Am 2. Februar 1965 fragten die Fragesteller, wie viele Frauen an deutschen Universitäten und Hochschulen wissenschaftlich tätig sind und wie sie im Ausland dastehen (Drucksache 4/3023). Das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung beantwortete die Kleine Anfrage am 17. Februar 1965 für die Bundesregierung, in Vertretung unterzeichnet von Dr. Cartellieri (Antwort, Drucksache 4/3093).
Die Ausgangslage
Die Fragesteller stellten vier Fragen: Wie viele Frauen sind in welchen Funktionen an Hochschulen tätig, und wie hoch ist ihr Anteil am Lehrkörper? Wie sieht es in vergleichbaren Staaten aus? Trifft es zu, dass Frauen bei Habilitationen und Berufungen benachteiligt werden? Und trifft es zu, dass Frauen an einzelnen Hochschulen länger bis zum Staats- oder Diplomexamen brauchen als Männer?
Die Antwort
- Zahlen für 1960: Das Statistische Bundesamt hatte 1960 das Lehr- und wissenschaftliche Personal der wissenschaftlichen Hochschulen erhoben. Von 17 114 Personen seien 1032 Frauen gewesen (6 Prozent). Im Gesamtlehrkörper im engeren Sinne, also ordentliche und außerordentliche Professoren, außerplanmäßige Professoren und Dozenten, seien es 147 von 6407 gewesen (2,3 Prozent).
- Lehrstühle: Weibliche Lehrstuhlinhaber habe es lediglich 18 gegeben (0,7 Prozent), davon 6 ordentliche und 12 außerordentliche Professorinnen. Habilitierte Nicht-Ordinarien seien 129 Frauen gewesen (3,5 Prozent). Rund 60 Prozent der Frauen im wissenschaftlichen Personal seien nicht habilitierte Assistentinnen gewesen.
- Verteilung: Knapp 90 Prozent der weiblichen Wissenschaftler seien an Universitäten tätig gewesen. Der Anteil sei in Philologie (besonders Germanistik), Gartenbau, Architektur, Zahnheilkunde sowie in allen medizinischen und pädagogischen Fächern relativ hoch gewesen. Etwa 40 Prozent der Wissenschaftlerinnen an Universitäten hätten in der klinischen Medizin gearbeitet.
- Neuere Zahlen: Die nächste Erhebung mit Aufschlüsselung nach Männern und Frauen werde für 1966 vorbereitet. Aus nichtamtlichen Statistiken, der Dozentinnenkartei des Deutschen Akademikerinnenbundes, gehe hervor, dass die Zahl der weiblichen Lehrstuhlinhaber von Ende 1960 bis 1964 von 18 auf 32 und die der Frauen im Gesamtlehrkörper von 147 auf 184 gestiegen sei.
- Ursachen: Eine geplante Untersuchung über die Situation der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft solle gegebenenfalls durch erweiterte Statistiken und Motivforschung klären, warum die Anteile so unterschiedlich seien.
- Ausland: Internationale Vergleiche seien wegen unterschiedlicher Hochschulbegriffe problematisch. Genannt werden Italien 1960/61 (38 von 1993 Professoren, 1,9 Prozent), Österreich 1962/63 (4 von 384 ordentlichen Professoren, 1,04 Prozent), England (2 Prozent der Professoren, 10 Prozent der Hilfskräfte und Assistenten) und Amerika (knapp 4 Prozent der Professoren).
- Benachteiligung: Für Habilitation und Berufung seien die Hochschulen und die Kultusminister der Länder zuständig. Der Bundesregierung seien keine Fälle bekannt geworden, in denen Frauen benachteiligt wurden. Aus Einzeluntersuchungen gehe lediglich hervor, dass das Habilitationsalter der Frauen im Durchschnitt höher liege.
- Studiendauer: Statistische Unterlagen zum Studienverlauf lägen nicht vor. Die Prüfungsstatistik zeige, dass in der Mehrzahl der Fächer die durchschnittliche Semesterzahl der weiblichen Kandidaten bei der Prüfungsmeldung geringer sei als die der männlichen. Im Fach Chemie habe sie 1963 bei Studentinnen 11,2 und bei Studenten 12,4 Fachsemester betragen.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 4/3023 vom 02.02.1965
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 4/3093 vom 17.02.1965
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 24.10.2026
