10 Tipps, wie Sie Igeln helfen können

Igel sind in vielen Gärten zu Hause, doch es geht ihnen schlechter als früher. Seit Oktober 2024 führt die Weltnaturschutzunion IUCN den bei uns heimischen Braunbrustigel erstmals als „potenziell gefährdet“. Mit wenigen Handgriffen können Sie Ihren Garten igelfreundlicher machen. Hier finden Sie zehn Tipps und erfahren, wann ein Igel wirklich Hilfe braucht.

Warum Igel Unterstützung brauchen

Der Braunbrustigel ist nachtaktiv und frisst vor allem Insekten und deren Larven, dazu Käfer, Raupen, Regenwürmer und Schnecken. Auf der Suche nach Futter und Unterschlupf legt er oft mehrere Kilometer in einer Nacht zurück. Von etwa November bis März hält er Winterschlaf.

Die IUCN schätzt, dass die Bestände in den vergangenen zehn Jahren je nach Land um 16 bis 33 Prozent zurückgegangen sind. Örtliche Studien aus Teilen Deutschlands und Belgiens fanden Rückgänge von bis zu 50 Prozent. Gründe sind vor allem intensive Landwirtschaft, Straßen, Bebauung und aufgeräumte Gärten ohne Hecken und Laub. Allein im Straßenverkehr sterben nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung jedes Jahr rund eine halbe Million Igel.

Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Man darf sie nicht fangen, verletzen oder ihre Nester zerstören.

10 Tipps für einen igelfreundlichen Garten

  1. Lassen Sie wilde Ecken stehen. Laub- und Reisighaufen, Totholz, dichte Hecken und Sträucher bieten Igeln Tagesverstecke und Plätze für den Winterschlaf. Lassen Sie im Herbst Laub unter Hecken liegen. Wo solche Strukturen fehlen, hilft ein Igelhaus. Es sollte trocken, schattig und für Katzen, Marder und Hunde schwer zugänglich stehen.
  2. Machen Sie Zäune durchlässig. Ein einzelner Garten reicht einem Igel nicht. Lassen Sie im Zaun oder in der Mauer eine Öffnung von mindestens 10 mal 10 Zentimetern oder einen Spalt von 10 Zentimetern am Boden. Hohe Stufen und Sockel können Sie mit Ziegeln oder Holzklötzen überbrückbar machen, damit auch Jungtiere hinüberkommen.
  3. Lassen Sie den Mähroboter nur tagsüber laufen. Igel flüchten nicht, sondern rollen sich bei Gefahr ein. Die Sensoren heutiger Mähroboter erkennen eingerollte oder ruhende Tiere nicht zuverlässig. Die Folge sind schwere Schnittverletzungen. Mähen Sie deshalb nie in der Dämmerung oder nachts und am besten nur, wenn Sie dabei sind. Mehrere Städte, etwa Leipzig, Chemnitz und Schwerin, haben den nächtlichen Betrieb inzwischen per Allgemeinverfügung verboten. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach, was bei Ihnen gilt.
  4. Mähen und schneiden Sie mit Vorsicht. Schauen Sie unter Hecken, in hohem Gras und in Reisighaufen nach, bevor Sie mit Motorsense, Freischneider oder Heckenschere arbeiten. Gehen Sie mit motorisierten Geräten wie Laubsaugern sparsam um. Schichten Sie Reisighaufen vor dem Umsetzen vorsichtig ab und verbrennen Sie sie nicht.
  5. Verzichten Sie auf Gift. Schneckenkorn und Insektenvernichter schaden Igeln doppelt. Sie fressen die Köder oder vergiftete Beutetiere und finden in einem Garten ohne Insekten zu wenig Nahrung. Setzen Sie lieber auf Nützlinge und mechanischen Schutz. Mehr dazu lesen Sie in unseren 10 Tipps gegen das Insektensterben.
  6. Pflanzen Sie heimisch und mähen Sie seltener. Heimische Blumen, Sträucher und Gräser locken die Insekten an, von denen Igel leben. Eine artenreiche Wiese oder ein ungemähter Randstreifen bringt mehr als ein kurzer Rasen. Ein Schottergarten bietet Igeln dagegen weder Futter noch Schutz.
  7. Stellen Sie flaches Wasser bereit. Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft Igeln und vielen anderen Tieren, nicht nur an heißen Tagen. Reinigen Sie die Schale regelmäßig und füllen Sie täglich frisches Wasser nach. Geben Sie Igeln niemals Milch. Sie vertragen sie nicht und können davon krank werden.
  8. Entschärfen Sie Fallen. Lichtschächte, Kellertreppen, Teiche und Pools werden für Igel schnell zur tödlichen Falle. Decken Sie Schächte mit feinem Gitter ab oder stellen Sie eine Ausstiegshilfe hinein. Für Teiche eignen sich ein flaches Ufer oder ein Brett mit Querleisten.
  9. Füttern Sie nur in Notzeiten zu, und dann richtig. In einem naturnahen, insektenreichen Garten finden Igel meist genug. Sinnvoll kann Zufüttern im zeitigen Frühjahr und im späten Herbst sein, wenn Futter knapp ist. Geeignet sind Katzennassfutter, ungewürztes Rührei mit wenig Öl oder gebratenes, ungewürztes Hackfleisch, niemals roh. Ungeeignet sind Milch, Obst und andere pflanzliche Kost, denn Igel können sie nicht verwerten. Stellen Sie das Futter abends an eine geschützte Stelle und entfernen Sie Reste am nächsten Morgen.
  10. Lernen Sie, wann ein Igel Hilfe braucht. Ein Igel, der im September durch den Garten läuft, ist meist einfach unterwegs. Nur kranke, verletzte oder verwaiste Tiere sollten Sie aufnehmen. Woran Sie das erkennen, steht im nächsten Abschnitt.

