Das DoppelEinhorn und die Meinungsfreiheit

Der Kampf gegen Hatespeech

Der Kampf gegen Hatespeech in sozialen Netzen ist eines der großen Anliegen der Bundesregierung. Dagegen ist ja grundsätzlich auch nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil.

Leider wird dabei immer wieder übers Ziel hinausgeschossen. Verwiesen sei z.B. auf das unausgegorene Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Doch wenn man denkt, es könne nicht mehr schlimmer werden, kommt das Doppeleinhorn:

Fragwürdiges Verständnis von Meinungsfreiheit

Ruft man den twitter Account des DoppelEinhorn auf, begegnet einem im Header der schöne Spruch:

Es heißt Grundrecht auf Meinungsfreiheit und nicht Grundrecht auf Scheißelabern.

“Das DoppelEinhorn und die Meinungsfreiheit” weiterlesen

Liste: Status von Webdiensten und Servern

Hier entsteht eine Liste mit Websites, auf denen man überprüfen kann, ob wichtige Dienste, Server oder Websites gerade down sind.

1&1

status.1und1.de/

Apple

www.apple.com/de/support/systemstatus/

Beinhaltet unter anderem App Store, Apple Music, Apple Online Store, Apple School Manager, Apple TV, Apple-ID, Beats 1, Diktieren, Dokumente in der Cloud, FaceTime, Foto‑Druckprodukte, Fotos, Game Center, iBooks Store, iChat, iCloud Drive, iCloud Erinnerungen, iCloud Kalender, iCloud Kontakte, iCloud Mail, iCloud Notizen, iCloud‑Account und Anmeldung, iCloud‑Backup, iCloud‑Lesezeichen und ‑Tabs, iCloud‑Schlüsselbund, iCloud‑Speicherplatz‑Upgrades, iCloud‑Web‑Apps (iCloud.com), iMessage, iMovie Theater, iOS-Geräteaktivierung, iPhone-Anrufe auf dem iPad und Mac, iTunes in der Cloud, iTunes Match, iTunes Store, iTunes U, iWork für iCloud, Karten – Ansicht, Karten – Streckenführung und Navigation, Karten – Suchen, Karten – Verkehr, Mac App Store, macOS-Softwareaktualisierung, Mail Drop, Mein iPhone suchen, Meine Freunde suchen, Radio, Siri, Spotlight-Vorschläge, Volume Purchase Program, Weiterleitung von SMS, Zurück zu meinem Mac

AWS (Amazon Web Services)

status.aws.amazon.com/

Azure

azure.microsoft.com/de-de/status/

Facebook

developers.facebook.com/status/

Google Dienste

www.google.com/appsstatus
Beinhaltet den Status zu Gmail, Google Kalender, Google Talk, Google Drive, Google Docs, Google Tabellen, Google Präsentationen, Google Sites, Google Groups, Admin-Konsole, Google Hangouts, Google Vault, Google+, Google Formulare, Google Cloud Search, Google Notizen, Google Analytics, Google Maps, Google Voice, Blogger, Google Sync Mobile, Classroom, Google Realtime API

Office 365 (Business)

status.office365.com/

OneDrive

portal.office.com/servicestatus

Outlook.com

portal.office.com/servicestatus

Playstation Netzwerk

status.playstation.com/de-de/

Steam

WhatsApp

@wa_status (wird seit 2014 nicht mehr aktualisiert)

WordPress.com

  • downforeveryoneorjustme.com/wordpress.com
    Wenn Sie Probleme haben, WordPress.com Blogs zu erreichen.
  • status.automattic.com/
    Status auch für weitere Automattic Dienste wie Akismet API, Cloudup, Gravatar, IntenseDebate, Jetpack API, Jetpack Stats, Polldaddy, Simperium API, VaultPress, VIP Go, WordPress.com REST API

Xbox

support.xbox.com/de-DE/xbox-live-status

Yammer

portal.office.com/servicestatus

Letzte Aktualisierung: 3. Mai 2016

mastodon.social – kann man sich anmelden, muss man aber nicht

Versuche, twitter oder facebook etwas entgegenzusetzen, gab es immer wieder. Wirkliche Bedeutung erlangten – zumindest hier im westlichen Nutzerraum – app.net und ello.

app.net ist tot und ello dümpelt irgendwo so vor sich hin. Dass ich mich das letzte mal eingeloggt habe, ist schon ewig her.

