Kann Thorium das knappe Uran als Kernbrennstoff ersetzen? Die Fragesteller wollten 1980 wissen, wie die Bundesregierung Vorräte, Reaktortechnik und Weiterverbreitungsrisiken des Thoriums einschätzte (Kleine Anfrage, Drucksache 08/4197). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage durch den Bundesminister für Forschung und Technologie mit Schreiben vom 1. Juli 1980 (Antwort (Drucksache 08/4383)).
Was die Fragesteller wissen wollten
Ohne längeren Vorspann stellten die Fragesteller acht Fragen. Es ging um die Thoriumvorräte der Welt, die Reaktortypen, in denen Thorium einsetzbar ist, und die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen. Gefragt wurde auch, ob der Hochtemperaturreaktor die Versorgung für etwa 100 Jahre mit wenig Natururan sichern könne, welche Bedeutung Thorium langfristig habe und welche Förderung gekürzt werden solle.
Was die Regierung antwortete
- Vorräte: Nach einem Bericht von OECD und IAEA vom Dezember 1979 gebe es 1 073 000 Tonnen sichere und 2 745 000 Tonnen vermutete abbauwürdige Thoriumvorräte. Bei Uran seien es 2 590 000 und 2 450 000 Tonnen. Die größten sicheren Thoriumvorräte hätten die Türkei mit 330 000, Indien mit 319 000, Norwegen mit 132 000 und die USA mit 122 000 Tonnen.
- Keine Engpässe: Die internationale Bewertung des nuklearen Brennstoffkreislaufs (INFCE) erwarte bei Thorium keine Versorgungsprobleme.
- Reaktoren: Thorium könne in allen thermischen Reaktoren Uran 238 als Brutstoff ersetzen. Sein Vorteil komme aber nur mit hochangereichertem Uran von etwa 93 Prozent voll zum Tragen.
- Weiterverbreitung: Die Risiken glichen in vielem denen des Uran-Plutonium-Kreislaufs. Hochangereichertes Uran verlange besonders strenge Kontrollen und lasse sich mit sogenanntem denaturiertem Brennstoff nur an einigen Stationen vermeiden.
- Keine Unabhängigkeit: Nach einer Studie der Kernforschungsanlage Jülich verbrauche ein System aus Leichtwasserreaktoren und Schnellen Brütern in 100 Jahren rund 380 000 Tonnen Natururan, eines mit Hochtemperaturreaktoren rund 550 000 Tonnen. Der Hochtemperaturreaktor bringe also auch langfristig keine Unabhängigkeit von Uranimporten.
- Aufarbeitung: Verfahren zur Wiederaufarbeitung von Thoriumbrennstoff seien nicht ausreichend erprobt, die nächsten Hochtemperaturreaktoren sollten mit niedrig angereichertem Uran laufen.
- Förderung eingestellt: Die Förderung der Aufarbeitung thoriumhaltiger Brennstoffe in Jülich werde beendet. Ein zweiter Brennstoffkreislauf im nationalen Alleingang sei nicht vertretbar.
Die Antwort setzte klar auf den Schnellen Brüter. Thorium könne erst Bedeutung erlangen, wenn Brutreaktoren thermische Reaktoren mit Spaltstoff versorgen müssten.
Späterer Stand
Laut Wikipedia wurde der Hochtemperaturreaktor THTR-300 in Hamm 1983 testweise in Betrieb genommen und 1987 an den Betreiber übergeben. Im September 1989 wurde er nach nur 423 Tagen Volllastbetrieb endgültig stillgelegt.
Weitere Kleine Anfragen mit Antworten der Bundesregierung gibt es in der Übersicht auf severint.net, etwa zur Plutonium im Untergrund und Schacht Konrad oder zu Uran in Fliesenglasuren.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 08/4197
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 08/4383, Schreiben vom 1. Juli 1980
- Kernkraftwerk THTR-300 (Wikipedia)
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
