Goldmünze zum Abschied von der D-Mark: Wozu die Stiftung „Geld und Währung“?

Zum Abschied von der D-Mark gab die Bundesbank eine 1-DM-Münze aus Gold heraus. Der Nettoerlös sollte bis zu 100 Mio. DM in eine neue Stiftung „Geld und Währung“ fließen. Wozu das gut sein soll, fragten Abgeordnete der F.D.P. in einer Kleinen Anfrage (Drucksache 14/4949). Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 14/5037) übermittelte das Finanzministerium mit Schreiben vom 27. Dezember 2000, dem Tag, an dem auch das Gesetz dazu ausgefertigt wurde.

Die Zweifel

Laut den Fragestellern war der Sinn einer solchen Stiftung angesichts des Niveaus der deutschen Geldforschung „unklar“. Sie fragten unter anderem, ob die Stiftung als Absetzbewegung von der Europäischen Zentralbank verstanden werden könnte, warum man nicht gleich das neue Forschungszentrum der Bundesbank besser ausstatte und ob man das Geld nicht für die Berliner Museumsinsel nehmen solle.

Deutsche Forscher unterrepräsentiert

Die Bundesregierung räumte ein: Es gebe in Deutschland einige international anerkannte Geld- und Währungsforscher, insgesamt seien deutsche Wissenschaftler aber unterrepräsentiert. Das zeigten Zitationsanalysen und die geringe Präsenz im europäischen Forschernetzwerk CEPR. Ein Dialog des Finanzministeriums mit Fachleuten habe mehrere Lücken ergeben:

  • Die Kluft zwischen Theorie und Politikberatung
  • Zu wenig empirische Forschung mit europäischen Daten, etwa zum geldpolitischen Transmissionsmechanismus
  • Die Rolle geldpolitischer Institutionen
  • Ursachen und Vorbeugung von Währungs- und Bankenkrisen

Sachverständigenrat und Wirtschaftsinstitute äußerten sich zwar kompetent zur Geldpolitik, betrieben aber keine Grundlagenforschung. Neuland sei die Förderung rechtswissenschaftlicher Forschung zum Geldwesen.

Kein Affront gegen die EZB

Den Verdacht einer Absetzbewegung wies die Regierung zurück. Die EZB habe in ihrer Anhörung zum Gesetz ausdrücklich begrüßt, dass das Bewusstsein für Geldwertstabilität gefördert werden soll. Die Formulierung, die Stiftung solle auch „mögliche Alternativen zur aktuellen Geld- und Währungspolitik“ erforschen, sei ein Hinweis auf Forschungsfreiheit, nicht auf Forschung gegen das Eurosystem.

Die Arbeitsteilung: Die Stiftung fördert Grundlagenforschung an Hochschulen, das Forschungszentrum der Bundesbank arbeitet anwendungsnäher und wird von der Bank selbst finanziert. Eine direkte Finanzierung des Zentrums mit dem Münzerlös hatte die Regierung nicht erwogen, eine andere Verwendung des Erlöses ebenfalls nicht.

Dass die Bundesbank viele Volkswirte an die EZB verloren hatte, bestätigte die Antwort. Von einer „schleichenden Auszehrung“ könne aber keine Rede sein. Wer in den Vorstand kommt, wollte die Regierung nicht sagen: Den bestellt der Stiftungsrat mit Sechs-Siebtel-Mehrheit.

Und die Museumsinsel?

Die solle schon genug bekommen, so die Antwort, nämlich zehn Jahre lang 25 Mio. DM jährlich als Sonderleistung des Bundes für Berlin, dazu Mittel aus der Hauptstadt-Kulturförderung. Ganz leer ging die Museumsinsel bei der Goldmünze trotzdem nicht aus: Nach § 8 des Goldmünzengesetzes fließt der Nettoerlös oberhalb von 100 Mio. DM an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zweckgebunden für die Sanierung der Museumsinsel.

Späterer Stand

Laut einer Pressenotiz der Bundesbank vom 18. Januar 2002 wurde die Stiftung am 1. Januar 2002 errichtet und erhielt rund 51 Mio. Euro (100 Mio. DM) aus dem Münzerlös. Sie forscht nicht selbst, sondern finanziert Stiftungslehrstühle, Forschungsprofessuren und Einzelprojekte.

Gefördert wird unter anderem das Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Juli 2026 vereinbarten Stiftung und Universität, die Grundfinanzierung des Instituts von 2027 bis 2037 zu verlängern. Die Stiftung trägt dafür insgesamt 5,5 Mio. Euro bei, wie das IMFS mitteilte. Mehr zur Stiftung steht bei Wikipedia.

Einordnung

Gold und Bundesbank, das passt auch zu unserem Beitrag über die Herkunft der Goldreserven der Bundesbank.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.