Mit der Kennzeichnungsverordnung kamen 2006 die Feinstaubplaketten und das Verkehrszeichen Umweltzone. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 16/3686) vom 29. November 2006 fragte, was das für Oldtimer bedeutet. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/3858) kam mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 12. Dezember 2006.
Worum es ging
Die Fragesteller weisen darauf hin, dass Städte auf Basis von Luftreinhalteplänen Fahrverbote aussprechen können, die auch Oldtimer treffen. Deren Anteil an der Feinstaubbelastung dürfte wegen der geringen Jahresfahrleistung gering sein, einzelne Städte hätten Ausnahmen angekündigt.
Wie viele Oldtimer es gibt
- Mit Erstzulassung vor dem 1. Januar 1976 waren 1 316 686 Kraftfahrzeuge zugelassen.
- Ein H-Kennzeichen hatten 152 817 Fahrzeuge. Zu Fahrzeugen mit rotem 07-Kennzeichen gibt es keine Zahlen, weil im Zentralen Fahrzeugregister nur die Inhaber dieser Wechselkennzeichen erfasst sind.
- Nach Alter: 48 473 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen waren über 30 bis 35 Jahre alt, 44 130 über 35 bis 40, 26 113 über 40 bis 45, 16 963 über 45 bis 50 und 15 799 über 50 Jahre. Dazu kommen 651 ohne Datumsangabe und 688 in einer Zeile, die in der Drucksache mit über 30 bis 30 Jahre beschriftet ist.
- 1 657 991 Fahrzeuge waren 20 bis 30 Jahre alt, also potenzielle Oldtimer der nächsten zehn Jahre. Weil rund 11,6 Prozent der vor 1976 zugelassenen Fahrzeuge ein H-Kennzeichen tragen, rechnet die Bundesregierung bei gleichem Trend mit etwa 200 000 zusätzlichen H-Kennzeichen in zehn Jahren.
Fahrleistung und Wirtschaft
Ein Pkw fuhr 2005 im Schnitt 12 700 Kilometer im Jahr. Für Oldtimer nennt die Antwort 6 600 Kilometer im Jahr 2002, nach einer Fahrleistungserhebung im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen. Oldtimer seien ein wachsender Markt und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für traditionelle Handwerksberufe. Eine eigene Statistik führt der Bund nicht. Laut Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes gab es rund 1 500 Fachwerkstätten für Oldtimer. Zu Beschäftigten und Umsatz liegen keine Angaben vor.
Wie sauber Oldtimer sind
Nach Berechnungen des Umweltbundesamts machen Oldtimer nur rund 0,44 Prozent des Pkw-Bestands aus. Trotz geringerer Fahrleistung verursachen sie aber rund 6 Prozent der Kohlenmonoxid-, 5 Prozent der Kohlenwasserstoff- und 3 Prozent der Stickoxid-Emissionen aller Otto-Pkw. Im Vergleich zu einem Euro-4-Benziner stoßen sie 35-mal mehr Kohlenmonoxid, 60-mal mehr Kohlenwasserstoffe und 45-mal mehr Stickoxide aus. Ihr Anteil am Feinstaub lässt sich nicht beziffern.
Ausnahmen
- Umweltzonen waren Ende 2006 noch nicht ausgewiesen, Informationen über geplante Ausnahmen lagen nicht vor.
- Eine bundesweite Ausnahme hielt die Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt für nicht erforderlich. Die Länderbehörden hätten genug Spielraum, über Ausnahmen solle vor Ort je nach Belastung entschieden werden.
- Das H-Kennzeichen als Ersatz für die Plakette lehnte sie vorerst ab: Bei der Begutachtung nach § 23 StVZO wird unter anderem die Verkehrssicherheit geprüft, die Umwelteigenschaften werden aber nicht bewertet.
- Mit mehr Erfahrung wollte die Bundesregierung eine allgemeine Ausnahme aber noch einmal prüfen, auch mit Blick auf Brauchtum und Kulturgut.
Späterer Stand
Die Ausnahme kam: Nach dem heutigen Anhang 3 Nr. 10 der 35. BImSchV sind Oldtimer mit H-Kennzeichen (§ 9 Abs. 1 Fahrzeug-Zulassungsverordnung) oder rotem Oldtimerkennzeichen (§ 17) von Verkehrsverboten in Umweltzonen auch ohne Plakette ausgenommen.
Einordnung
Die Antwort zeigt beide Seiten: Oldtimer fahren wenig, sind pro Kilometer aber sehr schmutzig. 2006 wollte der Bund die Frage den Ländern überlassen, später wurde die Ausnahme bundesweit geregelt. Um Verkehr und Umwelt geht es auch in unserem Beitrag zum Winter 2009/2010.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 16/3686 vom 29.11.2006
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 16/3858 vom 14.12.2006
- 35. BImSchV, Anhang 3
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