Jetzt probiert es mastodon.social, das sich an twitter ausrichtet. Den Dienst gibt es schon einige Monate, konnte aber bis vor wenigen Tagen erst 24.000 Nutzer gewinnen. Einen größeren Schub gab es jetzt, nachdem twitter sein neues Reply System eingeführt hat. Dieses hat vielen Nutzern der ersten Stunde nicht so gefallen und Mastodon ist halt gerade die mögliche Alternative, die da ist…

Wesentliche Unterschiede, die von den Machern hervorgehoben werden:

  • Dezentrale Serverstruktur
  • streng chronologische Timeline
  • 500 Zeichen je tweet
  • Privatsphäre Einstellungen je Posting
  • umfangreiche Blocking Tools
  • offene API
  • keine Anzeigen, kein Tracking

Apps für iOS und Android gibt es dank der API von unabhängigen Entwicklern, es läuft aber auch alles über den Browser. In der Praxis sieht das dann etwa so aus:

Wie man sieht habe ich mich auch hier für den Nutzernamen stagerbn entschieden… Übrigens, ist der gewünschte Nutzername bei mastodon auf einer Instanz, also einem Server, nicht verfügbar, kann man sich auf einer anderen Instanz anmelden.

Da mastodon ähnlich funktioniert wie twitter und mehr oder weniger selbsterklärend ist, will ich zu den Funktionen nichts schreiben. Wer es ausprobieren will, geht einfach auf mastodon.social und kann sich dort ganz einfach anmelden. Wenn dieser Server gerade keine Anwendungen annimmt, meldet man sich eben auf einem anderen an – ich bin auf octodon.social ausgewichen. Auf welchem mastodon Server man sich anmeldet, ist an sich egal – man kann mit den Usern auf den anderen Servern interagieren. Eine Liste mit aktuellen mastodon Servern gibt es hier. Eugen Rochko, der Progammierer von mastodon, empfiehlt ansonsten icosahedron.website und social.tchncs.de, da er die Betreiber dieser Instanzen kennt.

Ein tweet heißt hier übrigens “Toot” (dt. “Trööt”) – eine Reminiszenz an das Maskottchen, ein Mastodon (ausgestorbene Mammut-Art), benannt ist der Dienst aber nach einer Band. Noch am Rande interessant: Besonders viele Nutzer und Fans scheint Mastodon in Frankreich zu haben.

Ich bin mir sicher, dass auch mastodon.social in dieser Form keinen großen Erfolg haben wird. Ähnlich wie bei app.net oder ello wird es jetzt seine kleine Zielgruppe finden, die es abfeiern wird, für den Durchbruch in der Masse sehe ich aber keine Chance. Gerade wegen der dezentralen Struktur sowie wegen der fehlenden Monetarisierungsmöglichkeiten. Ja, der Betrieb einer breit angelegten Social Media Plattform ist aus vielen Gründen sehr teuer – auch wenn man mit einer dezentralen Serverstruktur arbeitet.

Sie können sich ja mal anmelden um sich auf einem der Server den Nutzernamen der Wahl zu sichern, wenn es wider Erwarten doch etwas geben sollte oder um als Soschähl Miedia Berater mastodon Know-How aufzubauen, aber zwingend ist das derzeit nicht.

Wer mehr Hintergründe möchte – die gibt es bei The Verge. oder bei den mobilegeeks.

Und zum Abschluss:

Repariert die Diskussionskultur

social-media-filterblasen-fakten-entspannen

Radikalisierung der Diskussionen

Bewegt man sich derzeit im politischen Bereich auf twitter und Facebook, erlebt man eine zunehmende Radikalisierung der Diskussionskultur. Es wird sich beschimpft, zu Werbeboykotts aufgerufen, geblockt und gedroht, was das Zeug hält. Der Ton ist in den letzten Monaten, gerade aber in den letzten Wochen, rauh geworden.

Ich sehe diese Entwicklung bedenklich – sie hat etwas von den Bierhausschlägereien zwischen Nazis und Kommunisten in der Spätzeit der Weimarer Republik, bei denen die bürgerliche Mitte schweigend wegschaute. Wohin das führte, wissen wir.

