Angela Merkel CXXVI – Ehrenmitglied von Energie Cottbus

Angela Merkel CXXVI.

Am 16. Februar 2008 wird Angela Merkel Ehrenmitglied des Fußballclub Energie Cottbus e. V.

Zu diesem Anlass reist sie auch zu dem an diesem Tag stattfindenden Cottbuser Heimspiel gegen Borussia Dortmund an, das Cottbus 0:2 verliert. Der erste Treffer des Spiels fällt in der 8. Minute durch Mladen Petric. Cottbus versucht zwar für Merkel alles, um den Rückstand aufzuholen, aber Dortmund verteidigte solide, Petric macht in der 85. Minute noch ein Kopfballtor und bringt den Sieg nach Hause.

Karikatur mit Midjourney erstellt. Hier gibt es mehr Merkel-Karikaturen.

Dokumentiert: Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei der 55. Münchner Sicherheitskonferenz am 16. Februar 2019 in München

Sehr geehrte Präsidenten,
Kolleginnen und Kollegen,
Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten,
lieber Herr Ischinger,
meine Damen und Herren,

natürlich grüße ich auch den Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern. Ich glaube, München ist eine gute Gastgeberstadt. Die Kraft Bayerns zeigt sich hier in einer ganz besonderen Weise. Wir haben noch andere schöne Städte in Deutschland, aber heute steht München im Zentrum.

2019 denken wir daran, dass vor 250 Jahren Alexander von Humboldt geboren wurde. Alexander von Humboldt lebte an der Schwelle zur Industrialisierung. Er war ein Wissenschaftler und Reisender, der von dem Drang durchdrungen war, die Welt als Ganzes zu verstehen und zu sehen. Er hatte mit diesem Wunsch auch ziemlich viel Erfolg. Sein Credo, wie wir in seinem mexikanischen Reisetagebuch aus dem Jahr 1803 nachlesen können, heißt: „Alles ist Wechselwirkung.“

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Wetterregel zum 16. Februar – St. Simeon, Bischof von Metz

Hier finden Sie Bauernregeln bzw. Wetterregeln zum 16. Februar:

Der Simon zeigt mit seinem Tage, der Frost ist nicht mehr lange Plage.

Friert’s an Simeon ganz plötzlich, bleibt der Frost nicht lang gesetzlich.

Simeon, Bischof von Metz

Der 16. Februar ist übrigens St. Simeon, Bischof von Metz.

St. Simeon von Metz war ein Bischof, dessen historische Bedeutung vor allem im Frühmittelalter liegt. Er ist bekannt für seine Rolle als Bischof von Metz, einer bedeutenden Stadt im Reich der Franken. St. Simeon lebte im 6. Jahrhundert, einer Zeit, in der das Christentum sich in Europa weiter ausbreitete und die christliche Kirche eine zunehmend wichtige Rolle in der gesellschaftlichen und politischen Ordnung spielte.

Als Bischof von Metz hatte St. Simeon eine wichtige geistliche und weltliche Führungsfunktion inne. Er war nicht nur für die seelsorgerische Betreuung und die Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten in seinem Bistum zuständig, sondern nahm auch Einfluss auf die politischen Entwicklungen seiner Zeit. In dieser Rolle trug er zur Festigung des Christentums in der Region bei und spielte eine Rolle bei der Integration der kirchlichen und weltlichen Macht.

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Köpfe: Peyton Rous

Peyton Rous entdeckte 1911, dass ein Krebs bei Hühnern durch ein winziges, filtrierbares Agens übertragen werden kann, das später als Virus erkannt wurde. Die Fachwelt nahm diese Beobachtung lange kaum ernst. Erst 55 Jahre später, im Jahr 1966, erhielt Rous dafür den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, gemeinsam mit Charles Huggins. Mit 87 Jahren war er damals der älteste Mensch, der einen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin entgegennahm. In diesem Porträt erfahren Sie, wie seine Entdeckung zustande kam und warum sie die Krebsforschung bis heute prägt.

