Viele kennen den Song „I Don’t Like Mondays“ der Band The Boomtown Rats. Geschrieben wurde er von Bob Geldof, lange bevor dieser als politischer Aktivist oder Initiator von Live Aid bekannt wurde. Der Song klingt eingängig, fast leicht – doch sein Hintergrund ist alles andere als das.
Am 29. Januar 1979, einem Montag, erschoss die damals 16-jährige Brenda Ann Spencer von ihrem Kinderzimmerfenster aus zwei Menschen und verletzte neun weitere. Die Tat ereignete sich an der Grover Cleveland Elementary School in San Diego und gilt heute als einer der ersten modernen Schulamokläufe in den USA.
Während die Tat noch andauerte, erreichte ein Reporter Spencer telefonisch. Auf die Frage nach ihrem Motiv antwortete sie mit einem Satz, der sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat:
„I don’t like Mondays. This livens up the day.“
Bob Geldof hörte diese Aussage später in einer Radio-Nachrichtensendung. Sie wurde für ihn zum Auslöser des Songtitels – und letztlich zum Kern des Liedes. Anders als viele Popsongs erzählt „I Don’t Like Mondays“ keine erfundene Geschichte, sondern verdichtet reale Gewalt, mediale Verkürzung und sprachlose Absurdität zu einem Stück Popkultur.
Der Song selbst ist keine Erklärung, keine Rechtfertigung und kein Kommentar im engeren Sinn. Er hält vielmehr etwas fest, das bis heute irritiert: die erschreckende Banalität, mit der extreme Gewalt manchmal sprachlich begleitet wird. Gerade diese Banalität macht den Satz so verstörend – und den Song so zeitlos unangenehm.
Dass „I Don’t Like Mondays“ bis heute im Radio läuft, auf Playlists erscheint und oft ohne Kontext gehört wird, zeigt ein bekanntes Phänomen: Popkultur löst sich mit der Zeit von ihrem Ursprung. Der Song funktioniert musikalisch auch ohne Wissen um seine Entstehung. Wer den Hintergrund kennt, hört ihn jedoch anders – kälter, distanzierter, vielleicht ernster.