Wann ein Igel wirklich Hilfe braucht

Tagaktivität allein ist noch kein Notfall. Ein aufgescheuchter gesunder Igel sucht sich nur ein neues Versteck. Ein gesundes Tier ist vorne schmal und hinten rundlich, rollt sich bei Berührung ein und hat klare, runde Augen. Hilfe braucht ein Igel, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Er ist verletzt, etwa nach einem Unfall oder durch einen Mähroboter.
  • Er wirkt krank: apathisch, torkelnd, liegt auf der Seite, kann sich nicht einrollen, hat eingefallene, schlitzförmige Augen.
  • Er ist stark abgemagert, wirkt „wurstförmig“ mit eingefallenen Flanken und einer Einbuchtung hinter dem Kopf.
  • Es sind verwaiste Jungtiere, die tagsüber außerhalb des Nests liegen, noch geschlossene Augen und Ohren haben und kühl sind.
  • Ein Jungtier wiegt im November noch unter 500 Gramm.
  • Ein Igel ist bei Frost oder Schnee unterwegs.

Was Sie dann tun können:

  1. Fühlt sich der Bauch deutlich kälter an als Ihre Hand, legen Sie den Igel auf eine handwarme Wärmflasche und decken ihn mit einem Handtuch zu. Ein Heizkissen ist ungeeignet.
  2. Bieten Sie eine kleine Schale Wasser an, keine Milch.
  3. Bringen Sie verletzte Tiere sofort zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt, möglichst mit Igelerfahrung.
  4. Nehmen Sie Kontakt zu einer Igelstation oder Wildtierhilfe in Ihrer Nähe auf. Viele arbeiten ehrenamtlich und sind nicht immer sofort erreichbar.

Das Gesetz erlaubt es, kranke, verletzte oder hilflose Igel vorübergehend aufzunehmen. Sobald sie sich selbst versorgen können, müssen sie wieder in die Freiheit. Gute Absicht allein reicht für die Pflege aber nicht aus, falsche Pflege schadet oft mehr, als sie hilft. Holen Sie sich deshalb früh fachkundigen Rat.

Auch ohne Garten helfen

Wer keinen Garten hat, kann trotzdem etwas tun. Fahren Sie in der Dämmerung und nachts in Wohngebieten und am Ortsrand langsam. Unterstützen Sie eine Igelstation in Ihrer Region mit einer Spende oder mit Mithilfe. Und sprechen Sie Nachbarn freundlich an, wenn deren Mähroboter nachts unterwegs ist. Weitere Informationen bietet der Verein Pro Igel e. V.

Quellen

Kann man Igel essen?

Der Verzehr von Igelfleisch hat eine lange Tradition, so war es schon im alten Rom beliebt und galt dort als Delikatesse. In Europa war es bis zum Mittelalter beliebt, wo es sogar in der Fastenzeit gegessen werden durfte – Igel galten nicht als Fleisch.

Später gesehen haben vor allem nomadische und ländliche Gemeinschaften Igel als Nahrungsquelle genutzt, darunter besonders die Roma. Sie bereiteten das Tier traditionell zu, indem sie es in Lehm einhüllten und dann im Feuer garten. Durch das Entfernen des Lehms löste sich die Stachelhaut, sodass das Fleisch freigelegt wurde. Angeblich ist Igelfleisch bei den Roma immer noch beliebt.

Igelfleisch schmeckt wie etwas zäheres robustes Schweinefleisch. Es ist daher auch bei Gruppen beliebt, die kein Schweinefleisch essen wollen, aber den Geschmack schätzen.

Doch obacht: In den meisten europäischen Ländern, darunter Deutschland, stehen Igel unter strengem Naturschutz. Das bedeutet, dass das Fangen, Verletzen oder Töten von Igeln verboten ist. Diese Gesetze dienen dem Schutz der Tiere, deren Lebensräume zunehmend bedroht sind.