Herkunft und Ausbildung

Francis Peyton Rous wurde am 5. Oktober 1879 in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geboren. Als Rufnamen verwendete er seinen zweiten Vornamen Peyton. Sein Vater starb früh, und die Mutter zog die Kinder in Baltimore groß. Schon als Jugendlicher interessierte sich Rous für die Natur und schrieb für eine Zeitung kurze Beiträge über Pflanzen der Umgebung.

Er studierte an der Johns Hopkins University, zunächst im Grundstudium und anschließend an der medizinischen Fakultät, wo er 1905 seinen Abschluss als Arzt erwarb. Während seiner Ausbildung zog er sich bei einer Autopsie eine Tuberkulose-Infektion zu und musste sich längere Zeit erholen. Diese Erfahrung und die anschließende klinische Arbeit bestärkten ihn darin, dass ihm die Forschung mehr lag als die Arbeit am Krankenbett. Er wandte sich der Pathologie zu und arbeitete unter anderem an der University of Michigan.

Am Rockefeller-Institut

1909 holte ihn Simon Flexner an das Rockefeller Institute for Medical Research in New York, die heutige Rockefeller University. Rous sollte dort die Krebsforschung übernehmen. Diesem Haus blieb er für den Rest seines Berufslebens verbunden, also für rund sechs Jahrzehnte.

Kurz nach seinem Antritt brachte ein Geflügelzüchter eine Henne der Rasse Plymouth Rock ins Institut, die an einem Tumor in der Brust litt. Es handelte sich um ein Sarkom, also einen bösartigen Tumor des Bindegewebes. Rous begann, dieses Tumorgewebe genauer zu untersuchen.

Die Entdeckung: Krebs aus einem Filtrat

Zunächst gelang es Rous, den Tumor zu übertragen, indem er Tumorzellen in gesunde Hühner desselben Stammes einpflanzte. Das allein war noch nicht ungewöhnlich, denn auch andere Forscher hatten Tumoren durch die Verpflanzung von Krebszellen übertragen. Entscheidend war der nächste Schritt.

Rous zerkleinerte das Tumorgewebe und presste die Masse durch einen sehr feinen Filter. Dieser Filter hielt Zellen und Bakterien zurück. Die klare Flüssigkeit, die hindurchlief, enthielt also keine intakten Zellen mehr. Als er diese zellfreie Flüssigkeit gesunden Hühnern injizierte, entwickelten die Tiere dennoch denselben Tumor. Rous folgerte, dass ein Agens, das kleiner als Bakterien sein musste, den Krebs verursachte. Er veröffentlichte seine Befunde 1910 und 1911 und vermutete bereits, dass es sich um ein winziges lebendes Gebilde handeln könnte, ließ die genaue Natur aber vorsichtig offen.

Heute wissen wir, dass es ein Virus war. Es trägt seinen Namen: Rous-Sarkom-Virus. Man kann sich die Bedeutung so vorstellen: Bis dahin galt Krebs als Erkrankung, die in den Zellen eines Körpers selbst entsteht und nicht ansteckend ist. Rous zeigte, dass zumindest bei Hühnern ein von außen kommender Erreger Krebs auslösen kann.

Jahrzehnte der Skepsis

Die Fachwelt reagierte zurückhaltend. Viele Forscher hielten die Hühnertumoren für einen Sonderfall, der für Säugetiere und den Menschen keine Bedeutung habe. Versuche, ähnliche Ergebnisse bei Mäusen und anderen Tieren zu erzielen, scheiterten zunächst. Rous selbst wandte sich nach einigen Jahren anderen Themen zu, auch weil er mit seinen Krebsexperimenten nicht weiterkam.

Während des Ersten Weltkriegs beschäftigte er sich mit der Konservierung von Blut. Gemeinsam mit Joseph R. Turner entwickelte er eine Lösung aus Citrat und Glucose, mit der sich Blut länger lagern ließ. Diese Arbeit trug dazu bei, dass Blut im Krieg an der Front aufbewahrt und für Transfusionen genutzt werden konnte, und gilt als ein früher Schritt hin zu modernen Blutbanken. In den folgenden Jahren untersuchte Rous zudem die Funktion der Leber und der Gallenblase.

