Nach Pressemeldungen vom März 1970 hatten die USA in der OECD erklärt, Europa könne im Fall einer neuen Nahostkrise nicht mit zusätzlichem amerikanischem Öl rechnen. Abgeordnete fragten, ob das stimme und was die Regierung tun wolle (Kleine Anfrage, Drucksache 6/654). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft gab die Antwort (Drucksache 6/756) am 6. Mai 1970.
Die Ausgangslage
Laut den Fragestellern hatte Staatssekretär Detlev Karsten Rohwedder nach Pressemeldungen vom 26. März 1970 berichtet, Vertreter der US-Regierung hätten im zuständigen OECD-Ausschuss mitgeteilt, Europa könne bei einer neuen Nahostkrise nicht mit zusätzlichen Öllieferungen aus den USA oder anderen amerikanischen Staaten rechnen. Die Fragesteller wollten wissen, ob das zutreffe und wie die Regierung, neben längeren Fristen für die Vorratshaltung, die Energieversorgung sichern wolle.
Die Antwort
- Äußerungen treffen zu: Der amerikanische Delegierte habe in der High-Level-Group des Ölausschusses der OECD erklärt, die Reservekapazität der US-Ölindustrie gehe zurück. Ab 1975 könne Europa im Krisenfall nicht mehr auf amerikanische Ölvorräte zurückgreifen.
- Hintergrund in Washington: Die Erklärung hänge mit der Überprüfung der US-Ölimportpolitik durch einen von Präsident Nixon eingesetzten Kabinettsausschuss zusammen, dessen Bericht am 20. Februar 1970 veröffentlicht worden sei. Das State Department solle die Ergebnisse mit den NATO-Verbündeten besprechen.
- „Sehr ernst“: Die Bundesregierung nehme diese Darlegungen sehr ernst.
- Unterirdische Lager: Neben den Beratungen in der OECD und der EG-Kommission werde die Regierung rasch alle Möglichkeiten zusätzlicher unterirdischer Einlagerung von Rohöl prüfen. Die geologischen und technischen Fragen untersuche die Bundesanstalt für Bodenforschung, einschließlich Kostenanalysen. Die Mineralölwirtschaft sei zur Zusammenarbeit bereit.
- Bevorratungsgesetz: An eine Verbesserung des Mineralölbevorratungsgesetzes sei wohl erst zu denken, wenn über die seit 1967 anhängige Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz entschieden sei.
Späterer Stand
Von 1974 bis 1981 baute der Bund eine Bundesrohölreserve von 7,32 Millionen Tonnen auf, gelagert in künstlich angelegten Kavernen unter anderem bei Wilhelmshaven, Bremen und Hamburg. 1978 wurde zudem der Erdölbevorratungsverband gegründet (Wikipedia: Strategische Ölreserve).
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 6/654 vom 21.04.1970
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 6/756 vom 06.05.1970
- Wikipedia: Strategische Ölreserve
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
