Nigeria gegen Ghana: Eine Online-Feindschaft und ein Satz aus dem Jahr 1983

Collage aus nigerianischer und ghanaischer Flagge, diagonal geteilt

Auf X ist in den letzten Tagen eine neue Runde eines alten Streits ausgebrochen: Nigerianer gegen Ghanaer. Es geht um Hass, Neid, Jollof-Reis und um einen Satz, der aus der Geschichte beider Länder stammt: „Ghana must go“.

Die Welle

Eine X-Trendzusammenfassung beschreibt die Lage als neue Welle von Vorwürfen über Hass, Neid und Überlegenheitsgefühle. Viele der Posts sind klein und gehen einander an, etwa von @OldTraffordHeat; manche sind schlicht feindselig, die verlinke ich nicht.

Ein Hintergrund, den man im Kopf haben sollte: Im Oktober liefen international koordinierte Maßnahmen gegen Online-Betrugsnetzwerke, über die etwa Meta berichtet hat. Ob das den Streit befeuert hat, kann ich nicht belegen; Betrugsvorwürfe gehören aber zum Standardrepertoire beider Seiten.

Der Gegenentwurf

Am meisten Aufmerksamkeit bekam ein Post, der den Streit für weitgehend erfunden hält. Der nigerianische Journalist David Hundeyin (28.10., 17:42 Uhr MEZ; 213.900 Aufrufe, 4.002 Likes) schreibt, er sei 1995 als Fünfjähriger zum ersten Mal in Ghana gewesen, inzwischen seit 31 Jahren immer wieder dort und habe mittlerweile einen ghanaischen Pass. „Ghanaer hassen Nigerianer“ sei ein beliebtes Internetphänomen, das er im echten Leben nie erlebt habe. Das Nächste an Diskriminierung sei 2023 eine Autovermietung gewesen, die seinen nigerianischen Ausweis nicht akzeptiert habe – er sei einfach zur nächsten gegangen. Auf dem Markt in Madina könne man Nigerianer und Ghanaer kaum unterscheiden, weil dort alle eine Mischung aus Igbo und Twi sprächen.

Sein Schluss: „Nigeria gegen Ghana“ sei ein interessantes Internetphänomen, das er gern einmal im echten Leben sehen würde. Er suche seit drei Jahrzehnten.

Woher „Ghana must go“ kommt

1983 ordnete die nigerianische Regierung unter Präsident Shehu Shagari die Ausweisung von Migranten ohne Papiere an. Betroffen waren über zwei Millionen Menschen, darunter nach Schätzungen rund eine Million Ghanaer. Viele trugen ihr Hab und Gut in karierten Plastiktaschen; der inoffizielle Name der Aktion und dieser Taschen wurde, wie die BBC beschreibt, „Ghana Must Go“. Die BBC hat das in ihrer Reihe Witness History aufgearbeitet, eine historische Analyse findet sich in der Fachzeitschrift Past & Present.

Was ich nicht weiß

  • Welcher Post die aktuelle Welle ausgelöst hat. Ich habe keinen einzelnen großen Auslöser gefunden.
  • Wie groß die Welle in Zahlen ist. Die meisten Posts, die ich gefunden habe, hatten nur wenige hundert Aufrufe; groß wurde vor allem Hundeyins Widerspruch.

Quellen

Beitragsbild: eigene Collage aus den Flaggen Nigerias und Ghanas; Flaggengrafiken gemeinfrei, bezogen über flagcdn.com.

Stand: 29. Oktober 2026

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