Rückkehr zur Krebsforschung

In den 1930er-Jahren griff Rous das Thema Krebs wieder auf. Sein Kollege Richard Shope hatte ein Virus entdeckt, das bei Wildkaninchen gutartige Hautwucherungen, sogenannte Papillome, verursacht. Rous zeigte, dass diese Wucherungen bei Hauskaninchen in bösartigen Krebs übergehen konnten. Er untersuchte außerdem, wie Viren und chemische Stoffe wie Teer zusammenwirken. Dabei kam er zu dem Schluss, dass Krebs in mehreren Schritten entsteht: Ein erster Reiz verändert Zellen, weitere Einflüsse treiben die Entwicklung zum Tumor voran. Dieses Mehrstufenmodell der Krebsentstehung gilt in abgewandelter Form bis heute.

Bemerkenswert ist, dass Rous die später dominierende Vorstellung, Krebs entstehe durch Mutationen in den Genen der Körperzellen, lange skeptisch sah. In diesem Punkt hat die spätere Forschung ihm nicht recht gegeben. Ironischerweise war es aber gerade das nach ihm benannte Virus, das zur Entdeckung der Krebsgene beitrug.

Der Nobelpreis 1966

1966 erhielt Rous die Hälfte des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin für seine Entdeckung tumorauslösender Viren. Die andere Hälfte ging an Charles Huggins, der die Hormonbehandlung von Prostatakrebs begründet hatte. Zwischen Rous‘ Entdeckung und der Auszeichnung lagen 55 Jahre, ein außergewöhnlich langer Abstand. Rous war bereits mehrfach nominiert worden, doch erst die Entwicklung der Virologie nach dem Zweiten Weltkrieg machte die Tragweite seiner Arbeit für alle sichtbar. Inzwischen waren auch bei Säugetieren krebserregende Viren gefunden worden.

Wirkung: Vom Hühnervirus zu den Onkogenen

Das Rous-Sarkom-Virus wurde zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Krebsforschung. An Viren dieser Art entdeckten Howard Temin und David Baltimore das Enzym Reverse Transkriptase, mit dem bestimmte Viren ihre RNA in DNA umschreiben; beide erhielten 1975 den Nobelpreis. In den 1970er-Jahren fanden J. Michael Bishop und Harold Varmus heraus, dass das krebsauslösende Gen des Rous-Sarkom-Virus, genannt src, ursprünglich aus normalen Zellen stammt. Das Virus hatte ein zelleigenes Gen aufgenommen und in veränderter Form weitergetragen. Diese Erkenntnis führte zum Konzept der Onkogene, also von Genen, die bei Fehlsteuerung Krebs verursachen können. Bishop und Varmus wurden dafür 1989 ausgezeichnet.

Auch für den Menschen ist die Verbindung von Viren und Krebs heute gut belegt. Humane Papillomviren können Gebärmutterhalskrebs auslösen, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren Leberkrebs, das Epstein-Barr-Virus bestimmte Lymphome. Impfungen gegen Hepatitis B und gegen Papillomviren verhindern dadurch zahlreiche Krebserkrankungen. Der Weg zu diesem Wissen begann mit der kranken Henne in Rous‘ Labor.

Herausgeber und Mentor

Neben seiner Forschung prägte Rous die Wissenschaft als Herausgeber. Über Jahrzehnte, von 1922 bis zu seinem Tod, betreute er das Journal of Experimental Medicine, eine der führenden Fachzeitschriften der Medizin. Er galt als strenger, aber förderlicher Redakteur, der großen Wert auf klare Sprache legte. Viele junge Forscher profitierten von seiner sorgfältigen Durchsicht ihrer Manuskripte.

Privatleben und Lebensende

Rous heiratete 1915 Marion Eckford de Kay. Das Paar hatte drei Töchter. Eine von ihnen, Marion, heiratete den britischen Physiologen Alan Hodgkin, der 1963 selbst den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Rous blieb bis ins hohe Alter wissenschaftlich aktiv und arbeitete noch in seinen Achtzigern im Labor. Er starb am 16. Februar 1970 in New York im Alter von 90 Jahren.