Hier haben wir noch zwei Igel Rezepte:

Igel gegen Mähroboter: Was die Bundesregierung über die Gefahr im Garten weiß

Mähroboter sind praktisch, für Igel können sie tödlich sein: Die Tiere rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen, und viele Geräte fahren nachts, wenn Igel unterwegs sind. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 20/4034) vom 18. Oktober 2022 fragte, was die Bundesregierung darüber weiß und was sie dagegen tun will. Die Antwort (Drucksache 20/4252) vom 1. November 2022 bestätigt die Gefahr, liefert aber kaum Zahlen und keine neuen Regeln.

Weiterlesen „Igel gegen Mähroboter: Was die Bundesregierung über die Gefahr im Garten weiß“

Rezept: Igel Hackbällchen

Hack

Zutaten:

  • 500 g Hackfleisch vom Igel
  • 50 g Semmelbrösel
  • 60 ml Milch
  • 1 Zwiebel, in feine Streifen geschnitten
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 TL Worcestershire-Sauce
  • 1/4 TL Pfeffer
  • 1 Ei

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten in einer großen Schüssel gut miteinander vermengen, am besten mit einem Spatel oder den Händen.
  2. Aus der Masse etwa 24 Hackbällchen formen, jeweils ca. 4 cm groß.
  3. Den Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze (oder 180 °C Umluft) vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen. Alternativ eine Auflaufform verwenden und leicht einfetten.
  4. Die Hackbällchen auf das Blech legen und etwa 20 Minuten backen, bis sie eine Kerntemperatur von 72 °C erreicht haben (oder gut durchgegart sind).
  5. Nach Wunsch servieren, z. B. mit Kartoffelpüree, Reis oder einer Tomatensoße.

Tipp:
Die Worcestershire-Sauce kann bei Bedarf durch Sojasauce oder eine ähnliche Würzsoße ersetzt werden, wenn diese nicht verfügbar ist. Für zusätzlichen Geschmack können Kräuter wie Petersilie oder Thymian hinzugefügt werden.

Wenn Sie keinen Igel bekommen, nehmen Sie Gehacktes vom Rind oder Schwein. Igel schmeckt ähnlich wie Schwein, nur deutlich intensiver.

Rezept: Igel im Lehmmantel

Die traditionelle Zubereitung eines Igels im Lehm basiert darauf, das Tier vollständig in eine dicke Lehmschicht einzuhüllen, bevor es in einem Feuer -oder neuerdings Backofen – gegart wird. Der Lehm schützt das Fleisch vor direkter Hitze, schließt Saft und Aromen ein und sorgt für gleichmäßiges Garen. Gleichzeitig bleiben die Stacheln beim Entfernen der ausgehärteten Lehmschicht haften, sodass der Igel danach problemlos verzehrfertig ist. Diese Methode ist besonders in alten Nomaden- und Jägerkulturen verbreitet gewesen, da sie einfach, effektiv und naturverbunden ist.

Zutaten:

  • 0,5 Zwiebeln, gehackt
  • 1 Stange Stangensellerie, geschnitten
  • 2 EL Butter
  • 1 EL Salbei
  • 0,5 Äpfel, in kleinen Stücken
  • 1 KL Salz
  • 0,5 KL Pfeffer
  • 1 Igel, ausgenommen und gebrüht
  • 2 EL Preiselbeeren
  • 1 kg Lehm

Zubereitung:

  1. Backofen vorheizen:
    • Auf 140 °C Umluft (oder 160 °C Ober- und Unterhitze).
  2. Igel vorbereiten:
    • Igel töten, ausnehmen und 5 Minuten in siedendem Wasser brühen. Dadurch wird das Fleisch zarter und Parasiten werden entfernt.
  3. Füllung zubereiten:
    • Zwiebeln und Sellerie in der Butter dünsten.
    • Salbei und die Apfelstücke hinzufügen und kurz mit erhitzen.
    • Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  4. Igel füllen:
    • Die vorbereitete Füllung in die Bauchhöhle des Igels geben.
  5. Lehm vorbereiten:
    • Den Lehm gut durchkneten und eine 1 cm dicke, ca. 40 x 40 cm große Platte walzen.
    • Den Igel mit dem Rücken nach unten in die Lehmplatte drücken (Achtung: Stacheln dürfen nicht durch den Lehm hindurchstoßen).
    • Den Lehm sorgfältig um den Igel herum anheben, fest andrücken und oben gut verschließen. Risse vermeiden.
  6. Backen:
    • Den eingehüllten Igel für 2 Stunden im vorgeheizten Backofen garen.
  7. Servieren:
    • Nach dem Backen den harten Lehm vorsichtig zerschlagen und entfernen (die Stacheln bleiben im Lehm zurück).
    • Den Igel tranchieren und zusammen mit den Preiselbeeren servieren.

Hinweise:

  • Durch das kurze Brühen im siedenden Wasser werden unangenehme Parasiten entfernt, die sich zwischen den Stacheln befinden.
  • Den Kopf des Igels nicht essen, da dieser bitter schmeckt.