Arzt aus der Lausitz, Fallschirmjäger-Bataillonsarzt, Vertriebener, Senator in Salzgitter und Richter am Bundessozialgericht: Siegfried Moerchel, geboren am 26.08.1918 in Bagenz im Kreis Spremberg, gehörte dem Bundestag von 1953 bis 1957 an. Er starb am 11.01.2002 in Salzgitter.
Kurzprofil
- Geboren: 26. August 1918 in Bagenz (Spremberg)
- Gestorben: 11. Januar 2002
- Beruf: Praktischer Arzt
- Partei: CDU
- Bundestag: 1953 bis 1957 (2. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: evangelisch, verheiratet
Medizin
Moerchel ging in Spremberg zur Schule, machte 1937 in Cottbus Abitur, leistete Reichsarbeitsdienst und studierte ab 1939 Medizin in Berlin, Leipzig und Greifswald. 1944 legte er das Staatsexamen ab und wurde promoviert. 1944 und 1945 war er Bataillonsarzt in einer Fallschirmjägerdivision, danach bis 1947 in Gefangenschaft.
Lebenstedt
1947 kam Moerchel als Vertriebener aus Misdroy in den Westen und ließ sich in Lebenstedt nieder, wo er ab 1948 als praktischer Arzt arbeitete. 1948 trat er der CDU bei und führte von 1950 bis 1964 den Kreisverband Salzgitter-Lebenstedt. Von 1952 bis 1964 war er Senator, von 1981 bis 1991 Ratsherr in Salzgitter. Von 1958 bis 1964 war er Richter am Bundessozialgericht.
Bundestag
Im Bundestag gehörte Moerchel den Ausschüssen für Gesundheitswesen und Sozialpolitik und ab 1956 dem Ausschuss für Atomfragen an. 1957 stand er auf Platz 16 der Landesliste und schied aus. Der Bundesversammlung gehörte er 1954 an, die Theodor Heuss für eine zweite Amtszeit wählte. Zwischenrufe von ihm verzeichnen die Protokolle nicht; seine 13 Reden verteilen sich auf acht Sitzungen.
Reden
Die Protokolle zählen 13 Reden mit 6.602 Wörtern in 227 Sitzungen. Beide großen Reden galten der Gesundheitspolitik. In der ersten am 25. Mai 1955, 469 Wörter lang, antwortete er dem SPD-Abgeordneten Dannebom auf einen Antrag zur Honorierung ärztlicher Leistungen und dankte ihm, er habe ihm die Stichworte geliefert. Die ärztliche Behandlung gehöre zu den Pflichtleistungen der Krankenversicherung; die freiwilligen Leistungen dürften nicht beeinträchtigt werden, aber nicht auf Kosten der Ärzte, die seit 1945 selbstlos gearbeitet hätten. Die Honorierung sei vielleicht das heißeste Eisen des Gesetzes. In der letzten am 28. Juni 1957, 983 Wörter lang, sprach er über Ärzte in der Bundeswehr und versprach, sich kurz zu fassen. Die Bereitschaft der Ärzte zum Dienst sei groß, ältere Kollegen fürchteten aber Einbußen, jüngere wollten Aufstiegsmöglichkeiten. Wer heute als Arzt in die Bundeswehr eintrete, habe sein Studium selbst bezahlt; eine militärärztliche Akademie gebe es nicht.
Daten
Auf die Auswertung seiner Abstimmungen wird verzichtet, weil die Daten der 2. Wahlperiode unzuverlässig sind. Die Stammdaten führen ihn als praktischen Arzt, evangelisch, verheiratet. Seine Lebensdaten stimmen in Stammdaten, Biografie und Handbuch überein.
Mandate im Überblick
Moerchel kam 1953 auf Platz 12 der Landesliste der CDU Niedersachsen in den Bundestag:
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Niedersachsen, CDU/CSU-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).