Nun ist die Situation sicherlich nicht so dramatisch, wie sie es damals war, doch ist eine Frontenbildung zu beobachten, von der man nicht weiß, wohin sie führen wird. Und das ist bedenklich.

Hier vier Tipps, wie man Social Media für sich wieder reparieren kann.

1. Raus aus den Filterblasen

Das ist die Grundlage: Kommt raus aus den Filterblasen. Folgt nicht nur denen, die twitter Euch vorschlägt. Befreundet Euch nicht nur denen, die Eurer Meinung sind, reagiert nicht nur auf Beiträge, die Eure volle Zustimmung finden, blockt nicht User, die einer anderen politischen Meinung sind.

Mit zwei kurzen Beispielen will ich das verdeutlichen.

Baut Euch ein abwechslungsreiches Umfeld auf

Im Herbst 2016 machte der österreichische Journalist Florian Klenk den Vorschlag, bestimmte ORF Sendungen mit türkischen Untertiteln zu versehen, woraufhin jemand auf Facebook schrieb: “Kann den wer anzünden bitte?”. Klenk setzte sich mit dem Mann namens Boris in Verbindung und traf sich mit ihm. Der Artikel dazu ist immer noch lesenswert. Noch interessanter ist aber, dass Boris seine Meinung dazu überdacht hat.

Ich nutze nach wie vor Facebook, Youtube und andere Medien im Internet. Ich habe jedoch ganz bewusst versucht, Filterblasen und Echokammern nicht nur zu vermeiden, sondern bestehende aktiv zu durchbrechen und das ist einfacher als man denkt. Ich habe viele meiner “Gefällt mir” und Abonnements auf Facebook entfernt und statt dessen versucht eine ausgewogenere Infrastruktur an News-Quellen zu aufzubauen.

Seine komplette Aussage kann man hier nachlesen.

Und genau das versuche ich. Ich folge Politikern (fast) aller Parteien, durch meine Timeline kommen Ralf Steger, Peter Altmeier, der Regierungssprecher, Beatrix von Storch, Christopher Lauer und Markus Söder. Ich beziehe News von der TAZ, von der FAZ, vom Spiegel, vom Stern und auch Tichys Einblick. Eben das ganze Spektrum. Mal twittern die einen kluge Dinge, mal die anderen. Zum Nachdenken kommt man auf jeden Fall.

In dem Zusammenhang noch kurz angemerkt: ich bin gegen Werbeboykottaufrufe, wie man sie unter dem Hashtag #keinGeldfürRechts erlebt. Dazu habe ich selber schon was geschrieben, lesenswert dazu auch Stefan Winterbauer. Bei dieser Problematik kann man mit guten Gründen auch anderer Meinung sein, aber für mich gehört zur Meinungsfreiheit dazu, diese auch unbeeinträchtigt finanzieren zu können – auch wenn mir einzelne Meinungen nicht passen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich kann jedenfalls jedem nur raten, sich einen bunten Strauß an Meinungen in sozialen Netzen aufzubauen und sich selbst Gedanken zu machen.

Dabei gilt für mich: RT, Follow oder eine andere Reaktion heißt nicht zwingend Zustimmung. Das ist für viele freilich leider nicht zu verstehen und hat mich schon den ein oder anderen Follower und Facebook-Freund gekostet.

Auch geblockt wurde ich schon…

Blockt nicht so viel

Der Berliner SPD Politiker Christopher Lauer kritisierte den Polizeieinsatz in der Neujahrsnacht 2017 in Köln. Neben Zuspruch gab es viel Kritik, besonders nachdem Lauer einen Sparkassen Mitarbeiter, der ihm per E-Mail mitteilte, künftig AFD zu wählen, an den Twitter-Pranger stellte.

Lauer tweetet mehrfach an seine Kritiker, dass diese nicht in der Mehrheit seien.

lauer-kritiker-mehrheit

Kein Wunder, hat er doch die meisten geblockt und kann die Kritik daher gar nicht sehen:

christopher-lauer-blockt

Auch so verstärkt man seine Filterblase. Also, nicht direkt blocken, entfrienden oder entfolgen, wenn einem mal was nicht passt.

