Rektor, Reformpädagoge, Gegner der Nationalsozialisten und Oberbürgermeister von Bielefeld: Artur Ladebeck, geboren am 17.04.1891 in Berlin, gehörte dem Bundestag von 1953 bis 1957 an. Er starb am 12.10.1963 in Bielefeld.
Kurzprofil
- Geboren: 17. April 1891 in Berlin
- Gestorben: 12. Oktober 1963
- Beruf: Lehrer, Rektor, Oberbürgermeister
- Partei: SPD
- Bundestag: 1953 bis 1957 (2. Wahlperiode), stets direkt gewählt
Schule
Der Sohn eines Regierungsbeamten war im Ersten Weltkrieg Offizier und heiratete Luise Friedrichs; 1917 kam ihr Sohn zur Welt. Nach dem Lehramtsstudium wurde er Volksschullehrer an der ersten Bürgerschule in Bielefeld. 1919 trat er der SPD bei und warb für weltliche statt konfessioneller Schulen. Ab 1928 war er Rektor, ab 1930 leitete er die erste Sammelschule der Stadt. Ab 1927 saß er im Stadtrat, von 1928 bis 1933 führte er die Bielefelder SPD.
Verfolgung
1933 wurde Ladebeck aus dem Schuldienst entlassen und von September bis November in Haft genommen, unter anderem wegen Abhörens ausländischer Sender. Am 16. Januar 1934 wurde er im Zuge der Ermittlungen gegen die Widerstandsgruppe Roter Stoßtrupp erneut festgenommen, entging aber einem Prozess. 1936 folgte eine kurze Haft, 1944 im Rahmen der Aktion Gitter eine von zwei Monaten. Er arbeitete als Arbeiter und kaufmännischer Angestellter.
Oberbürgermeister
Vom 21. Juli bis 31. Dezember 1945 war Ladebeck Landrat des Landkreises Bielefeld. Nach Josef Niestroy wurde er 1946 Oberbürgermeister und blieb es bis 1952; dann wählte der Rat mit Stimmen des BHE Hermann Kohlhase. Nach einer Änderung des Wahlgesetzes wurde Ladebeck erneut gewählt und blieb bis 1961. In seine Zeit fiel der Wiederaufbau der zerstörten Stadt.
Bundestag
Im Wahlkreis Bielefeld-Stadt holte Ladebeck 1953 41,8 Prozent der Erststimmen. Er gehörte dem Ausschuss für Kommunalpolitik an, bis März 1955 auch dem für Kulturpolitik. Die Protokolle verzeichnen eine einzige Wortmeldung mit 33 Wörtern in 227 Sitzungen; Ladebeck war zugleich Oberbürgermeister. An 145 von 154 namentlichen Abstimmungen nahm er teil, 115-mal mit Ja, 29-mal mit Nein und einmal mit Enthaltung; die fünf Abweichungen fallen in eine Wahlperiode mit unsicheren Daten.
Europa
1950 gründete Ladebeck den Rat der Gemeinden Europas mit, 1953 auch den Internationalen Rat; als erster Deutscher wurde er dessen Ehrenmitglied. In Bielefeld trägt die Artur-Ladebeck-Straße seinen Namen. Als Oberbürgermeister kümmerte er sich besonders um die Neugestaltung des Schulwesens, um Kulturförderung und den Wirtschaftsraum Bielefeld. Vor 1933 gehörte er aktiv dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an, ab 1924 auch dem Gesamtschulausschuss der Stadt.
Stammdaten
Die Stammdaten nennen ihn Lehrer, Rektor und Oberbürgermeister, ohne Angaben zu Religion und Familienstand. Verfolgung, Haft und Landratsamt fehlen dort. Der Bundesversammlung 1954 blieb er laut Handbuch entschuldigt fern.
Mandate im Überblick
Ladebeck gewann 1953 den Wahlkreis 106 Bielefeld-Stadt direkt:
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Direktmandat, SPD-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).