Plutonium kann im Untergrund weiter wandern als lange gedacht, berichtete Anfang 1999 die Fachzeitschrift Nature. Was das für deutsche Endlagerpläne bedeutet, fragte eine Kleine Anfrage (Drucksache 14/340) vom 28. Januar 1999. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 14/405) übermittelte das Bundesumweltministerium laut Drucksache mit Schreiben vom 17. Februar 1999.
Der Anlass
Laut den Fragestellern hatte Nature (Bd. 397, S. 56) über Untersuchungen eines Teams um Annie Kersting vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien berichtet. Die Forscher hatten die Verteilung von Plutonium in der Wüste von Nevada untersucht, und demnach verbreitet sich Plutonium im Erdinneren weiträumiger als von Experten bisher angenommen. Die Fragesteller wollten wissen, ob es in Deutschland vergleichbare Untersuchungen gibt und wie das in die Sicherheitsrechnungen für das geplante Endlager Schacht Konrad einfließt.
Keine Zweifel an der Studie
Die Bundesregierung hatte den Bericht laut Antwort zur Kenntnis genommen und sah „keinen Anlaß, an der Richtigkeit der Ergebnisse zu zweifeln“. Direkt vergleichbare Messungen seien in Deutschland aber nicht möglich, denn die Experimente in Nevada fanden im Umfeld unterirdischer Kernwaffenversuche statt. Auch Versuche direkt in tiefen geologischen Formationen habe es aus Genehmigungsgründen nicht gegeben.
Stattdessen gebe es umfangreiche Labordaten aus Sorptionsexperimenten, die seit 1981 laufen, finanziert vom Bund, von den Abfallverursachern und von der EU. Für das Endlager Morsleben und das Projekt Gorleben sei gezielt nach natürlich vorkommenden Kolloiden gesucht worden, also winzigen Partikeln, an die sich radioaktive Stoffe heften und mit denen sie wandern können.
Nichts Neues für die Wissenschaft
Den kolloidgetragenen Transport habe man in Deutschland schon Anfang der 80er Jahre erkannt und seither intensiv untersucht, schrieb die Regierung. Die Messungen in Nevada bestätigten die deutschen Laborergebnisse, am Stand der Wissenschaft ändere der Bericht nichts. Forschung zum Verhalten radioaktiver und anderer giftiger Stoffe im Untergrund wolle sie weiter unterstützen.
Ein Zentimeter in 1 000 Jahren
Für Schacht Konrad argumentierte die Regierung so: Kolloide könnten die Beweglichkeit radioaktiver Stoffe im Grundwasser erhöhen, schneller als das Grundwasser selbst würden sie aber auch im ungünstigsten Fall nicht wandern. Die kürzeste berechnete Laufzeit des Grundwassers vom Einlagerungsbereich bis in die Biosphäre liege bei etwa 300 000 Jahren. Neuere Modelle, die den Salzgehalt des Grundwassers berücksichtigen, kämen auf über eine Million Jahre.
Selbst diese Rechnungen lägen „auf der sicheren Seite“. Naturbeobachtungen zeigten, dass sich die tiefen Grundwässer vor allem durch Diffusion bewegten, mit nur einem Zentimeter in 1 000 Jahren, und mindestens zehn Millionen Jahre alt seien. Deshalb könne auch Plutonium auf Kolloiden die Biosphäre nicht erreichen.
Späterer Stand
Das niedersächsische Umweltministerium genehmigte Konrad mit dem Planfeststellungsbeschluss vom 22. Mai 2002; nach mehreren Klagen bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Genehmigung 2007. Laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung soll zu Beginn der 2030er Jahre die Einlagerung von bis zu 303 000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle beginnen.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 14/340, unterzeichnet am 28. Januar 1999
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 14/405 vom 23. Februar 1999
- BGE: Endlager Konrad
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