Bleibt entspannt

Auf der anderen Seite kann ich Lauer aber auch verstehen. Denn neben sachlicher Kritik musste er sicher viele harte Kommentare einstecken (wobei man über Lauers andauernde “Geht Kacken” tweets auch diskutieren kann…). Dass einem das zu viel werden kann, ist also nachvollziehbar. Wären alle etwas entspannter und würden bessere Manieren an den Tag legen, wäre das aber alles wohl gar nicht notwendig.

Generell sollte man Diskussionen gerade in sozialen Netzen möglichst entspannt führen. Nicht jeder, der die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin hinterfragt ist ein Nazi oder eine braune Kackwurst. Und ebenso wenig ist jemand, der die Flüchtlingspolitik befürwortet ein “linksversiffter Gutmensch”, dem es “die Bereicherer mal ordentlich besorgen” sollten.

Denkt Euch einfach, Ihr würdet mit dem Gegenüber persönlich sprechen. Würdet Ihr dann sowas sagen? Eben.

Ein entspannter Diskussionsstil entschärft jedenfalls vieles.

Ach ja, und noch was. Wenn einer was unliebsames sagt ist das in erster Linie Grundlage für eine direkte Diskussion. Wenn es strafrechtlich relevant ist ggf. auch für die Staatsanwaltschaft. Aber im Regelfall nichts für öffentliches Anschwärzen, z.B. beim Arbeitgeber.

Haltet Euch an die Fakten

Oh, ein weites Feld. Ich will jetzt an dieser Stelle gar nicht groß in die Fakenews Debatte, postfaktisches Zeitalter etc. einsteigen. Dazu schreiben klügere Köpfe als ich. Nur wieder ein kleines Beispiel.

Am 10. Januar hat der Europäische Gerichtshof für Menschrechte entschieden, dass eine muslimische Schülerin aus der Schweiz am gemischten  Schwimmunterricht teilnehmen muss. Auf twitter fiel mir in dem Zusammenhang ein tweet auf, der in etwa lautete “Warum müssen Muslime zum Schwimmunterricht. Für andere Befreiung kein Problem, z.B. strenggläubige Christen”. Hat mich gewundert, kenne ich aus eigener Erfahrung anders, hat mich interessiert. Ich frage nach “Wo ist das, kenne ich anders.” Antwort “Bei uns ist das so.” Ich “Hier in Bonn an vier Schulen anders erlebt. Was für eine Schule ist das”. Ich schaue in die einschlägigen Regelungen, kann es mir immer weniger vorstellen. Eine Antwort erhalte ich freilich nicht mehr, vielmehr wurde ich von der Person geblockt. Immerhin: die tweets mit den falschen Aussagen wurden gelöscht.

Daher: Schreibt keine Lügen. Erfindet keine Vergewaltigungen durch Flüchtlinge. Erfindet nicht einfach Fakten. Kehrt Euch unangenehme Tatsachen oder News nicht einfach unter den Tisch, nur weil das nicht in Euer Weltbild passt.

Produziert keine Fakenews und teilt möglichst nichts, was nicht den Fakten entspricht – auch wenn es nicht immer einfach ist, das zu beurteilen.

Dann brauchen wir auch keine Behörde, die beurteilt was wahr ist und was nicht. Das wäre mir nämlich zu viel Orwell.

Problematisch ist in dem Zusammenhang aber auch, dass viele Medien mehr und mehr versuchen, erzieherisch tätig zu werden und an sich sachlichen Meldungen einen (Meinungs-)Spin zu geben. Schön zu beobachten beim Spiegel, wo es in die eher linke Ecke geht und andererseits beim Focus, wo der Ball nach rechts gespielt wird. Eine deutlichere Unterscheidung zwischen Meldung und Meinung wäre hier wünschenswert.

Nehmt Euch nicht so wichtig

Zuletzt: Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt. Auch nicht der Mittelpunkt auf twitter oder facebook. Du übrigens auch nicht.

Denk mal drüber nach.

Und nicht nur darüber.

Augen auf bei Freundschaftsanfragen auf facebook

vorsicht-bei-facebook-freundschaftsanfragen

Sie bekommen bei Facebook eine Freundschaftsanfrage? Es lohnt sich, genau hinzuschauen, denn es gibt hier immer wieder Betrugsversuche.

