Bäuerin aus dem Taubertal, Widerständlerin gegen eine Daimler-Teststrecke und die erste Landwirtin im Bundestag: Dora Flinner, geborene Friedrich, geboren am 19.02.1940 in Heilbronn, gehörte von 1987 bis 1990 für die Grünen dem Parlament an.
Kurzprofil
- Geboren: 19. Februar 1940 in Heilbronn (Neckar)
- Beruf: Bäuerin
- Partei: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- Bundestag: 1987 bis 1990 (11. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: evangelisch, verheiratet, 3 Kinder
Boxberg
Flinner ist gelernte Bäuerin und bewirtschaftete mit ihrer Familie einen Hof in Boxberg im Main-Tauber-Kreis, einer ländlichen Gegend im Nordosten Baden-Württembergs. In den späten siebziger Jahren plante die Daimler-Benz AG dort eine große Teststrecke für Fahrzeuge. Für das Vorhaben hätten zahlreiche Bauern Land abgeben müssen, auch Flinner. Viele Landwirte wehrten sich, weil sie um ihre Existenz fürchteten.
Bundschuh
1979 wurde Flinner stellvertretende Vorsitzende der Bundschuh-Genossenschaft, eines Zusammenschlusses betroffener Bauern mit Umwelt- und Naturschützern. Der Name erinnerte an die Bundschuh-Bewegung der Bauernaufstände des frühen 16. Jahrhunderts, die gerade in Franken und Baden ihren Schwerpunkt gehabt hatten. Der Konflikt wurde bundesweit bekannt und beschäftigte über Jahre die Gerichte und die Öffentlichkeit; die Teststrecke wurde in Boxberg schließlich nicht gebaut. Das Bundesverfassungsgericht hatte 1987 die Enteignungen für das Projekt für verfassungswidrig erklärt, weil eine private Teststrecke kein ausreichendes Gemeinwohl begründe.
Gemeinderätin
Von 1980 bis 1987 war Flinner Ortschaftsrätin in Boxberg-Bobstadt und Gemeinderätin in Boxberg. In der Kommunalpolitik setzte sie die Arbeit fort, die mit dem Widerstand gegen die Teststrecke begonnen hatte. 1984 trat sie den Grünen bei, die damals noch eine junge Partei waren und in der Landwirtschaft eine Gegenposition zur intensiven Agrarpolitik formulierten.
Erste Landwirtin im Bundestag
1987 zog Flinner als erste Landwirtin in den Bundestag ein. Bis dahin hatten zwar viele Landwirte im Parlament gesessen, vor allem in Union und FDP, aber keine Frau mit diesem Beruf. In ihre Wahlperiode fielen die Diskussionen um Milchquoten, Überschüsse und Flächenstilllegung in der Europäischen Gemeinschaft, die kleinbäuerliche Betriebe unter Druck setzten. Als Bäuerin aus einem Familienbetrieb, die selbst wusste, was Arbeit im Stall und auf dem Feld bedeutet, vertrat sie eine Perspektive, die im Agrarausschuss sonst kaum zu hören war.
Nach dem Mandat
1990 schied Flinner nach einer Wahlperiode aus; bei der Wahl im Dezember scheiterten die westdeutschen Grünen an der Fünfprozenthürde. Die Stammdaten nennen sie Bäuerin, evangelisch, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Ihr Weg vom lokalen Widerstand in den Bundestag steht für eine Gründergeneration der Grünen, die aus Bürgerinitiativen kam.
Mandate im Überblick
Flinner zog 1987 über die baden-württembergische Landesliste der Grünen in den Bundestag ein, als die Partei mit 8,3 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis erzielte, und blieb eine Wahlperiode:
- 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Landesliste Baden-Württemberg, Fraktion Die Grünen, Fraktion Die Grünen/Bündnis 90
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).