Köpfe: Dmitry Volkov

Dmitry Borisowitsch Volkov ist ein Unternehmer und Investor, der vor allem mit Online-Dating-Plattformen Geld verdient. Er wurde nach verfügbaren Angaben am 9. Juli 1976 in Moskau geboren und besitzt seit einigen Jahren die Staatsbürgerschaft Maltas.

Volkov studierte Geschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität und befasste sich später mit Philosophie. Nach verfügbaren Angaben verteidigte er 2008 eine Dissertation über die Bewusstseinstheorie des US-Philosophen Daniel Dennett und 2017 eine Habilitationsschrift über Willensfreiheit und moralische Verantwortung. Er war Mitgründer eines Zentrums für Bewusstseinsforschung an der Philosophischen Fakultät der Universität. 2014 organisierte er eine philosophische Konferenz auf einem Schiff vor Grönland, an der auch Dennett teilnahm.

Seit den 1990er Jahren ist Volkov im IT-Geschäft tätig, zunächst mit der Firma IT-Online. Diese automatisierte die Profile der Partnervermittlung AnastasiaDate, die er 2011 nach Berichten übernahm. Aus seinen Beteiligungen entstand die Social Discovery Group mit Sitz in Malta, früher Social Discovery Ventures oder SDVentures. Über sie investierte er unter anderem in den Blockchain-Entwickler Bitfury, in Patreon und Revolut sowie in Immobilien. Forbes Russland führte ihn 2019 erstmals unter den 200 reichsten Unternehmern des Landes. Nach eigenen Angaben stellte die Gruppe 2022 das Geschäft in Russland und Belarus ein.

Im Juli 2026 veröffentlichte das Internationale Konsortium investigativer Journalisten eine Recherche über mehr als 60 Dating-Marken, die Volkov als Haupteigentümer kontrolliert, darunter Dating.com, AmoLatina und AnastasiaDate. Die Plattformen rechnen jede Nachricht und jedes Video einzeln ab. Mehrere Nutzerinnen berichteten, sie hätten über Monate oder Jahre Tausende bis Zehntausende Dollar für Kontakte bezahlt, die nie zu einem Videogespräch oder Treffen bereit waren; die Profilbilder gehörten später identifizierten Models und Influencern. Zuvor hatte das russischsprachige Medium Verstka über eine Firma in Tiflis berichtet, deren Mitarbeiter auf solchen Plattformen im Schichtbetrieb gechattet haben sollen.

Die Social Discovery Group weist die Vorwürfe zurück. Sie bezahle weder Models noch Chat-Operatoren, jedes Profil müsse von der abgebildeten Person selbst geführt werden, und 2025 habe man mehr als 30.000 verdächtige Konten entfernt. Volkov sagte Verstka, er sei an der Gründung beteiligt gewesen, habe aber keine operative Rolle. Die maltesische Verbraucherschutzbehörde prüft laut ICIJ, ob ein förmliches Verfahren eingeleitet wird; ein Fehlverhalten ist nicht festgestellt. Die 2024 in New York eingereichte Klage einer Nutzerin gegen einen Dienstleister der Gruppe wurde an ein Schiedsverfahren verwiesen und ist offen; Volkov ist darin nicht beklagt. Die Ukraine verhängte im Oktober 2022 Sanktionen gegen Volkov wegen angeblicher Geschäfte, die dem russischen Staat Einnahmen brächten; er bestreitet das und klagt dagegen.

Stand: 22.10.2026