Bedeutung heute

Peyton Rous steht für eine Entdeckung, die ihrer Zeit weit voraus war. Er beobachtete genau, beschrieb vorsichtig und hielt an seinen Befunden fest, auch als sie kaum Anerkennung fanden. Seine Geschichte zeigt, dass der Wert grundlegender Forschung manchmal erst nach Jahrzehnten erkennbar wird. Ohne sein Hühnervirus wäre die moderne Molekularbiologie des Krebses kaum denkbar.

Der Nobelpreis in Zahlen

Nach den Angaben der Nobelstiftung erhielt Peyton Rous den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1966 zur Hälfte. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr außerdem Charles B. Huggins. Die offizielle Begründung lautet im englischen Original: „for his discovery of tumour-inducing viruses“. Als Wirkungsstätte zum Zeitpunkt der Auszeichnung führt die Stiftung die Einrichtung Rockefeller University in New York, NY, USA. Als Datum der Zuerkennung nennt sie den 13. Oktober 1966. Das gesamte Preisgeld der Kategorie betrug in diesem Jahr 300.000 schwedische Kronen, was nach Berechnung der Stiftung heute etwa 3.521.287 Kronen entspricht. Als Geburtsort verzeichnet die Nobelstiftung Baltimore, MD, USA. Er starb am 16. Februar 1970 in New York, NY, USA. Wenn Sie die Hintergründe der Entscheidung genauer nachvollziehen möchten, lohnt sich ein Blick in die Unterlagen der Nobelstiftung, die neben der Begründung auch Vorträge und biografische Angaben bereithält.

Weitere Informationen zur Auszeichnung finden Sie auf der offiziellen Seite des Nobelpreises.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: Ferdinand Buisson

Ferdinand Buisson war ein französischer Pädagoge, Politiker und Menschenrechtler, der 1927 den Friedensnobelpreis erhielt. Geboren am 20. Dezember 1841 in Paris, gehört er zu den Gründervätern der laizistischen, kostenlosen und verpflichtenden Volksschule in Frankreich. Über Jahrzehnte setzte er sich für die Trennung von Kirche und Staat, für die Menschenrechte und für die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland ein. Er war viele Jahre Präsident der Französischen Liga für Menschenrechte und gehörte zu den Persönlichkeiten, die in der Dreyfus-Affäre für Gerechtigkeit eintraten. Den Friedensnobelpreis teilte er mit dem deutschen Pazifisten Ludwig Quidde. Die gemeinsame Ehrung eines Franzosen und eines Deutschen hatte nach dem Ersten Weltkrieg eine starke symbolische Bedeutung.

Herkunft und Exil in der Schweiz

Buisson wuchs in einer protestantischen Familie auf. Sein Vater war Richter, und die Familie legte großen Wert auf Bildung und Gewissensfreiheit. Buisson studierte in Paris und bereitete sich auf eine Laufbahn als Lehrer vor. Als Napoleon III. nach seinem Staatsstreich ein autoritäres Kaiserreich errichtet hatte, verweigerte Buisson den von Beamten verlangten Treueeid auf den Kaiser. Damit verbaute er sich eine Karriere im staatlichen Schuldienst und ging in die Schweiz.

In Neuchâtel lehrte er an der Akademie Philosophie und vergleichende Literatur. In der Schweiz kam er in Kontakt mit liberalen Protestanten und Freidenkern und entwickelte die Vorstellung eines Christentums ohne Dogmen, das auf Gewissen, Vernunft und Moral beruht. 1867 nahm er am ersten Kongress der Liga für Frieden und Freiheit in Genf teil, einer Versammlung, bei der unter anderem der Gedanke von Vereinigten Staaten von Europa diskutiert wurde. Diese Begegnung gilt als Beginn seines lebenslangen Engagements für den Frieden.

Architekt der laizistischen Schule

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1870 kehrte Buisson nach Frankreich zurück. Er engagierte sich in Paris zunächst in der Fürsorge für Kriegswaisen und widmete sich bald dem Schulwesen. Der Bildungsminister Jules Ferry holte ihn 1879 als Direktor für das Primarschulwesen ins Ministerium. In dieser Funktion war Buisson fast zwei Jahrzehnte lang einer der wichtigsten Gestalter der französischen Schulreformen.

