Literaturwissenschaftlerin, freie Journalistin und Vizepräsidentin des Hessischen Landtags: Sibylle Engel, geboren als Eva Sibylle Busch am 06.05.1920 in Hamburg, saß vom Juni 1981 bis März 1983 für die FDP im Bundestag. Sie starb am 20.10.2011.
Kurzprofil
- Geboren: 6. Mai 1920 in Hamburg
- Gestorben: 20. Oktober 2011
- Beruf: Hausfrau
- Partei: FDP
- Bundestag: 1981 bis 1983 (9. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet, 3 Kinder
Prag und Hamburg
Engel machte 1938 am Realgymnasium Abitur und studierte Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Musik und Soziologie. 1944 wurde sie an der deutschen Universität in Prag promoviert, die damals unter nationalsozialistischer Kontrolle stand, nachdem die tschechischen Hochschulen 1939 geschlossen worden waren. Bis 1949 hatte sie einen Lehrauftrag an der Universität Hamburg, danach arbeitete sie frei für Zeitungen und Rundfunk. Sie war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder; die Stammdaten nennen als Beruf Hausfrau.
Spät in die Politik
Erst mit 49 Jahren trat Engel 1969 der FDP bei, im Jahr des sozialliberalen Aufbruchs, als die Partei sich unter Walter Scheel neu ausrichtete und viele Akademiker anzog. Schon im Dezember 1970 wurde sie in den Hessischen Landtag gewählt. Dort war sie von Dezember 1974 bis Juni 1976 und erneut von Januar 1979 bis Juni 1981 Vizepräsidentin. In Wiesbaden regierte in jenen Jahren eine Koalition aus SPD und FDP unter den Ministerpräsidenten Albert Osswald und Holger Börner. 1979 gehörte sie der Bundesversammlung an, die Karl Carstens zum Bundespräsidenten wählte.
Bonn in der Wendezeit
Am 26.06.1981 wechselte Engel in den Bundestag. Sie kam in eine Fraktion, die über den Kurs der Koalition mit Helmut Schmidt zerstritten war. Im September 1982 verließen die FDP-Minister die Regierung, im Oktober wählte der Bundestag Helmut Kohl mit den Stimmen der Mehrheit der Liberalen zum Kanzler. Für viele sozialliberal gesinnte Mitglieder war das ein Bruch; mehrere Abgeordnete und Tausende Mitglieder verließen die Partei. Mit der vorgezogenen Wahl im März 1983, die Kohl über eine absichtlich verlorene Vertrauensfrage herbeigeführt hatte, endete Engels Mandat. Die FDP kam mit 7,0 Prozent wieder ins Parlament, Engel gehörte ihm nicht mehr an.
Ehrungen
1979 erhielt Engel das Verdienstkreuz erster Klasse, 1986 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, benannt nach dem hessischen Gewerkschafter und Innenminister, der nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde. Sie starb mit 91 Jahren im Oktober 2011. Ihr Lebenslauf zeigt, wie Frauen ihrer Generation, die Studium und Promotion unter schwierigen Bedingungen abgeschlossen hatten, oft erst nach Jahren der Familienarbeit den Weg in die Politik fanden.
Mandate im Überblick
Engel kam als Nachrückerin über die hessische Landesliste in die neunte Wahlperiode und blieb bis zu deren vorzeitigem Ende:
- 9. Wahlperiode (26.06.1981 bis 29.03.1983): Landesliste Hessen, FDP-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).