Kernphysiker, Physiker bei der Erprobungsstelle Rechlin der Luftwaffe, Direktor der Mannheimer Ingenieurschule, Atompolitiker der SPD und später Oberbürgermeister der Bundesgartenschau: Ludwig Ratzel, geboren am 13.02.1915 in Friedrichsfeld bei Mannheim, gehörte dem Bundestag von 1955 bis 1960 an. Er starb am 06.02.1996 in Mannheim.
Kurzprofil
- Geboren: 13. Februar 1915 in Friedrichsfeld
- Gestorben: 6. Februar 1996
- Beruf: Physiker
- Partei: SPD
- Bundestag: 1955 bis 1960 (2. bis 3. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet, 3 Kinder
Kernphysik
Von 1935 bis 1940 studierte Ratzel nach verfügbaren Angaben Naturwissenschaften und wurde in Kernphysik promoviert. Laut Handbuch arbeitete er 1938 bis 1940 am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, von 1941 bis 1945 als Physiker bei der Erprobungsstelle Rechlin der Luftwaffe und dann bei Carl Zeiss in Jena. Die Stammdaten führen ihn als Physiker, verheiratet, drei Kinder.
Ingenieurschule
1945 trat Ratzel der SPD bei. Von 1947 bis 1955 lehrte er an der städtischen Ingenieurschule in Mannheim, ab 1952 als ihr Direktor. Am 15. September 1955 rückte er für Wilhelm Traub (SPD) in den Bundestag nach. 1956 und 1957 war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Atomfragen, von 1958 bis 1959 nach verfügbaren Angaben zudem im Europäischen Parlament.
Nachwuchs
Die Protokolle zählen 16 Reden mit 24.817 Wörtern. In der ersten am 7. Juni 1956 begründete er eine Große Anfrage zur Förderung der Forschung: Die schlechte Lage der Naturwissenschaften und der Mangel an Nachwuchs seien ein Hauptthema der Presse; man müsse nur alle vierzehn Tage die Stellenanzeigen der VDI-Nachrichten lesen. Gute Dozenten müssten Fachleute und Lehrer sein und würden dafür schlechter bezahlt.
Atomgesetz
Seine letzte Rede hielt Ratzel am 3. Dezember 1959 zum Atomgesetz. Thomas Dehler (FDP) habe sich im Ausschuss um zügige Beratung bemüht; das Gesetz werde wegen der geplanten Reaktoren gebraucht, noch dringender aber wegen der fehlenden Strahlenschutzverordnung. Deshalb solle man es so beschließen, dass auch der Bundesrat zustimmen könne.
Oberbürgermeister
Am 21. Juni 1960 legte Ratzel das Mandat nieder und wurde Erster Bürgermeister von Mannheim, zuständig für Wohnungswesen, Energie und Verkehr; von 1972 bis 1980 war er Oberbürgermeister. Nach verfügbaren Angaben gehen die Siedlungen Vogelstang und Herzogenried auf ihn zurück, ebenso die Bundesgartenschau 1975 und der Aerobus zwischen den Parks.
Abstimmungen
Die Daten bis 1957 werten wir nicht aus; bei den zwölf namentlichen Abstimmungen danach wich Ratzel nie von der SPD ab. 1980 machte ihn Mannheim zum Ehrenbürger, im selben Jahr wurde er Commander of the British Empire. Er starb mit 80 Jahren in Mannheim, das nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannte.
Mandate im Überblick
Ratzel rückte 1955 über die Landesliste der SPD Baden-Württemberg in den Bundestag nach und wurde 1957 wiedergewählt:
- 2. Wahlperiode (15.09.1955 bis 06.10.1957): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 21.06.1960): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).