Folgende Fälle treten besonders häufig auf:

Anfragen von bestehenden Kontakten

Sie bekommen eine Freundschaftsanfrage von jemanden erhalten, mit dem Sie eigentlich schon befreundet sind?

Dann Vorsicht, denn es ist wieder einmal so weit: auf Facebook werden immer wieder massenhaft reale Profile kopiert, die dann mit den Kontakten des echten Profils in Kontakt treten. Als erstes kommt die Freundschaftsanfrage, als nächstes kommt eine private Nachricht. Im besten Fall werden Daten abgefragt, im schlimmsten wird man gebeten, aufgrund eines angeblichen Notfalls Geld zu überweisen oder per PayPal zu versenden.

Überprüfen Sie zuerst über die Suche, ob Sie die betroffene Person nicht doch noch unter Ihren Kontakten haben. Wenn ja – schauen Sie sich das anfragende Profil genauer an. Ein hartes Indiz für einen Fake sind nur wenige Kontakte und Rechtschreibfehler.

Sie sollten den echten Kontakt sofort darüber informieren, dass es hier einen Social Hacking Versuch gibt und das Profil bei Facebook gibt. Schreiben Sie auch öffentlich auf Facebook, dass es offensichtlich eine gefakte Freundschaftsanfrage von einem Kontakt gibt – nicht jeder schaut genau hin.

Anfragen von hübschen jungen Damen

Hier sind besonders Männer Opfer: auffallend hübsche junge Damen, vorzugsweise aus dem gleichen Ort, wollen mit einem befreundet sein.

Anfangs sehen die Profile meist noch ganz harmlos aus, posten aber nach kurzer Zeit Werbung für ziemlich explizite Sex Seiten oder Dating Apps.  Besonders peinlich wird es, wenn diese Köderprofile Sexlinks auf Ihrer Pinwand posten.

Warum ich mich heute über die Süddeutsche Zeitung geärgert habe – mit Updates

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Updates am Ende des Artikels

Ein großes Thema derzeit ist ja der Umsatz mit Fakenews und Hatespeech in sozialen Netzen. Besonders Facebook steht hier in der Kritik, nicht schnell genug, falsch oder nach undurchsichtigen Kriterien vorzugehen.

Das Süddeutsche Zeitung Magazin macht jetzt mit einer großen “exklusiven” Story über facebooks Löschteam in Berlin auf. Ja, gut dass das Thema behandelt wird – aber exklusiv ist hier nichts, jedenfalls nichts mit Relevanz. Und es ist auch nicht das erste mal, dass ein Mitarbeiter aus dem – übrigens von Bertelsmann Tochter Arvato – gestellten Löschteam “auspackt”.

Das war nämlich schon einige Wochen vorher bei den Mobilegeeks der Fall. Carsten Drees hat dort nämlich einen sehr guten und umfassenden Artikel zum Thema geschrieben. Jedenfalls umfassender und nicht so reißerisch wie bei den Kollegen aus München.

Besonders ärgert mich aber, dass der Beitrag bei den Mobilegeeks den SZ Autoren schon vorher bekannt gewesen sein muss. Zum einen deuten Tweets von Till Krause darauf hin, zum anderen ist es unmöglich, zu dem Thema zu recherchieren ohne auf den Mobilegeeks Beitrag zu stoßen.

Soviel also zum Thema Qualitätsjournalismus.

Eine direkte Stellungnahme gibt es übrigens von MG Gründer Sascha Pallenberg. Und weil die viel ausführlicher ist und Sascha viel besser schreiben kann als ich, empfehle ich diese zur Lektüre. Besonders hinweisen möchte ich auf den Vorschlag, den Hashtag #insidefacebook zu kapern, um auf die mangelnde Exklusivität hinzuweisen.

Ach – noch ein kleiner Nachtrag, wer sich für Facebook Löschkriterien aus US-Sicht interessiert, sollte diesen Inside Facebook Beitrag lesen.

Update 1 – ich ärgere mich weiter

Warum ich mich weiter über die SZ ärgere – die Story wird mir jetzt zu reißerisch und voyeuristisch angepriesen. Wie dieser tweet von Hannes Grassegger zeigt:

hannes-grassegger-inside-facebook-reisserisch

Ja sind wir hier bei der SZ oder bei heftig.co?

