„ergo“: Die teure Kulturzeitschrift des Auswärtigen Amts für das Ausland 1981

Eine repräsentative deutsche Kulturzeitschrift für das Ausland sollte es werden, doch 1980 gab es nur Null-Nummern. Anfang 1981 fragten Abgeordnete, was aus „ergo“ wird und was das Projekt kostet (Kleine Anfrage, Drucksache 09/202). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt mit Schreiben vom 12. März 1981 (Antwort (Drucksache 09/227)).

Was die Fragesteller wissen wollten

Laut Vorspann waren 1980 drei Null-Nummern von „ergo“ erschienen, die erste sei sehr kritisch und teils scharf ablehnend aufgenommen worden. Inzwischen habe die Regierung die volle Subventionierung aufgegeben. Der bisherige „Kulturbrief“ von Inter Nationes sei schon Anfang 1980 eingestellt worden, so dass eine Lücke entstanden sei. Gefragt wurde nach der dritten Null-Nummer, dem Chefredakteur, den Kosten, einer Abnahmegarantie und dem „Kulturbrief“.

Was die Regierung antwortete

  • Vorgeschichte: Die Idee stamme von der Enquête-Kommission Auswärtige Kulturpolitik des Bundestages, deren Bericht das Plenum am 7. Mai 1976 einmütig billigte. Die Regierung hatte die Zeitschrift ab 1979 angekündigt.
  • Verlag: Nach einer Ausschreibung unter 17 Verlagen erhielt der Carl Hanser Verlag in München 1979 den Auftrag für eine erste Null-Nummer.
  • Null-Nummern: Die zweite Null-Nummer vom Mai 1980 sei besser beurteilt worden als die erste, habe aber erneut gewichtige Einwände ausgelöst. Die dritte habe der Verlag aus eigener Initiative vorgelegt, nicht im Auftrag der Regierung.
  • Chefredaktion: Vorgeschlagen hatte die Regierung den stellvertretenden Chefredakteur der „Zeit“, Rudolf Walter Leonhardt. Er bat bald um Entlassung aus dem Vertrag, einer Nachfolgeregelung stimmte die Regierung nicht zu.
  • Kosten: Das Finanzierungsmodell des Verlags sah 1980 rund 1,5 Mio. DM für vier Ausgaben in drei Sprachen vor. Ab 1981 sollten zwölf Ausgaben in fünf Sprachen jährlich rund 4,4 Mio. DM kosten. Der Haushalt 1980 enthielt 3 Mio. DM und Verpflichtungsermächtigungen von 4,5 bis 4,6 Mio. DM für 1981 bis 1983.
  • Keine Garantie: Eine fast einhellig ablehnende Kritik der Fachwelt gebe es nicht. Eine Abnahmegarantie habe die Regierung nicht angeboten. Sie habe den Verlag lediglich gefragt, ob er die Zeitschrift selbst herausgebe, wenn der Bund einen Teil der Auflage im Rahmen von 1,06 Mio. DM abnehme.
  • Kulturbrief: Dafür gab der Bund 1978 560 000 DM und 1979 508 000 DM aus. Ein Ersatz werde erst geprüft, falls „ergo“ scheitere.

Der Grund für die Kehrtwende war nach der Antwort vor allem die schlechtere Haushaltslage seit dem Frühsommer 1980. Eine abschließende Stellungnahme des Verlags stand noch aus.

Späterer Stand

Laut Wikipedia war der Kulturjournalist Lothar Romain 1980 bis 1981 Chefredakteur von „ergo“. Der Herausgeber des eingestellten Kulturbriefs, Inter Nationes, fusionierte im Jahr 2000 mit dem Goethe-Institut.

Weitere Kleine Anfragen mit Antworten der Bundesregierung gibt es in der Übersicht auf severint.net, etwa zum Haus der Kulturen der Welt oder zu Gastgeschenken des Auswärtigen Amts.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.