Dokumentiert: Die bittere Wahrheit – Amerikaner vertrauen den Nachrichtenmedien nicht

Jeff Bezos, der Eigentümer der Washington Post, hat in seiner Zeitung einen Gastbeitrag geschrieben, in dem er sich mit der Glaubwürdigkeit von Journalismus in diesen Zeiten befasst. Wir dokumentieren den Text vom 28. Oktober 2024 hier in deutscher Übersetzung.

In den jährlichen öffentlichen Umfragen zu Vertrauen und Ansehen landen Journalisten und Medien regelmäßig ganz unten, oft nur knapp über dem Kongress. Aber in der diesjährigen Gallup-Umfrage haben wir es geschafft, unter den Kongress zu fallen. Unser Beruf ist jetzt der am wenigsten vertrauenswürdige von allen. Etwas, das wir tun, funktioniert eindeutig nicht.

Ich möchte eine Analogie anführen. Wahlmaschinen müssen zwei Anforderungen erfüllen. Sie müssen die Stimmen genau auszählen und die Menschen müssen daran glauben, dass sie die Stimmen genau auszählen. Die zweite Anforderung ist von der ersten zu unterscheiden und genauso wichtig.

Das Gleiche gilt für Zeitungen. Wir müssen genau sein und man muss uns glauben, dass wir genau sind. Es ist bitter, das zu schlucken, aber wir scheitern an der zweiten Anforderung. Die meisten Menschen glauben, dass die Medien voreingenommen sind. Wer das nicht sieht, verschließt die Augen vor der Realität, und wer die Realität ignoriert, verliert. Die Realität ist ein ungeschlagener Champion. Es wäre einfach, anderen die Schuld für unseren anhaltenden Glaubwürdigkeitsverlust (und damit für den Rückgang unserer Wirkung) zu geben, aber eine Opfermentalität wird uns nicht weiterhelfen. Sich zu beschweren ist keine Strategie. Wir müssen härter daran arbeiten, das zu kontrollieren, was wir kontrollieren können, um unsere Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

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Was bedeutet der Hashtag #SolidaritaetMitBengt?

Bengt Rüstemeier, Jahrgang 1999, studiert seit 2017 Jura an der Berliner Humboldt-Universität und ist dort Mitglied im Akademischen Senat sowie Stellvertretender Vorsitzender bei den Jusos im Berliner Bezirk Pankow.

Auf Twitter ist er nun mit recht drastischen Äußerungen aufgefallen, die sich so interpretieren lassen, dass er die Erschießung von Vermietern und Jungen Liberalen (Julis) sowie einen Sprengstoffanschlag auf Jeff Bezos begrüßen würde.

Aufgrund der darauf folgenden Kritik – auf twitter, aber auch in klassischen Medien – veröffentlichte er auf facebook eine Entschuldigung und legte seine Ämter in der SPD nieder, was mit seiner Funktion an der Humboldt Universität ist, ist noch unklar.

Hiermit bitte ich um Entschuldigung für meine dummen und unbedachten Äußerungen in den sozialen Netzwerken, die mir derzeit vorgeworfen werden. Mir ist klargeworden, dass diese Äußerungen als Aufforderung zur Gewalt verstanden werden können. Ich lehne Gewalt gegen Menschen als Mittel der politischen Auseinandersetzung strikt ab. Als Konsequenz lege ich hiermit meine Funktionen innerhalb der Jusos und der SPD nieder. Diese Fehler, die ich leider nicht rückgängig machen kann, belasten mich auch persönlich
sehr. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zunächst nicht mehr öffentlich äußern werde.
Bengt Rüstemeier

In der Folge solidarisierten sich viele aus dem linken Lager unter dem Hashtag #SolidaritaetMitBengt mit ihm und kritisierten die Kritik an ihm – teilweise auch wieder mit recht expliziten Aussagen, darunter auch vom SPD Landtagskandidaten für Baden Württemberg, Daniel Al-Kayal:

 

 

Meinung: Warum Kinder nicht wie Steve Jobs, Elon Musk oder Jeff Bezos denken sollten (jedenfalls nicht alle)

Immer wieder hört und liest man es: Sei wie Steve Jobs. Schüler und Studenten sollten sich am Apple Gründe als Vorbild orientieren. Frank Thelen schlägt jetzt in einem Beitrag auf Xing in die gleiche Kerbe:

Kinder müssen lernen, wie Elon Musk und Jeff Bezos zu denken.

Wird dort getitelt.

Und so sehr ich mit Frank sonst übereinstimme: Hier möchte ich ihm deutlich widersprechen.

Jobs war ein überaus schwieriger Mensch, wie diese 11 Fakten über ihn zeigen, die Methoden wie er Apple groß gemacht sind in Details durch fragwürdig. Musk überschreitet die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn immer mal wieder in beide Richtungen und ist ein Egomane erster Güte. Bezos kennt geschäftlich kaum Skrupel.  So wichtig die Beiträge von Jobs, Musk oder Bezos für die digitale Wirtschaft auch sind – in einer Gesellschaft in der nur noch diese Werte und diese Charakterzüge gelten, möchte ich nicht leben. Wir brauchen keinen neuen Konformismus durch eine Meute egozentrischer Narzissten.

Und die Krankenschwester, die ohne zu sehr an sich zu denken, für andere da ist, der Wissenschaftler, der jahrelang am nächsten Krebsmedikament forscht, ohne die große Bühne zu suchen oder der Koch im Altenheim sind genau so wichtig wie der nächste Elon Musk.

Was wir brauchen ist Vielfalt und Kinder, die ihre eigene Persönlichkeit ausleben.

Bild: Narziss (Hans von Marées)

Lesenswertes 12

lesenswertes-12

Hier wieder meine neuen lesenswerten Links.

  1. 5 Gründe, warum das Surface Pro 4 besser ist als das iPad Pro
    …gut begründet von den Mobilegeeks.
  2. Apples Marktanteil bricht zusammen
    passend zum vorigen Artikel.
  3. Are cars in cities a becoming a thing from the past?
    Autos in Städten sind definitiv schon jetzt nicht mehr zeitgemäß.
  4. Deutschland zahlt – oder der Euro explodiert
    Über Abhängigkeiten in der Währungsunion.
  5. Christians Krieg
    Ein junger Deutscher kämpft(e) gegen den IS.
  6. To Do Liste für die Woche
    OK, andere kämpfen mit ähnlichen Problemen wie wir…
  7. Wir brauchen weniger Empörung – und mehr Grautöne
    Genialer Kommentar von Carsten Drees! Ich hab dazu übrigens ziemlich genau vor einem Jahr auch mal was ähnliches geschrieben.
  8. Drachenfütterung im Winter
    Aktuelles vom Bundesamt für magische Wesen. Die meisten Tipps lassen sich auch auf die Vogelfütterung übertragen.
  9. Bill Gates, Jeff Bezos and other tech titans form the Breakthrough Energy Coalition to invest in zero-carbon energy technologies
    Ob Raumfahrt oder Klimarettung – immer mehr wird von den Milliardären übernommen…
  10. Zusammen wird’s ein Fest
    IKEA will einsame Weihnachtsesser zusammenbringen. Gute Sache!

Bild: 12 Eurocent, die ich in meiner Hosentasche gefunden habe und mangels eines besseren Motivs spontan zur Bebilderung dieses Beitrags verwendet habe. Das Foto wurde mit einem Microsoft Lumia 640 erstellt.