 

Was ich als Scholz & Friends zu #KeinGeldfuerRechts geschrieben hätte

henselgate-404-scholz-friends

Inzwischen hat Scholz & Friends reagiert. Eine schnelle Einschätzung dazu von mir findet sich auf Facebook, wird aber auch hier im Blog folgen. Kurz gesagt: Stefan Wegners Stellungnahme wird die Diskussion wohl kaum befrieden.

#KeinGeldfürRechts und die Stellungnahme von Scholz & Friends

Die meisten werden es mitbekommen haben: Gerald Hensel, Werber bei Scholz & Friends, hat auf seinem Blog eine Initiative unter dem Hashtag #KeinGeldfuerRechts gestartet, mit dem er rechten Medien den Geldhahn zudrehen will. Agenturen sollten bei rechten Seiten keine Werbung schalten und diese auf die Blacklists setzen, was Retargeting und andere automatisierte Einblendungen angehe. So weit so gut – oder auch nicht. Ich persönlich halte diese Kampagne für falsch, insbesondere weil Hensel bei der Auswahl der zu boykottierenden Seiten deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist. Nicht alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, ist böse. Genau so fände ich übrigens eine #KeinGeldfuerLinks Aktion falsch, ausführlicher hier.

Jedenfalls hat auf der FaceBookseite seines Arbeitgebers eine regelrechte Bewertungsschlacht begonnen. Kritiker des Aufrufs bewerten die Agentur mit einem Stern, Befürworter kontern mit der vollen Punktzahl. Auch darüber mag man trefflich streiten; Hensel und Scholz&Friends sind an dieser Entwicklung aber nicht ganz unschuldig, hatte sich doch Hensel auf die Rückendeckung seines Arbeitgebers berufen und andererseits die Agentur am 8. Dezember folgendes auf ihrer Facebookseite veröffentlicht:

Liebe Facebook-Community,

ganz schön was los bei uns in den letzten Stunden. Wir möchten zunächst mal kurz darauf hinweisen, dass die Aktion #keingeldfürrechts die private Initiative unseres Mitarbeiters Gerald Hensel ist. Also seid Ihr hier an der falschen Adresse. Und wer glaubt, dass er indirekt bei uns Druck aufbauen kann, damit wir diesen dann an einen Friend weitergeben, kennt unsere Agentur nicht. Zu #keingeldfürrechts kann man unterschiedliche Meinungen haben. Aber wir überlassen das jeder Privatperson und auch jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter bei uns, sich diese selbst zu bilden.

Was wir grundsätzlich toll finden: Friends, die sich engagieren und die Meinung und Haltung mitbringen. Und gerne darüber streiten. Dann sind sie richtig bei Scholz & Friends. Das gilt für Gerald und zum Glück auch für ganz viele andere Friends.

Euer Team von Scholz & Friends

Den Link zum Original-Post habe ich hier, einen Screenshot gibt es unten. Ich halte dieses Posting für ungeschickt und bin mir sicher, dass es wesentlich dazu beigetragen hat, den Kampf um die Bewertungshoheit zu verschärfen.

Was hätte man anders schreiben können?

Kritisieren ist gut, besser oder zumindest anders machen aber etwas ganz – öhm – anderes. Was hätte ich also geschrieben.

Liebe Facebook-Community,

es ist hier ja ganz schön was los in den letzten Stunden.

Wir möchten zunächst mal kurz darauf hinweisen, dass die Aktion #keingeldfürrechts die private Initiative unseres Mitarbeiters Gerald Hensel ist.

Wir als Agentur treten für eine breite, bunte und vielfältige Medienlandschaft ein. Verschiedene Meinungen und eine lebendige Diskussionskultur machen eine Demokratie aus, ja ohne diese wäre sie wohl gar nicht möglich.

Daher finden wir #keingeldfürrechts nicht gut. Eine Aktion #keingeldfürlinks fänden wir übrigens genauso schlecht.

Wichtig ist aber auch, dass jeder Mensch offen an der politischen Diskussion teilnehmen kann, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen, besonders auch nicht von seinem Arbeitgeber.

Wer daher glaubt, dass er indirekt bei uns Druck aufbauen kann, damit wir diesen dann an einen Kollegen weitergeben, ist hier an der falschen Adresse – denn Meinungsfreiheit ist für uns kein hohles Wort.