Unter Ferry und seinen Nachfolgern wurden in den 1880er-Jahren Gesetze verabschiedet, die den Grundschulunterricht kostenlos, verpflichtend und konfessionell neutral machten. Buisson arbeitete an der Umsetzung dieser Gesetze mit, organisierte die Ausbildung der Lehrkräfte und sorgte dafür, dass Moral- und Bürgerkunde an die Stelle des Religionsunterrichts traten. Er gab ein umfangreiches Wörterbuch der Pädagogik heraus, das für Generationen französischer Lehrerinnen und Lehrer ein grundlegendes Nachschlagewerk wurde. Später lehrte er als Professor für Pädagogik an der Sorbonne.

Für Buisson war die Schule ein Ort, an dem Kinder zu freien, verantwortungsbewussten Bürgern erzogen werden sollten. Er war überzeugt, dass Bildung die Grundlage der Demokratie sei und dass eine Erziehung zu Vernunft, Toleranz und Gerechtigkeit auch den Frieden zwischen den Völkern fördere. Die Laizität verstand er nicht als Feindschaft gegenüber der Religion, sondern als Garantie dafür, dass der Staat die Gewissensfreiheit aller achtet.

Dreyfus-Affäre und Liga für Menschenrechte

In den 1890er-Jahren erschütterte die Dreyfus-Affäre Frankreich. Der jüdische Offizier Alfred Dreyfus war zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt worden, und die Weigerung von Armee und Regierung, den Fehler zu korrigieren, spaltete das Land. Buisson stellte sich auf die Seite derjenigen, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens forderten. 1898 gehörte er zu den Gründern der Liga für Menschenrechte, die sich für Dreyfus und allgemein für die Verteidigung der Bürgerrechte einsetzte. Von 1914 bis 1926 war Buisson Präsident der Liga.

Unter seiner Leitung setzte sich die Liga für Opfer von Justizirrtümern, für die Rechte von Minderheiten und für eine demokratische Kontrolle der Außenpolitik ein. Buisson betrachtete Menschenrechte und Frieden als zwei Seiten derselben Medaille: Wer die Würde jedes Menschen achte, könne keinen Krieg als normales Mittel der Politik akzeptieren.

Abgeordneter und Verfechter der Trennung von Kirche und Staat

1902 wurde Buisson als Abgeordneter der Radikalen Partei in die französische Kammer gewählt. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Beratungen über das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat, das 1905 verabschiedet wurde und bis heute eine Grundlage der französischen Republik bildet. Darüber hinaus setzte er sich für das Frauenwahlrecht ein, für soziale Reformen und für das Verhältniswahlrecht. In der Frage des Frauenwahlrechts war er seiner Zeit voraus; Frankreich führte es erst 1944 ein.

Für die deutsch-französische Verständigung

Den Ersten Weltkrieg erlebte Buisson als schwere Prüfung. Er unterstützte die Verteidigung Frankreichs, setzte sich aber zugleich dafür ein, dass nach dem Krieg eine gerechte Friedensordnung entstehen müsse. Er befürwortete den Völkerbund und forderte, Deutschland möglichst bald als gleichberechtigtes Mitglied aufzunehmen. In den 1920er-Jahren gehörte er zu den französischen Persönlichkeiten, die offen den Dialog mit Deutschland suchten, was in der aufgeheizten Atmosphäre nach dem Krieg Mut erforderte.

Buisson hielt Vorträge in Deutschland und empfing deutsche Pazifisten in Frankreich. Er unterstützte Treffen, bei denen sich Vertreter der Zivilgesellschaft beider Länder begegneten, und setzte sich für eine Revision der Haltung ein, die Deutschland allein die Schuld am Krieg zuwies. Seine Kontakte zur deutschen Friedensbewegung, insbesondere zu Ludwig Quidde, waren eng.

Der Friedensnobelpreis 1927

1927 erhielt Buisson im Alter von 85 Jahren den Friedensnobelpreis gemeinsam mit Ludwig Quidde. Sinngemäß würdigte das Nobelkomitee die beiden für ihren Beitrag zur Entstehung der öffentlichen Meinung in Frankreich und Deutschland, die eine friedliche internationale Zusammenarbeit fördere. Die Entscheidung stand im Zeichen der Entspannung nach den Verträgen von Locarno, für die im Jahr zuvor Aristide Briand und Gustav Stresemann geehrt worden waren. Mit Buisson und Quidde wurden nun zwei Vertreter der Zivilgesellschaft ausgezeichnet, die das Feld für diese Annäherung bereitet hatten.

