Was ist eine Race Queen?

Race Queen (japanisch レースクイーン, rēsu kuīn, oft kurz RQ) ist ein in Japan geprägter englisch klingender Begriff. Gemeint sind Models, die bei Motorsport-Veranstaltungen für ein Rennteam und dessen Sponsoren auftreten. Sie tragen Kostüme in den Farben und mit den Logos der Geldgeber, halten vor dem Start einen Schirm über den Fahrer, posieren in der Boxengasse für Fotografen und sind bei Siegerehrungen und Fan-Veranstaltungen dabei. Davon unterscheidet man in Japan die Grid Girls, die vom Veranstalter gestellt werden und in der Startaufstellung Schilder mit Namen oder Startnummern halten.

Als Vorbild gilt das Model Rosa Ogawa, das Ende der 1960er Jahre als Maskottchen eines Toyota-Rennteams auftrat und 1969 mit einem Werbespot für Maruzen Sekiyu landesweit bekannt wurde. Beim Motorradrennen Suzuka 8 Stunden traten 1984 Teams mit Models in Badeanzügen auf, auf denen die Teamlogos prangten, und damit begann der eigentliche Boom. In der Zeit der Bubble Economy Ende der 1980er Jahre wurden knappe, hoch ausgeschnittene Bodys mit Sponsorenaufdruck, Stöckelschuhe und große Schirme zum Markenzeichen. Einige Race Queens dieser Zeit, etwa Naoko Iijima, wurden landesweit bekannte Fernsehstars.

Heute treten Race Queens vor allem in der Rennserie Super GT auf, außerdem in der Super Formula und bei Langstreckenrennen. Weil es zeitweise sehr viele wurden, im Jahr 2003 standen bei einem Rennen mehr als 200 auf der Strecke, begrenzt die Super GT seit 2008 die Zahl pro Team. Gut bezahlt ist die Arbeit meist nicht, viele verdienen ihr Geld zusätzlich als Messehostess oder bei sogenannten Fotosessions, bei denen Hobbyfotografen gegen Gebühr Aufnahmen machen dürfen. Es gibt Agenturen, die sich auf Race Queens spezialisiert haben.

Für viele Frauen ist die Arbeit an der Rennstrecke ein Sprungbrett. Etliche spätere Gravure-Models, Schauspielerinnen und Fernsehtalente begannen als Race Queen, und auch einige Pornodarstellerinnen nennen eine Zeit als Race Queen in ihrem Lebenslauf. Umgekehrt löste ein Hersteller von Erotikfilmen im Jahr 2002 heftige Kritik aus, als er einen Fahrer der Rennserie Formula Nippon sponserte und mehrere seiner Pornodarstellerinnen als Race Queens auftreten ließ.

Außerhalb Japans stehen solche Auftritte seit Jahren in der Kritik, weil Frauen dabei vor allem als Dekoration dienen. Die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC verzichtet seit 2015 auf Grid Girls, die Formel 1 schaffte sie im Januar 2018 ab und setzt seither Kinder in der Startaufstellung ein. In Japan gibt es Race Queens weiterhin, die Super GT nennt sie seit 2024 allerdings Race Ambassadors und lässt auch Männer zu. Die Suzuka Circuit Queens, ein vom Rennkurs Suzuka gestelltes Team, gab es nur bis Ende 2020.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe aus diesem Umfeld erklären wir in eigenen Beiträgen: Gravure-Idol für Fotomodelle, Chakuero für erotische Aufnahmen ohne Nacktheit, AV-Idol für wie Popstars vermarktete Darstellerinnen und Cosplay. Zum deutschen Gegenstück aus der Formel 1 passt unser Beitrag über das Wort Boxenluder.

Stand: 17.10.2026

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