Euer Team von Scholz & Friends

Ich bin kein Werber oder Texter, insoweit ist dieser Text nicht perfekt, aber ich glaube, es wird deutlich was ich damit sagen will: so eine Aktion, die andere Medien mundtot machen will, ist nicht akzeptabel. Aber wegen eines einmaligen Ausrutschers direkt einen Mitarbeiter zu entlassen, ist auch überzogen.

Ein #henselgate für Scholz & Friends?

Fragen wirft der weitere Umgang von S&F mit Hensels Aktion auf, die sich für die Agentur zusehends zum #henselgate entwickelt.

Die Einsternebewertungen nehmen zu, die positiven stagnieren. Es gibt Beschimpfungen deutlich unterhalb der Gürtellinie und Kunden von S&F werden aufgefordert, die Verträge mit der Agentur zu kündigen, ansonsten werde man die Unternehmen boykottieren.

Nicht schön. Und die Reaktion von Scholz & Friends dazu? Schweigen.

So gibt es seit dem zitierten Facebook Post keine weitere öffentliche Stellungnahme, die Adventskalender Aktion auf Facebook wird nicht fortgeführt, auf tweets wird nicht mehr reagiert, eine ziemlich verunglückte Mail an Broder von achgut.com. Stattdessen ist die Pressemitteilung, mit der Hensels Verpflichtung kommuniziert wurde, nicht mehr erreichbar. Die ursprünglich witzige 404 Seite mit dem confused Vincent Vega Meme ist seriös geworden.

Man mag fast den Eindruck gewinnen, dass eine Deutschlands renommiertester Agenturen einen Kommunikationsberater braucht.

Anhang – der Screenshot

henselgate-stellungnahme-scholz-friends-facebook

Screenshot 14.12.2016 ca. 7:30h.

Öffentlich einsehbares Facebook-Profil von Hussein Khavari aus Freiburg

Screenshot des öffentlich einsehbaren Facebook-Profils von Hussein Khavari aus Freiburg, des mutmaßlichen Mörders von Maria L.

hussein-khavari-freiburg

Die Post-Smartphone-Ära fängt gerade an

Die Überschrift ist natürlich Clickbait…

Daher vorab: ich fand es schon immer eigenartig, von der Post-PC-Ära zu sprechen. Der PC ist immer noch da und wird auch noch lange bleiben. Ich fand daher den Begriff der “Not-Only-PC-Era” auch passender.

Aber: wir werden bald auch von der Post-Smartphone-Ära sprechen.

der wahre Kern

Unbestritten ist derzeit aber das Smartphone das zentrale digitale Gerät für die meisten Menschen. Zwei aktuelle Gadgets und eine weitere Beobachtung deuten aber an, dass es diese zentrale Position nicht auf Dauer innehaben wird.

Zunächst einmal zu den beiden Gadgets, die mich auf diesen Gedanken bringen.

Zum einen ist dies Snap Spectactles, eine Kamera in einer Brille, mit der man kurze Videos für Snapchat aufnehmen kann, zum anderen Amazon Echo, das stellvertretend für die anderen intelligenten Lautsprecher ist, die bald auf den Markt kommen werden.

(Wem das jetzt alles zu lang wird: ganz unten gibt es ein tl;dr.) “Die Post-Smartphone-Ära fängt gerade an” weiterlesen

Intelligente Lautsprecher – der nächste heiße Sh1ce…

Moment, was sind intelligente Lautsprecher oder: Echo is in da House

amazon-echo
An WLAN Lautsprechersysteme wie z.B. von Sonos haben wir uns schon gewöhnt und sie sind aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken und lösen die guten alten Stereoanlagen ab.

Amazon hat als erstes mit dem Echo einen Speaker vorgestellt, der mehr kann – nämlich auf Sprachbefehle reagieren. Ruft man Alexa, ist Echo parat und hört dann auf Befehle wie “Spiele Ode to the Bouncer von Prime Music”, “Lauter”, “Pause”, “Fortsetzen” etc.

Alexa kann aber noch mehr: “Alexa, wecke mich morgen um 5:55 Uhr!”, “Scheint morgen die Sonne” oder “Stelle den Timer auf 20 Minuten”. Klassische Aufgaben eines digitalen Assistenten eben.