In seiner Nobelvorlesung hob Buisson die Rolle der Erziehung für den Frieden hervor. Er sprach über die Notwendigkeit, junge Menschen zu Respekt vor anderen Völkern zu erziehen und Hassbilder aus Schulbüchern und Öffentlichkeit zu verbannen. Das Preisgeld stellte er weitgehend pazifistischen Zwecken zur Verfügung.

Pädagogik als Friedenspolitik

Was Buisson von vielen anderen Friedensaktivisten seiner Zeit unterschied, war die enge Verbindung zwischen Schule und internationaler Verständigung. Er beobachtete, wie Lehrbücher in vielen Ländern nationale Feindbilder verbreiteten und Kriege als heldenhafte Taten verklärten. Daraus zog er den Schluss, dass ein dauerhafter Frieden nicht allein durch Verträge zwischen Regierungen gesichert werden könne. Er brauche Bürgerinnen und Bürger, die gelernt haben, kritisch zu denken, Vorurteile zu hinterfragen und andere Völker als gleichwertig zu betrachten.

Buisson unterstützte deshalb Bestrebungen, Schulbücher von nationalistischer Propaganda zu befreien, und förderte den Austausch zwischen Lehrkräften verschiedener Länder. Diese Gedanken wurden später von Organisationen wie der UNESCO aufgegriffen, die Bildung ausdrücklich als Instrument der Friedenssicherung versteht.

Tod und Vermächtnis

Ferdinand Buisson starb am 16. Februar 1932 in Thieuloy-Saint-Antoine im Département Oise im Alter von 90 Jahren. Er erlebte noch den Beginn der Weltwirtschaftskrise, nicht aber die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, die seine Hoffnungen auf eine dauerhafte Verständigung zunichtemachte.

Buissons Erbe ist in Frankreich bis heute sichtbar. Die laizistische Schule, an deren Aufbau er maßgeblich beteiligt war, gilt als Kern der republikanischen Identität des Landes, auch wenn ihre Ausgestaltung immer wieder kontrovers diskutiert wird. Zahlreiche Schulen tragen seinen Namen. Als Mitbegründer der Liga für Menschenrechte steht er zudem am Anfang einer Tradition zivilgesellschaftlichen Engagements für Bürgerrechte, die weit über Frankreich hinaus Nachahmer fand.

Für Sie als Leserin oder Leser ist Buisson vor allem deshalb interessant, weil er Frieden nicht nur als Frage der Diplomatie verstand, sondern als Ergebnis von Bildung, Recht und Gewissen. Seine Überzeugung, dass Schulen und Menschenrechtsorganisationen ebenso viel zum Frieden beitragen können wie Regierungen, macht ihn zu einem der modernsten Denker unter den frühen Preisträgern.

Stand: 29.10.2026

Köpfe: Giosuè Carducci

Giosuè Carducci war der erste Italiener, der den Literaturnobelpreis erhielt, und zu seiner Zeit der wohl einflussreichste Dichter seines Landes. Als Lyriker, Literaturwissenschaftler und öffentliche Stimme des jungen Nationalstaats prägte er das italienische Geistesleben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Carducci wurde am 27. Juli 1835 in Valdicastello in der Toskana geboren und starb am 16. Februar 1907 in Bologna. 1906, wenige Monate vor seinem Tod, erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Die Schwedische Akademie ehrte ihn nicht nur für seine Gelehrsamkeit und seine kritische Forschung, sondern vor allem für die schöpferische Kraft, die Frische des Stils und die lyrische Energie seiner Dichtung.

Im Folgenden geht es vor allem um das Werk: Welche Gedichtbände sind zentral, was macht ihren Stil aus, wie wurde Carducci aufgenommen – und wie lässt er sich heute lesen?

