Sune Karl Bergström wurde am 10. Januar 1916 in Stockholm geboren und starb dort am 15. August 2004. Der schwedische Biochemiker erhielt 1982 gemeinsam mit seinem früheren Schüler Bengt I. Samuelsson und dem Briten John R. Vane den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Ausgezeichnet wurden die drei für ihre Entdeckungen über die Prostaglandine und verwandte biologisch aktive Substanzen. Bergström gelang es als Erstem, Prostaglandine in reiner Form zu isolieren und ihre chemische Struktur aufzuklären. Damit legte er die Grundlage für ein Forschungsfeld, das von der Schmerztherapie über die Geburtshilfe bis zur Magen-Darm-Medizin reicht.
Herkunft und Ausbildung
Bergström wuchs in Stockholm auf und begann seine wissenschaftliche Laufbahn am Karolinska-Institut, der renommierten medizinischen Hochschule der schwedischen Hauptstadt. Bereits als Student arbeitete er im Labor des Biochemikers Erik Jorpes, der sich mit dem gerinnungshemmenden Stoff Heparin beschäftigte. Dort lernte er die Methoden der Naturstoffchemie kennen: das mühsame Isolieren winziger Mengen hochwirksamer Substanzen aus biologischem Material.
Mit Stipendien verbrachte er Ende der 1930er- und Anfang der 1940er-Jahre Forschungsaufenthalte im Ausland, unter anderem in London und in den USA, wo er sich mit der Chemie von Gallensäuren und Steroiden beschäftigte. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Schweden zurück und wurde 1944 am Karolinska-Institut promoviert. Danach forschte er kurz in Basel in der Schweiz, bevor er 1947 eine Professur für Physiologische Chemie an der Universität Lund annahm.
Eine rätselhafte Substanz
Schon in den 1930er-Jahren hatten Forscher beobachtet, dass Samenflüssigkeit von Mensch und Tier eine Substanz enthält, die glatte Muskulatur – etwa die der Gebärmutter – zum Zusammenziehen bringt und den Blutdruck senkt. Der schwedische Physiologe Ulf von Euler untersuchte diese Wirkung genauer und gab dem unbekannten Stoff den Namen Prostaglandin, weil er ihn der Vorsteherdrüse, der Prostata, zuschrieb. Später stellte sich heraus, dass die Substanz vor allem aus den Samenbläschen stammt und dass Prostaglandine in nahezu allen Geweben des Körpers gebildet werden. Der Name blieb dennoch erhalten.
Von Euler bat Bergström Ende der 1940er-Jahre, sich der Chemie dieser Substanz anzunehmen. Das Problem: Prostaglandine kommen nur in winzigen Mengen vor, sind chemisch empfindlich und werden im Körper schnell abgebaut. Ihre Reinigung erwies sich als außerordentlich schwierig.
Die preisgekrönte Entdeckung verständlich erklärt
Bergström verfolgte das Projekt über viele Jahre. Er und seine Mitarbeiter verarbeiteten große Mengen tierischer Drüsen, insbesondere aus Schafen, um ausreichend Ausgangsmaterial zu gewinnen. Mit neuen Trennmethoden der Chromatographie gelang es ihm um 1957, zwei Prostaglandine erstmals in kristalliner, reiner Form zu isolieren. Sie erhielten die Bezeichnungen PGE und PGF. Anfang der 1960er-Jahre klärte er – inzwischen wieder am Karolinska-Institut – gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, darunter Bengt Samuelsson, die chemische Struktur dieser Moleküle auf. Dabei nutzte er die damals neue Massenspektrometrie.
Die Ergebnisse zeigten, dass Prostaglandine aus 20 Kohlenstoffatomen bestehen und einen charakteristischen Fünferring enthalten. Vor allem aber erkannte Bergströms Gruppe, woraus der Körper sie herstellt: aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere aus der Arachidonsäure, die in den Membranen aller Zellen vorkommt. 1964 berichteten Bergström und seine Kollegen sowie unabhängig eine Forschergruppe in den Niederlanden, dass sich Arachidonsäure mithilfe von Enzymen aus Gewebe in Prostaglandine umwandeln lässt.
Man kann sich Prostaglandine als örtliche Botenstoffe vorstellen. Anders als klassische Hormone, die über das Blut im ganzen Körper verteilt werden, entstehen sie bei Bedarf direkt im Gewebe und wirken dort, wo sie gebildet werden. Sie steuern unter anderem Entzündung, Fieber und Schmerzempfinden, die Weite der Blutgefäße, die Blutgerinnung, den Schutz der Magenschleimhaut und das Zusammenziehen der Gebärmutter.
Technik als Schlüssel
Ein wesentlicher Grund für Bergströms Erfolg lag in der Verbindung von Biochemie und moderner Messtechnik. Am Karolinska-Institut arbeitete er eng mit dem Massenspektrometrie-Spezialisten Ragnar Ryhage zusammen, der Geräte entwickelte, mit denen sich selbst kleinste Substanzmengen analysieren ließen. Die Massenspektrometrie zerlegt Moleküle in geladene Bruchstücke und misst deren Masse; aus dem Muster der Bruchstücke lässt sich auf die Struktur des ursprünglichen Moleküls schließen. Für Stoffe wie die Prostaglandine, von denen nur Milligramm-Mengen zur Verfügung standen, war diese Methode ideal. Bergström erkannte früh ihr Potenzial und trug dazu bei, sie in der biomedizinischen Forschung zu etablieren. Die Kombination aus geduldiger Reinigung, chemischem Abbau und moderner Analytik wurde zum Vorbild für viele spätere Arbeiten an biologischen Botenstoffen.
