Köpfe: Valérie Portheret

Valérie Portheret (* 31. August 1969) ist eine französische Historikerin. Sie ist als Lehrkraft und assoziierte Forscherin mit der Forschungseinheit LARHRA an der Université Lumière Lyon 2 verbunden. Bekannt ist sie für ihre Forschung zur Rettung von 108 jüdischen Kindern aus dem Lager Vénissieux bei Lyon im August 1942. Ihr Geburtsdatum nennt die Autorenkartei der Französischen Nationalbibliothek (BnF); in älteren Veröffentlichungen erscheint sie unter dem Namen Valérie Perthuis beziehungsweise Perthuis-Portheret.

Zum Hintergrund: Am Morgen des 26. August 1942 wurden im Auftrag der Vichy-Regierung 1.016 ausländische Juden in der Region Lyon festgenommen und in ein stillgelegtes Militärlager in Vénissieux gebracht. Nach der Darstellung des Lyoner Museums CHRD durften dort Gilbert Lesage, Chef des Sozialdienstes für Ausländer in Vichy, Pater Chaillet und Abbé Glasberg von der Amitié chrétienne, Claude Gutmann von den Éclaireurs israélites de France und ein Team des jüdischen Kinderhilfswerks OSE hinein. Sie überzeugten die Familien, Erklärungen zu unterzeichnen, mit denen sie die Kinder der Amitié chrétienne anvertrauten. Am 29. August brachten drei Busse die 108 geretteten Kinder in ein ehemaliges Lyoner Kloster. Nach den Angaben des Verlags von Portherets Buch wurden 545 Erwachsene über Saint-Priest nach Drancy und von dort nach Auschwitz gebracht, wo die große Mehrheit ermordet wurde.

Portheret schildert, ihr Interesse sei 1993 bei einem Besuch eines Schlosses in Peyrins (Drôme) geweckt worden, in dem im Krieg Kinder untergebracht waren: Im Aufnahmebuch stand vor einigen Namen mit Bleistift ein „V“, das sich als Hinweis auf Vénissieux herausstellte. Serge Klarsfeld habe ihr noch 1993 in einer Widmung gewünscht, sie möge die Liste der Kinder rekonstruieren. Nach ihrer eigenen Darstellung identifizierte sie später 90 der 108 Kinder und sprach mit vielen von ihnen sowie mit vier Rettern. 2003 wies sie in den Archives départementales du Rhône 82 von den Eltern unterzeichnete Erklärungen nach, mit denen diese die Kinder der Amitié chrétienne anvertraut hatten.

Ihre Arbeiten: 1997 legte sie unter dem Namen Perthuis an der Universität Lyon 3 eine Maîtrise-Arbeit über „Le sauvetage des enfants juifs du camp de Vénissieux : le 26 août 1942“ vor. 2012 erschien bei den Éditions lyonnaises d’art et d’histoire ihr Buch „Lyon contre Vichy“. Am 15. Dezember 2016 verteidigte sie an der Université Lumière Lyon 2 bei Laurent Douzou ihre Doktorarbeit „Lyon contre Vichy. ‚L’affaire de Vénissieux‘ (26–29 août 1942). Histoire et mémoires d’un sauvetage emblématique“. Daraus entstand das Buch „Vous n’aurez pas les enfants“, das am 6. Februar 2020 bei XO Éditions herausgekommen ist; der Titel zitiert ein Flugblatt der Résistance, das sich gegen die Auslieferung der Kinder richtete. Die Fondation Seligmann zeichnete das Buch 2020 mit ihrem Prix Seligmann aus. 2025 erschien bei Glénat eine Comic-Adaption von Arnaud Le Gouëfflec und Olivier Balez, als deren Mitautorin sie genannt wird.

Weitere Angaben zu ihrem Werdegang, etwa Auszeichnungen oder Funktionen, die ich nicht unabhängig bestätigen konnte, lasse ich weg; auch ihren Geburtsort habe ich nicht aus einer belastbaren Quelle belegen können und nenne ihn deshalb nicht. Über Privates schreibe ich bewusst nichts. Die Rettungsaktion beschreibt das Lyoner Museum CHRD; meine Angaben beruhen außerdem auf der BnF, dem Verlag XO, dem LARHRA, der Fondation Seligmann und Glénat.

Stand: 27. Oktober 2026

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