Gelehrter und Dichter

Carducci wuchs in der toskanischen Maremma auf, einer Landschaft, die in seinen Gedichten immer wieder auftaucht. Er studierte in Pisa, arbeitete zunächst als Lehrer und wurde 1860 Professor für italienische Literatur an der Universität Bologna, wo er über vier Jahrzehnte lehrte. Unter seinen Schülern war der Dichter Giovanni Pascoli, der später sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl wurde.

Als Wissenschaftler edierte und kommentierte Carducci ältere italienische Literatur, schrieb über Dante, Petrarca und die Dichtung der Renaissance. Diese philologische Arbeit ist von seiner Lyrik nicht zu trennen: Carducci verstand sich als Erneuerer, der die italienische Dichtung durch Rückgriff auf klassische Vorbilder aus der als schwülstig empfundenen Spätromantik herausführen wollte. Politisch war er in jungen Jahren Republikaner und ein scharfer Kritiker der Kirche, später näherte er sich der Monarchie des geeinten Italien an und wurde Senator.

Hymne an Satan (1863)

Berühmt und berüchtigt wurde Carducci mit der „Hymne an Satan“ („Inno a Satana“), geschrieben 1863. Der Titel ist bewusst provokant: Satan steht hier nicht für das Böse, sondern für Vernunft, Fortschritt, Wissenschaft und Rebellion gegen kirchliche Bevormundung. Am Schluss des Gedichts erscheint als Sinnbild dieser Kraft die Eisenbahn. Das Gedicht löste heftige Debatten aus und machte den jungen Professor landesweit bekannt. Es ist ein Schlüsseltext für den antiklerikalen Geist des Risorgimento, auch wenn Carducci selbst später auf Distanz zu seinem Pathos ging.

Rime nuove und Odi barbare

Zu seinen wichtigsten Sammlungen zählen die „Rime nuove“ (Neue Reime), entstanden über viele Jahre und 1887 gesammelt, und die „Odi barbare“ (Barbarische Oden), erschienen ab 1877. In den „Rime nuove“ finden sich einige seiner bekanntesten Gedichte, etwa „Pianto antico“, eine knappe Klage um den früh verstorbenen Sohn, und „Davanti San Guido“, in dem der Dichter an den Zypressen seiner Kindheit vorbeifährt und Erinnerung und Gegenwart gegeneinanderstellt. Auch „Traversando la Maremma toscana“ gehört hierher, ein Sonett über die Rückkehr in die Landschaft der Jugend.

Die „Odi barbare“ sind formal besonders interessant. Carducci versuchte darin, antike Versmaße wie Alkäische und Sapphische Strophe oder das Distichon im Italienischen nachzubilden. Da das Italienische keine Längen und Kürzen im antiken Sinn kennt, ersetzte er sie durch Betonungen. Der Titel spielt darauf an: So, meinte Carducci, würden diese Verse einem antiken Griechen oder Römer klingen – barbarisch. Gedichte wie „Alla stazione in una mattina d’autunno“ verbinden die klassische Form mit modernen Motiven, hier einem Abschied am Bahnhof im Herbstregen.

Spätere Bände wie „Rime e ritmi“ (1899) setzen diese Linie fort. Hinzu kommen zahlreiche Gedichte zu historischen Themen, in denen Carducci die römische Antike, das mittelalterliche Kommunalwesen und das Risorgimento als Stationen einer italienischen Geschichte feiert.

Carducci und die Antike

Die Auseinandersetzung mit der Antike ist für Carducci mehr als eine formale Spielerei. In der römischen Geschichte sah er ein Erbe, das dem jungen italienischen Staat Selbstbewusstsein geben sollte. Gedichte wie „Nell’annuale della fondazione di Roma“ feiern den Gründungstag Roms als Bezugspunkt einer nationalen Identität, die nicht auf die Kirche angewiesen ist. Carduccis Begeisterung für die heidnische Antike hat also eine politische Seite: Sie richtet sich gegen eine christlich geprägte Geschichtserzählung und für eine weltliche, bürgerliche Nation.

