Glasfaserregen über der Pfalz: Der Düppel-Vorfall von 1996

Im Oktober 1996 fanden Menschen rund um Pirmasens, Waldfischbach-Burgalben und Trippstadt seltsame Faserbüschel in Gärten und auf Wiesen. Es waren Düppel, also Material, mit dem Flugzeuge feindliches Radar täuschen. Grünen-Abgeordnete wollten in einer Kleinen Anfrage wissen, wer dafür verantwortlich war und ob die Fasern gefährlich sind (Drucksache 13/6155). Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 13/6543) übermittelte das Verteidigungsministerium mit Schreiben vom 6. Dezember 1996.

Was da vom Himmel fiel

Laut Antwort handelte es sich um metallbedampfte Glasfasern. Flugzeuge stoßen sie aus, damit radargelenkte Waffen sie nicht erfassen können, etwa bei simulierten Abfangübungen oder gegen Feuerleitradare am Boden. Das Ministerium nannte das Üben damit einen „unverzichtbaren Bestandteil der Einsatzausbildung“. Die Fragesteller hatten sich auf einen Bericht der „Pirmasenser Rundschau“ vom 19. Oktober 1996 gestützt und von erheblichen Gesundheitsgefahren gesprochen.

Wer war es?

Eine klare Antwort gab es nicht. Nach dem Abschuss eines italienischen Transportflugzeugs im ehemaligen Jugoslawien hatten Deutschland und andere NATO-Staaten ihre Transporter mit Selbstschutzanlagen ausgerüstet. Zum Üben gab es in Europa neben einer Anlage in Großbritannien nur die trinationale Übungseinrichtung für elektronische Kampfführung POLYGONE in der Südpfalz und im Elsass. Transportflugzeuge müssen wegen ihrer Größe mehr Düppel ausstoßen als Kampfjets. Deshalb wurde dort zuletzt mehr Material eingesetzt.

Deutsche Flugzeuge waren es laut Prüfung in keinem Fall. Welche Übung genau dahintersteckte, ließ sich nicht klären, auch Zeugenhinweise reichten nicht aus. Verstöße gegen Anmeldeverfahren durch Verbündete seien nicht bekannt.

Gefährlich? Laut Regierung nicht

Düppel aus Kunststoff- oder Glasfasern seien ungiftig. Normalerweise verwirbeln sie so stark, dass am Boden kaum etwas zu sehen ist. Das Material über Pirmasens sei durch Überlagerung, Nässe oder elektrostatische Aufladung verklumpt gewesen, also fehlerhaft, „bedauerliche Ausnahmen“. Eine Gesundheitsgefahr habe „zu keinem Zeitpunkt“ bestanden. Eine Kontaminierung sei nicht eingetreten, Reinigungskosten entstünden daher nicht. Wo Reste gemeldet wurden, rückten Umweltschutzbeauftragte und Wallmeistertrupps der Bundeswehr aus.

Was man nicht wusste

Wie viel Material abgeworfen und wieder eingesammelt wurde, war der Regierung unbekannt. Auch Mengen und Orte früherer Düppel-Einsätze in Deutschland seit dem Krieg wurden nie erfasst. Insgesamt sei das Üben mit Düppeln seit Mitte der 80er stark rückläufig.

Als Konsequenz ruhte der Düppel-Ausstoß aus Transportflugzeugen im deutschen Teil von POLYGONE seit dem 29. Oktober 1996, bis die Untersuchungen abgeschlossen waren. Dringende Übungen durften aber weiter in Frankreich stattfinden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Die Abwürfe hätten nach Erkenntnissen der Regierung aber im Rahmen der geltenden Bestimmungen stattgefunden.

Späterer Stand

Düppel blieben ein Thema: 2009 ging es im Bundestag um rätselhafte „Geisterwolken“ auf dem Wetterradar, die ebenfalls auf Düppel zurückgingen. Darüber haben wir in unserem Beitrag zu Geisterwolken auf dem Radar berichtet. Zur Technik siehe auch Wikipedia.

Einordnung

Die Antwort beruhigt bei der Gesundheit, bleibt aber bei Verursacher und Mengen auffällig leer. Den Gegenpol zur Übungsroutine zeigt unser Beitrag über die Flugshow am Tag der Bundeswehr.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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