kindern, Gesicht des Widerstands gegen Wyhl und erste grüne Stadträtin in Offenburg: Christa Reetz, geboren am 16.11.1922 in Arnstadt, gehörte dem Bundestag von 1983 bis 1985 an. Sie starb am 21.06.2009 in Offenburg.
Kurzprofil
- Geboren: 16. November 1922 in Arnstadt (Thüringen)
- Gestorben: 21. Juni 2009
- Beruf: Programmiererin, Rentnerin
- Partei: GRÜNE
- Bundestag: 1983 bis 1985 (10. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: geschieden, 5 Kinder
Burda
Reetz, geborene Eckstein, besuchte nach verfügbaren Angaben in Arnstadt eine Sprachenschule und machte das Abitur an einer Abendschule in Berlin. 1944 heiratete sie Werner Reetz und zog nach dem Krieg mit ihm nach Offenburg. Sie arbeitete als Dolmetscherin, Stenographin und Programmiererin, viele Jahre im Burda-Verlag, bis 1982. Die Stammdaten führen sie als Programmiererin und Rentnerin, geschieden, fünf Kinder.
Wyhl
Nach dem Krieg wandte sich Reetz gegen die Gründung der Bundeswehr und den Beitritt zur NATO. In den 1970er Jahren wurde sie als eine der Hauptakteurinnen gegen das Kernkraftwerk Wyhl bundesweit bekannt, das nie gebaut wurde. 1980 zog sie für die Bürgerinitiative Umweltschutz Offenburg als erste Grüne in den Gemeinderat ein.
Güney
Sie war 60 Jahre alt, als sie in den Bundestag kam. Ihr Mandat umfasste 130 Sitzungen; die Protokolle zählen 93 Reden mit 20.530 Wörtern, die meisten Fragen in Fragestunden. In der ersten Wortmeldung am 19. Mai 1983 fragte sie, wie sich die Unabhängigkeit der türkischen Gerichte mit der Begründung vertrage, man müsse den Regisseur Yilmaz Güney ausliefern.
Neckermann
Am selben Tag erzählte sie, sie habe nach Daten bei Neckermann plötzlich Werbung von Firmen bekommen, mit denen sie nie zu tun hatte. Im März 1985 fragte sie, warum man den Imkern nicht Zucker aus dem Zuckerberg der EG billiger abgebe, wo dessen Lagerung doch Kosten verursache. Die letzte Rede am 28. März 1985 galt dem Datenschutz und der Btx-Leitzentrale, die die Post Mitte 1984 in Ulm in Betrieb genommen hatte; der Datenschutzbeauftragte hielt die Verfahren für weder sicher noch datenschutzgerecht.
Rotation
Am 16. April 1985 schied Reetz nach dem Rotationsprinzip der Fraktion aus, für sie rückte Torsten Lange (GRÜNE) nach. Von 1985 bis 1995 saß sie im geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz und kümmerte sich nach verfügbaren Angaben um Giftmülldeponien und Müllverbrennung. Früh hatte sie Kontakt zu kirchlichen Umweltgruppen in der DDR.
Abstimmungen
An allen 35 namentlichen Abstimmungen nahm Reetz teil, 14-mal mit Ja, 17-mal mit Nein und viermal mit Enthaltung. Einmal wich sie von der Mehrheit ihrer Fraktion ab. Sie starb mit 86 Jahren an einem Hirnschlag und wurde auf dem Weingarten-Friedhof in Offenburg beigesetzt.
Mandate im Überblick
Reetz kam 1983 über die Landesliste der Grünen Baden-Württemberg in den Bundestag:
- 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 16.04.1985): Landesliste Baden-Württemberg, Fraktion Die Grünen
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).