Und auch damit ist nicht Schluss, denn Alexa kann mit “Skills” erweitert werden. Skills kann man sich wie eine App für Alexa vorstellen. So kann man die “Deutsche Bahn” Skill installieren und Alexa ist auf einmal die Bahnauskunft. Oder man ruft sich über mytaxi ein Taxi und fragt die Sport Skill “Wie hat Bayern gegen Dortmund gespielt?” und vieles mehr.

“Shut up and Take My Money”

Wer Alexa nutzen möchte, hat in Kürze zwei Systeme zur Auswahl: Amazon Echo und Amazon Echo Dot.

Echo ist gut 24cm hoch und ein vollwertiger Lautsprecher mit recht ordentlichem Sound. Auf jeden Fall ausreichend, um ein normales Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche oder Terrasse bei der Gartenparty zu beschallen. Eben kombiniert mit den Fähigkeiten von Alexa. Kostet rund 180 Euro bei Amazon.

Echo Dot  ist deutlich kleiner und deutlich günstiger – nur rund 60 Euro (bestellen Sie hier…). Dafür verfügt der Echo Dot nur über einen einfachen Lautsprecher, der in erster Linie für Alexas Sprachausgabe gedacht ist. Man kann darüber auch Musik spielen, aber ein raumfüllendes Audio-Erlebnis darf man nicht erwarten. Allerdings: per Line-Kabel oder Bluetooth kann man den Dot auch mit einem bestehenden Lautsprecher – JBL, Bose, Sonos und wie sie alle heißen – verbinden.

Der kleine “Körper” für Alexa bietet sich ansonsten an, wenn man hauptsächlich auf die Assistenten Funktionen zugreifen will. So könnte man den großen Speaker im Wohnzimmer halten, im Schlafzimmer nutzt man ihn als schlauen Wecker und um das Licht auszuschalten (ja, geht mit entsprechendem System wie Hue auch) und im Arbeitszimmer kümmert sich Echo Dot um die Terminverwaltung – und hört immer mit…

Hilfe, meine Daten!

…weswegen gerade in Deutschland natürlich wieder der ein oder andere entsetzt sein wird. Symptomatisch im Wikipedia Eintrag zu Echo:

Da das Gerät jegliche Konversation im Raum mithört, um auf das Aktivierungswort reagieren zu können, und immer mit der Cloud verbunden ist, wird die Privatsphäre der eigenen Wohnung durch den Benutzer willentlich gefährdet.

Sicher, das sollte man wissen und auch darauf achten, was sich in Sachen Hacks so kommt und sensibel sein. Klar ist aber auch:  alle digitalen Assistenten brauchen eben diesen Zugriff und haben ihn schon. Ich sag nur “Siri”, “OK, Google” und “Hey, Cortana”. Jetzt ist eben noch Alexa im Club.

Und was kommt sonst noch?

Alexa und Echo werden aber nicht allein bleiben… Denn der Kampf um die Lautsprecher im Haus geht jetzt erst richtig los.

Google bringt in Kürze Google Home, das ist ein direkter Echo Konkurrent, der etwas weniger kosten soll und das gleiche kann, halt mit den Google Diensten.

Apple hat angeblich auch etwas in der Entwicklung. Da gibt es dann sicher die Beats Variante mit fettem Bass für 299 Euro… lassen wir uns überraschen.

Microsoft wäre prädestiniert dafür, solch einen Speaker zu entwickeln. Hat man doch Cortana, ein mächtiges Bot-Framework, mit Groove einen eigenen Musikdienst, dank Kinect genug Spracherkennungs Know How… noch hört man aber nichts.

fascebook hat ebenfalls ein starkes Bot-Ökosystem und könnte in diesen neuen Markt einsteigen – und so erreichen, was man mit den halbherzigen Smartphone Versuchen (“HTC First” und “Facebook Home” anyone?) nicht erreicht hat.

Aber gerade Microsoft und Google könnten ihren “Home Speaker Software” für andere Hersteller öffnen, so dass es z.B. eine Sonos Box mit Cortana geben könnte… Spannende Ideen tun sich auf.

Die Zukunft hat – wieder einmal – gerade erst begonnen.