Zugleich ist ihm die Antike ein Maßstab für Form und Haltung. Carducci bewunderte Horaz und die griechische Lyrik, ihre Klarheit und Selbstbeherrschung, und er stellte sie bewusst gegen das, was er als weichliche, sentimentale Zeitdichtung empfand. In seinen Essays und Polemiken – er war ein streitbarer Kritiker – griff er Kollegen oft scharf an. Diese Mischung aus Gelehrsamkeit, Kampflust und poetischem Ehrgeiz machte ihn zu einer prägenden, aber auch polarisierenden Gestalt des italienischen Literaturbetriebs.

Prosa und Reden

Neben der Lyrik umfasst das Gesamtwerk zahlreiche Bände mit Aufsätzen, Vorlesungen, Reden und Briefen. Carducci sprach zu nationalen Gedenktagen, über Garibaldi und andere Gestalten des Risorgimento, und seine Reden wurden als Ereignisse wahrgenommen. Seine literaturgeschichtlichen Studien trugen dazu bei, die ältere italienische Dichtung als nationales Erbe zu kanonisieren. Für heutige Leser außerhalb der Fachwelt sind diese Texte weniger zugänglich, sie zeigen aber, wie eng bei ihm Dichtung, Wissenschaft und Politik verbunden waren.

Themen und Stil

Drei Themenkreise prägen Carduccis Lyrik: die Geschichte, die Landschaft und die persönliche Trauer. Die Geschichte erscheint oft heroisch überhöht, als Erbe, an dem sich das junge Italien messen soll. Die Landschaft, vor allem die der Maremma, ist dagegen konkret und sinnlich geschildert, mit Sonne, Hügeln, Zypressen und Meer. Die persönlichen Gedichte, darunter die Verse auf den Tod des Sohnes Dante, gelten vielen Lesern heute als die stärksten, weil hier der rhetorische Aufwand zurücktritt.

Stilistisch steht Carducci für Klarheit, Formstrenge und einen kräftigen, oft männlich-pathetischen Ton. Er misstraute dem Gefühlsüberschwang der Romantik und setzte auf Präzision und Anlehnung an die Klassiker. Diese Haltung hat ihm den Ruf eines „Klassizisten“ eingetragen. Zugleich holte er moderne Wirklichkeit in die Gedichte, Eisenbahnen, Bahnhöfe, politische Ereignisse.

Rezeption

Zu Lebzeiten war Carducci eine Art Nationaldichter, seine Gedichte wurden in Schulen gelernt, seine Reden hatten politisches Gewicht. Nach seinem Tod verblasste sein Ruhm außerhalb Italiens recht schnell. Die nachfolgende Generation – Pascoli, D’Annunzio, später die Hermetiker – ging andere Wege, und Carduccis Pathos wirkte bald altmodisch. In Italien ist er bis heute Schulautor, international wird er vor allem literaturhistorisch wahrgenommen, als Wegbereiter einer modernen, formbewussten italienischen Lyrik.

Sein Nobelpreis steht exemplarisch für die frühen Jahrzehnte der Auszeichnung, in denen die Akademie gern Autoren ehrte, die ein nationales Erbe mit idealistischem Anspruch verbanden. Das Haus in Bologna, in dem er lebte, ist heute ein Museum mit seiner umfangreichen Bibliothek.

Deutsche Ausgaben

Ins Deutsche wurde Carducci vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert übertragen, unter anderem in Auswahlbänden seiner Gedichte. Neuere Ausgaben sind selten; wer ihn auf Deutsch lesen möchte, ist meist auf antiquarische Bände oder zweisprachige Anthologien italienischer Lyrik angewiesen. Wer etwas Italienisch kann, sollte zum Original greifen, denn die Klangwirkung, auf die Carducci großen Wert legte, geht in der Übersetzung leicht verloren.

Leseempfehlung

Für den Einstieg eignen sich einzelne Gedichte besser als ganze Bände: „Pianto antico“ zeigt den persönlichen, schlichten Carducci, „Davanti San Guido“ den Erinnerungsdichter, „Alla stazione in una mattina d’autunno“ den formbewussten Modernisierer der „Odi barbare“. Die „Hymne an Satan“ lohnt sich als zeitgeschichtliches Dokument. Wer danach weiterlesen möchte, findet in einer Auswahl aus „Rime nuove“ und „Odi barbare“ die Essenz seines Schaffens.

Stand: 29.10.2026