Die Rolle der Mitpreisträger
Bengt Samuelsson baute auf Bergströms Arbeit auf und entdeckte weitere Glieder der Stoffwechselkette, darunter Thromboxane, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, und Leukotriene, die bei Asthma und Allergien eine Rolle spielen. John Vane zeigte 1971, dass Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, die Bildung von Prostaglandinen hemmt, und entdeckte später das Prostacyclin. Die Arbeiten der drei Preisträger ergänzten sich damit zu einem Gesamtbild: von der Chemie der Botenstoffe bis zu ihrer Bedeutung für Arzneimittel.
Wirkung auf die Medizin
Die Entschlüsselung der Prostaglandine hatte weitreichende praktische Folgen. Sie erklärte, wie verbreitete Schmerz- und Entzündungsmittel wie Aspirin oder Ibuprofen wirken. Gleichzeitig wurde verständlich, warum diese Medikamente die Magenschleimhaut angreifen können: Sie unterdrücken auch die Prostaglandine, die den Magen schützen.
Prostaglandine und ihnen nachgebildete Wirkstoffe werden heute in vielen Bereichen eingesetzt. In der Geburtshilfe dienen sie zur Einleitung von Wehen oder zur Vorbereitung des Muttermundes. In der Augenheilkunde senken Prostaglandin-Abkömmlinge den Augeninnendruck beim Grünen Star. Bei bestimmten Herzfehlern von Neugeborenen hält ein Prostaglandin vorübergehend ein wichtiges Blutgefäß offen, bis eine Operation möglich ist. Auch zur Behandlung von Magengeschwüren und bei Durchblutungsstörungen kommen solche Wirkstoffe zum Einsatz. Darüber hinaus wurde die Forschung an der Arachidonsäure-Kaskade zum Ausgangspunkt für zahlreiche weitere Medikamente, etwa für Wirkstoffe, die gezielt bestimmte Enzyme oder Rezeptoren dieses Stoffwechselweges beeinflussen.
Wissenschaftsorganisator und Berater
1958 kehrte Bergström als Professor für Chemie an das Karolinska-Institut zurück. Von 1969 bis 1977 war er Rektor des Instituts und prägte dessen Entwicklung in einer Zeit starken Wachstums. Von 1975 bis 1987 leitete er als Vorsitzender den Vorstand der Nobelstiftung – eine ungewöhnliche Konstellation, da er in dieser Funktion 1982 selbst mit dem Preis ausgezeichnet wurde.
Bergström engagierte sich zudem international, insbesondere in der Weltgesundheitsorganisation. Er war Vorsitzender ihres beratenden Ausschusses für medizinische Forschung und setzte sich dafür ein, die Forschung zu Krankheiten in ärmeren Ländern zu stärken. Ein Anliegen war ihm dabei auch die Familienplanung, für die Prostaglandine zeitweise als vielversprechend galten.
Familie und Vermächtnis
Bergström war Vater des Evolutionsgenetikers Svante Pääbo, der aus einer Beziehung mit der estnischen Chemikerin Karin Pääbo hervorging. Pääbo erhielt 2022 ebenfalls den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, für seine Arbeiten zum Erbgut ausgestorbener Menschenformen wie des Neandertalers. Damit gehören Vater und Sohn zu den wenigen Eltern-Kind-Paaren, die beide einen Nobelpreis erhalten haben. Die Vaterschaft war lange nur im engeren Umfeld bekannt; Pääbo wuchs bei seiner Mutter auf.
Wissenschaftlich bleibt Bergströms Name eng mit der Prostaglandin-Forschung verbunden. Er verkörpert den Typus des geduldigen Naturstoffchemikers, der jahrelang an der Reinigung einer kaum greifbaren Substanz arbeitet, bis aus einer unklaren biologischen Beobachtung ein genau beschriebenes Molekül wird. Die offizielle Würdigung des Preises von 1982 finden Sie auf der Seite der Nobelstiftung.
Der Nobelpreis in Zahlen
Nach den Angaben der Nobelstiftung erhielt Sune K. Bergström den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1982 zu einem Drittel. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr außerdem Bengt I. Samuelsson und John R. Vane. Die offizielle Begründung lautet im englischen Original: „for their discoveries concerning prostaglandins and related biologically active substances“. Als Wirkungsstätte zum Zeitpunkt der Auszeichnung führt die Stiftung die Einrichtung Karolinska Institutet in Stockholm, Sweden. Als Datum der Zuerkennung nennt sie den 11. Oktober 1982. Das gesamte Preisgeld der Kategorie betrug in diesem Jahr 1.150.000 schwedische Kronen, was nach Berechnung der Stiftung heute etwa 3.923.237 Kronen entspricht. Als Geburtsort verzeichnet die Nobelstiftung Stockholm, Sweden. Er starb am 15. August 2004 in Stockholm, Sweden. Wenn Sie die Hintergründe der Entscheidung genauer nachvollziehen möchten, lohnt sich ein Blick in die Unterlagen der Nobelstiftung, die neben der Begründung auch Vorträge und biografische Angaben bereithält.
Stand: 29.10.2026